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Computerspiele: Spieß umgedreht: EA klagt gegen "Generals"-Indizierung

Der Spielehersteller Electronic Arts fühlt sich ungerecht behandelt: Gegen die Schnell-Indizierung des umstrittenen PC-Strategietitels "Command & Conquer: Generals" wurde vor dem Kölner Verwaltungsgericht Klage eingereicht.

Electronic Arts hatte in letzter Zeit mehr mit der Justiz zu tun, als es den Verantwortlichen lieb sein dürfte. So klagte Nationaltorhüter Oliver Kahn jüngst vor dem Hamburger Landgericht gegen die renommierte Spielefirma ("Black & White"), weil diese Kahns Konterfei und Namensdaten in "Fifa 2002 WM" benutze, ohne den Bayern-Keeper davon in Kenntnis zu setzen. EA verlor, eine saftige Schadensersatzklage von Kahn steht noch aus.

Spieß umgedreht

Jetzt schlägt EA zurück – und klagt zur Abwechslung mal selbst. Am vergangenen Freitag reichte man vor dem Verwaltungsgericht Köln Klage ein, um gegen die ungewöhnlich schnelle Indizierung von "Command & Conquer: Generals" zu protestieren. Der aktuelle Teil der Kultreihe wurde am 01. März 2003 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) auf den Index gesetzt, nur zwei Wochen nach der Veröffentlichung des von vielen Fans lange erwarteten Games. Der Schock war nicht nur bei den PC-Strategen groß, sondern vor allem bei EA; die Marke "Command & Conquer" ist eine Melkkuh, die seit Jahren fette Gewinne produziert. Auch "C & C: Generals" stand bis zum Zeitpunkt seiner Indizierung auf oberen Chart-Rängen.

Zu zynisch für Deutschland?

Was dem Bonner Prüfungsgremium der BPjM und auch Bundesfamilienministerin Renate Schmidt im Falle "C & C: Generals" zu weit ging, war vor allem der beißende Zynismus des Spiels, der die aktuelle weltpolitische Lage ausschlachtet (sagen die einen) oder überzogen karikiert (sagen die anderen). Das fiktive Szenario nebst beklemmend realistischer Rahmenhandlung, in dem der Spieler den Terror bekämpfen, aber auch selbst ausüben kann – etwa mit Selbstmordattentaten oder Massenvernichtungswaffen –, war den Prüfern zu nahe dran am echten Leben, zu Kriegs verherrlichend; solche Geschmacklosigkeit passte aber vor allem nicht in die deutsche Kriegspolitik.

Dr. Jens Uwe Intat, Geschäftsführer EA Central Region, hält die Klage für gerechtfertigt und fühlt sich ungerecht behandelt. Er bezeichnet das Vorgehen der BPjM als fragwürdig; EA Deutschland wäre als Unternehmen eines US-amerikanischen Konzerns ein Opfer politischer Motive geworden. Die Klage reiche man aber vor allem aufgrund der im Eilbeschluss angeordneten Indizierung ein, der finanziell entstandene Schaden spiele nur eine sekundäre Rolle. Laut Intat hätte das Gremium keinerlei sachliche Argumente vorgetragen, zudem sei den Prüfern weder die "Command & Conquer"-Reihe noch das Genre bekannt gewesen.

Brisanz-Faktor: das neue Jugendschutzgesetz

Der Streit um "C & C: Generals" wirbelt nicht nur alte deutsche Werte-Fragen auf, auch das neue Jugendschutzgesetzes vom 01. April 2003 spielt eine wichtige Rolle im Verfahrensverlauf. Gemäß der neuen Paragraphen hätte "C & C: Generals" nämlich gar nicht indiziert werden dürfen – zumindest nicht nach dem 01. April. So heißt es in der Gesetzes-Novelle sinngemäß: Spiele, die von der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) mit einer Altersfreigabe von 16 Jahren zugelassen werden, können nachträglich nicht mehr indiziert werden. "C & C: Generals" erhielt zwar von der USK eine 16er-Freigabe, landete aber vor dem 01. April auf der roten Liste der BPjM. Die Indizierung ist also rechtskräftig, was EAs Erfolgsaussichten für eine Rücknahme der Indizierung nicht unbedingt verbessert. Gegen einen "Re-Launch" ihres Lieblingsspiels hätten die tausenden "C & C"-Gamer, die sich seit Wochen in einschlägigen Fan-Foren ihren Ärger von der Seele schreiben, jedoch ganz und gar nichts einzuwenden. Für sie kommt EAs Klage ohnehin viel zu spät. "Naja, sie können's ja noch versuchen", meint "Madmax" auf cncforen.de, "vielleicht hat EA ja nur abgewartet, bis der Irak-Krieg zu Ende ist..."

Benedikt Plass, Medienagentur Plassma