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Kaufberatung: Ultraschnell und superbillig: Welche externe Festplatte soll man kaufen?

Welche externe Festplatte ist die richtige? Diese Frage stellt sich unweigerlich, wenn Ihr PC oder Smartphone mit Daten sprichwörtlich überläuft. Wir sagen, welche externe Platte sich für welche Zwecke lohnt.

Der technologische Fortschritt bei den SDDs und deren gehäuselosen Abkömmlingen kratzt mächtig an der Übermacht der 3,5- und 2,5-Zoll-Festplatten der vergangenen Jahre. SSDs feiern nicht nur den Einzug ins PC-Gehäuse, sie sind auch als mobile Datenträger im Einsatz. Ganz vorn mit dabei sind Samsung und Toshiba. Gepaart mit einem vernünftigen Controller, der einen hohen Datentransfer über den USB 3.0-Anschluss aufrechterhalten kann, ergibt das auch absolut Sinn. Kritisch wird es bei ungleichen Pärchen.

Steckt man eine SSD in ein billiges 2,5-Zoll-Gehäuse, dann ist das so, als würde man einen Weltklasse-Sprinter in Ritterrüstung auf die Aschenbahn schicken. Der hat keine Chance, das Rennen jemals zu gewinnen. Nicht immer geht es aber ausschließlich um Geschwindigkeit. Wer viele Daten mit seinem Smartphone verarbeitet und sich nach mehr Platz sehnt, wird womöglich über eine Erweiterung per Wlan-Anbindung erfreut sein. Auch hier haben Hersteller inzwischen Lösungen im Portfolio. Externe Festplatten kann man aber auch selber bauen. Wir stellen in Zusammenarbeit mit dem PC-Magazin die besten Lösungen vor.

Große Speicher für große Datentransporte

Totgesagte leben länger, sagt der Volksmund. Diesen Spruch nehmen die mobilen Speicher mit magnetischen Festplatten wohl auch gerne für sich in Anspruch. Zwar ist diese Technologie wesentlich empfindlicher gegenüber Erschütterungen als jene ihrer nicht mechanischen SSD-Nachfahren. In puncto maximaler Speicherkapazität und beim Preis pro Gigabyte schlagen die "Mechaniker" die mobilen Festspeicher-Avantgardisten aber um Längen.

Ein Beispiel: Die Toshiba Canvio Basic mit einer Kapazität von zwei Terabyte gibt es im Versand für 80 Euro. Ein Gigabyte Speicher kostet also vier Cent. Wollte man die gleiche Kapazität als SSD-Variante, so müsste man eine Samsung Evo 850 mit einem Adapter kombinieren, denn Zwei-Terabyte-SSDs als mobile Fertigversion gibt es noch gar nicht. Möglich wäre es aber immerhin. Doch der Preis pro Gigabyte beliefe sich auf 44 Cent – oder 875 Euro für die SSD und einen SATA-III-USB-3.0-Adapter. Die "Mechaniker" haben also durchaus noch ihre Daseinsberechtigung.

2,5-Zoll-Festplatten

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da war im 2,5-Zoll-Format bei Festplatten an Kapazitäten jenseits eines Terabytes nicht zu denken. Die erste 3-Terabyte HDD im 2,5-Zoll-Format haben wir im Mai 2015 getestet. Der Herstellertrick: Die Bauhöhe wurde auf 15 mm aufgestockt. Die Toshiba Canvio Basic ist kleiner als eine Zigarettenschachtel und wiegt nur 211 Gramm. Wer sich für eine solche Festplatte entscheidet, legt Wert auf den Transport von sehr hohen Datenmengen. Das kann zum Beispiel die gesamte Musiksammlung sein, ein Filmarchiv oder die gesammelten Videoclips der Familie.

Die Transferraten sind mit rund 100 Mbyte/s gut, doch wer bei der Verwandtschaft mal eben 1 TByte an Videoclips überspielen will, sollte die Zeit für einen Kaffee und Kuchen mitbringen. Ein weiterer Vorteil dieser kleinen mobilen Speicher ist, dass Sie nur ein USB-3.0-Kabel mittragen müssen, da dieser Standard die kleine Platte vollständig mit Strom versorgt.

Eigenbau: Im Format 2,5“ gibt es derzeit keine HDD für den Dauerbetrieb und keine HDD mit Standardhöhe, die mehr als zwei TByte Speicherkapazität hätte. Ein Selbstbau ist damit hinfällig.

3,5-Zoll-Festplatten

Die WD My Book mit vier Terabyte Speicher bekommen Sie bei großen Versandhäusern bereits für rund 140 Euro, das entspricht einem sehr günstigen Gigabytepreis von 3,5 Cent. Billiger geht es kaum noch. Typisches Einsatzgebiet einer 3,5"-HDD ist die NAS-Erweiterung, weil der Anschluss per USB 3.0 unkompliziert ist. Will man Daten dann bei Freunden oder der Verwandtschaft überspielen, ist die Platte schnell eingepackt. Gegen Langfinger haben viele 3,5-Zöller sogar einen Kensington-Lock-Anschluss.

Doch für den Dauereinsatz sind diese Laufwerke häufig nicht konzipiert. Leider wandern oft die weniger guten Produktionschargen der Festplatten in die externen Gehäuse. Auch wissen Sie nicht, was für ein Typ von Festplatte im Gehäuse verbaut wurde. Wer das Laufwerk nonstop betreibt, sollte Wert darauf legen, dass die interne HDD für den Dauerbetrieb ausgelegt ist, wie beispielsweise eine WD Red, Seagate Archive oder eine HGST Deskstar NAS.

Alternativen: Wer seine 3,5“-Platte nicht selber zusammenbauen will, kann auch zur Seagate Expansion Desktop (bis 5 TByte) oder zur Toshiba Canvio Deskstar 3,5“ (6 TByte, 260 Euro) greifen.

Externe Exoten mit und ohne Funkanbindung

Besondere Ansprüche erfordern oft besondere Maßnahmen und Ausgaben. Wenn beispielsweise Smartphone-Power-Usern der Speicherplatz ausgeht, weil sie gerne Hollywood-Filme auf Reisen gucken, dann hilft eigentlich nur eine externe Festplatte mit Wlan-Anbindung. Viele moderne Phones haben gar keinen microSD-Slot mehr und Apples iPhone ja ohnehin nicht. Funkbasierte Lösungen gibt es zum Beispiel von Seagate und Toshiba. Sehr trendig ist die Samsung T1. Die Mini-SSD überträgt Daten extrem schnell dank eines guten Controllers.

Samsung Portable SSD T1

Die mobile SSD T1 (Formfaktor MO-300) ist kaum größer als ein Feuerzeug und sehr stylisch und flach. Der 3D-VNAND-Datenspeicher muss per Tool zunächst "freigeschaltet" werden. Lediglich eine 128 MByte große Partition mit der zu installierenden Software ist sichtbar. Bei der Aktivierung wird auf Wunsch die Verschlüsselung mit 256 Bit aktiviert. Die T1 erreicht gute Lese- und Schreibraten von 270 bzw. 296 MByte/s. Wer diesen Mini-Designspeicher möchte, zahlt derzeit für 500 MByte 200 und für 1 TByte lediglich 400 Euro.

Toshiba Canvio AeroMobile

Am Laptop verschieben Sie Daten mit der AeroMobile über den USB-3.0-Bus. Im Testlabor erreicht die Platte Transferraten von 126 bzw. 138 MByte/s über das USB-3.0-Kabel – zu wenig. Von einer SSD erwarten wir an die 300 MByte/s. Die WLAN-Anbindung per App läuft reibungslos. Der Funktransfer bleibt mit 3,5 MByte/s allerdings bescheiden. Auch unsere Full-HD-Testvideos spielen nicht ohne Aussetzer. Die App selbst ist sehr übersichtlich gestaltet. Bequem kann man zum Beispiel Daten von einer eingesteckten SD-Karte auf die SSD kopieren. Preis: 120 Euro.

Seagate Wireless HDD

Die kabellose Festplatte von Seagate ist interessant für Smartphone-Besitzer, die ein Platzproblem haben. Seagate bietet eine Media-App für iOS-, Android-, Amazon- und Windows-Betriebssysteme an, mit der Filme und Musik direkt von der HDD gestreamt werden können. Ein direkter Zugriff ist unter Windows möglich. Dazu muss man die Netzwerkfreigabe aktivieren. Den Share Public-01 können Sie dann bequem als Netzlaufwerk einbinden. Die Funkleistung der Seagate ist mit 3,4 bzw. 7,1 MByte/s im Up- bzw. Download aber nur ausreichend.

Mobile Festplatten im Eigenbau

Wer eine mobile Festplatte selbst zusammenbaut, hat gute Gründe. Der Eigenbau ist leicht: Sie benötigen lediglich ein Gehäuse und einen passenden Speicher. Schwerer wird es bei der Auswahl der Komponenten, dennoch ist der Eigenbau von Vorteil. Denn Sie können das Festplattenmodell selbst wählen und damit nicht nur die Leistungseckdaten bestimmen. Sie haben zudem die Chance, eine HDD aus guter Charge und passend für Ihren Einsatzzweck zu bekommen. Intern bewerten Hersteller HDDs nach Qualitätskategorien, und die weniger guten Platten wandern häufig in externe Laufwerke. Der Selbstbau eröffnet also zumindest die Chance auf ein perfektes Produkt.

HDD-Festplatten im Eigenbau

Grundsätzlich sollten Sie bei der Gehäuseauswahl immer eines mit USB-3.0-, eSATA-Anschluss oder schneller wählen, also zum Beispiel USB 3.1 oder Thunderbolt. Zwar können die HDDs niemals den vollen Standard ausreizen, mit USB 2.0 erreichen Sie aber kaum mehr als 30 MByte/s in der Praxis, und das bremst sogar die schnellste Festplatte aus.

Ein weiteres Problem ist jedoch der Controller im Gehäuse. Er soll für eine rasche Datenweiterleitung von SATA III z.B. auf USB 3.0 sorgen. Leider wird der Kunde an dieser Stelle beim Kauf im Dunkeln gelassen.  Die Controller-Leistungsdaten fehlen bei der Produktbeschreibung oft. Da hilft nur ein Test. Wir haben die ICY-Box IB-366StU3+B mit einer Seagate ST6000NM0024 kombiniert und erreichten Transferraten von über 220 MByte/s in der Spitze und durchschnittlich über 170 MByte/s. Das ist exzellent. Die ICY-Box können wir deshalb guten Gewissens wärmstens empfehlen.

In Zusammenarbeit mit dem PC-Magazin
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