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Fragen & Antworten: Wie gefährlich sind Videospiele?

Nach der Schreckenstat vom Emsdetten wurde in Politik und Talkshows der Ruf nach dem Verbot sogenannter Killerspiele laut. Vor allem Eltern sind besorgt. Der stern beantwortet ihnen die zehn drängendsten Fragen zum Thema.

Von Maximilian Geyer, Udo Lewalter, Ulf Schönert und Sven Stillich

Was finden Kinder und Jugendliche so faszinierend an Videospielen?

"Kinder lieben Fantastisches, und diese Spiele sind Fantasielandschaften", sagt der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann: Im Videospiel gelten selten die Regeln der echten Welt, manchmal nicht die der Physik, und nicht immer die der Moral. Hier gibt es Blumen, die Lava speien, hier kann man zehn Meter hoch springen oder mit seiner Armee in den Städten des Gegners wüten. "Eine Rolle spielen auch Allmachtsfantasien", fügt Bergmann hinzu: "Es ist eine magische Welt, in der Kinder alles dürfen, sogar Dinge zerstören." Jürgen Fritz, Leiter des Kölner Forschungsprojekts "Wirkung virtueller Welten", sagt: "Es geht wie in allen Spielen um Erfolg, und den gibt es nur, wenn der Spieler das Spiel beherrscht." Nur dann wird er belohnt mit Macht, mit Kontrolle und mit einem guten Gefühl. Und das haben alle Spiele gemeinsam, egal, ob sie alleine am PC, über das Internet gegen andere oder über eine Konsole am Fernseher gespielt werden - es geht um den Spaß, im Spiel zu bleiben: den Ball bei "Pong"-Tennis nicht zu verlieren, ein Monster zu besiegen oder einen Gegner zuerst zu treffen und somit zu überleben. Das fasziniert nicht nur Kinder, sondern immer mehr Ältere: Laut der Bilanz 2005 des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) sind die Hälfte aller Computerspieler in Deutschland älter als 19 Jahre. Mehr Infos dazu bei der Bundeszentrale für politische Bildung: www.bpb.de, Stichwort "Themen > Medien".

Welche Rolle spielt Gewalt in diesen Computer- und Videospielen?

Grundprinzip des Videospiels ist in den allermeisten Fällen der Wettkampf gegen den Computer oder gegen andere. Und oft müssen Spieler Gewalt einsetzen, um zu gewinnen - diese jedoch äußert sich in vielen Formen, vom Foul beim virtuellen Fußball bis zum Kopfschuss bei einem Ballerspiel. Nicht jede Art von Gewaltdarstellung in einem Spiel ist also verwerflich - es gilt zu differenzieren wie bei einem Spielfilm. Welche Rolle Gewalt im jeweiligen Fall hat und wie bildhaft sie präsentiert wird, hängt vom Genre des Spiels ab: In einem Strategiespiel, bei dem große Armeen meist aus der Vogelperspektive dirigiert werden, ist die Darstellung von Gewalt weniger drastisch als bei einem "Ego-Shooter", in dem der Spieler die Welt über den Lauf einer Waffe sieht und Gewalt oft über die Maßen zelebriert wird. Deswegen steht diese Gattung am meisten im Zentrum der gesellschaftlichen Kritik, obwohl ihr Anteil an den verkauften Spielen nicht übermäßig hoch ist. Im September gab es unter den Top 20 der Computerspiele vier "Ego-Shooter". Mehr zum Thema: jugendschutz.net.

Wird mein Kind gewalttätig, wenn es brutale "Ego-Shooter" spielt?

Videospiele sind ein junges Medium, die Forschung dazu ist noch jünger. "Es gibt deswegen keine verlässlichen Erkenntnisse über die langfristigen Auswirkungen", sagt Tilo Hartmann, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Erfurt: "In den ersten 20 Minuten nach dem Konsum eines gewalthaltigen Videospiels jedoch wird die Welt feindseliger gesehen." Es gibt weitere Studien, die eine gesteigerte Aggressivität während und kurz nach dem Spiel beobachten - diesen Hinweisen wird nun verstärkt nachgegangen. Aktuell jedoch gibt es keinen wissenschaftlich bewiesenen direkten langfristigen Zusammenhang zwischen virtueller und realer Gewalt. Kommt es zu Gewalt in der realen Welt, "dann ist diese immer auf das Ineinandergreifen verschiedener Faktoren zurückzuführen", sagt die Medienforscherin Tanja Witting: "Diese Faktoren liegen in erster Linie in der Person, in ihrem sozialen Umfeld und in ihrer realen Lebenssituation." Niemand wird also zum Mörder, nur weil er spielt. Es gibt jedoch ein Problem: Jeder Spieler sucht sich das Spiel aus, das zu ihm passt. "Und akzeptiert ein junger Mensch vom Grundsatz her Gewalt", so Tanja Witting, "dann können brutale Videospiele einen verstärkenden Effekt haben". Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des stern (s. "News" auf S. 25) ergab: Trotz fehlenden wissenschaftlichen Belegs halten 72 Prozent der Deutschen brutale Computerspiele für "mitverantwortlich für die zunehmende Gewalt an Schulen". Einen guten Überblick zu diesem Thema gibt www.mediengewalt.de.

Können Spiele Kinder so in virtuelle Welten ziehen, dass sie süchtig werden?

Viele Jugendliche spielen stunden-, tage- und nächtelang am PC. Meist ist das eine pubertäre Phase, die von selbst vorbei- geht. "Bedenklich wird es, wenn sich die Balance zwischen Realem und Virtuellem verschiebt", sagt Jürgen Fritz. Manche Spieler driften in die virtuelle Welt ab: Nach einer Studie der Berliner Charité spielen neun Prozent der 11- bis 14-Jährigen exzessiv am Computer, "fünf bis sechs Prozent aller Spieler sitzen länger als 30 Stunden pro Woche vor dem PC", sagt Fritz. Die Betroffenen kapseln sich von Familie und Nichtspieler-Freunden ab, schulische oder berufliche Leistungen lassen nach. Untersuchungen legen jedoch den Schluss nahe, dass das Spiel nicht die Ursache der Sucht ist: Wer abhängig wird, wird es, weil er ohnehin eine Veranlagung zu Suchtverhalten hat. Nur die Konsole wegzunehmen hilft also nicht - vielmehr sollten Betroffene und Eltern den Rat eines Psychologen oder Arztes suchen. Mehr dazu: verhaltenssucht.de.

Was ist ein "Killerspiel" - und warum sind die nicht bereits verboten?

Das Problem: Niemand weiß, was ein "Killerspiel" sein soll und wie viel Gewalt ein Spiel - über alle Geschmacks- und Moralvorstellungen hinweg - zu einem "Killerspiel" macht. Der Inhalt des Begriffs muss definiert werden, darauf weist ein Gutachten des Deutschen Bundestags explizit hin. Geprägt wurde die Bezeichnung "Killerspiel" nach der Tragödie von Erfurt vom bayerischen Innenminister Günther Beckstein (CSU). Das "Verbot von Killerspielen" steht als Zielvorgabe im Vertrag der Großen Koalition. Nach der Bluttat von Emsdetten kündigte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) eine Verbotsinitiative im Bundesrat an, weil "Killerspiele Jugendliche animieren, Menschen zu töten", sein Innenminister Günther Beckstein will "Killerspiele" wie Kinderpornografie bekämpfen, und der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) will "konsequent gegen Spiele vorgehen, die Gewalt verherrlichen" - obwohl Gewaltverherrlichung ein Straftatbestand ist und somit gewaltverherrlichende Spiele in Deutschland bereits verboten sind.

Wer schützt bislang Kinder und Jugendliche vor ungeeigneten Spielen?

Deutschland hat, was Videospiele angeht, in Europa das strengste Verfahren zum Jugendschutz: Alle Spiele, die an Kinder und Jugendliche verkauft werden sollen, müssen von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) eine Freigabe bekommen. Die USK ist eine durch die Industrie finanzierte Institution, in der Spiele von Pädagogen, Psychologen und anderen Experten aus der Praxis auf Jugendverträglichkeit geprüft werden. Auf der Basis deren Prüfung entscheidet ein Vertreter der Obersten Landesjugendbehörde, ab welchem Alter ein Videospiel freigegeben ist: nur für Erwachsene, ab 16, ab 12, ab 6 Jahren oder für jedes Alter. Diese Freigabe (siehe Abbildungen oben) muss der Hersteller deutlich auf der Verpackung und auf dem Trägermedium des Spiels vermerken, Händler machen sich strafbar, wenn sie an zu junge Kunden verkaufen. Überaus brutalen Spielen verweigert die USK diese Kennzeichnung. Ein solches Videospiel kann, wenn es in Deutschland erscheint, von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert werden - was jedoch nicht mit einem Verbot gleichzusetzen ist: Diese Spiele dürfen lediglich nicht beworben und nur an Erwachsene abgegeben werden. 2005 wurden 1,5 Prozent aller 2686 geprüften Spiele die Kennzeichnung verweigert. Mehr zur USK: usk.de.

Wie erkenne ich, welche Spiele mein Kind überhaupt spielen darf?

Auch wenn niemand sagen kann, ob Videospiele gewalttätig machen: Es schadet Kindern, wenn sie Bilder zu sehen bekommen, die sie ängstigen und traumatisieren. Sie können sogar schlechter in der Schule werden, befürchtet der Kriminologe Christian Pfeiffer. Bei Videospielen ist die erste Orientierung die Altersfreigabe der Prüfstelle USK auf der Verpackung (siehe Frage 6). Für Eltern sind diese Siegel jedoch nur eine Empfehlung: Selbst Spiele ohne Altersbeschränkung sind nicht unbedingt für jedes Kind geeignet, da sie zwar harmlos, aber möglicherweise zu komplex sein könnten. So hängt es also immer von der Reife des einzelnen Kindes ab, welche Spiele geeignet sind - und die sollten Eltern am besten beurteilen können. Hilfe bei der Alterseinstufung und alle USK-Freigaben gibt es auf zava tar.de, schau-hin.info gibt gute Tipps zu Spielen und Medienkompetenz.

Woher bekommen Kinder und Teenis Spiele, die für sie nicht geeignet sind?

Genauso wie sie an Pornos, Alkohol oder Zigaretten kommen, wenn sie wollen: Mal ist es der große Bruder, der das Spiel kauft und an den kleinen Bruder weitergibt. Mal sind es Verkäufer, die jugendliche Kunden nicht nach dem Ausweis fragen - auch wenn sie damit hohe Bußgelder riskieren. Wer sich auskennt, kann indizierte Spiele aus dem Internet herunterladen. Manche in Deutschland indizierten Spiele sind überdies in Österreich oder in der Schweiz frei erhältlich, wo man sie dann ganz normal im Laden kaufen oder im Internet bestellen kann.

Sollte ich meinen Kindern erlauben, Computerspiele zu spielen?

"Solange Eltern Kindern ermöglichen, sich vielfältig zu engagieren, kann kaum etwas schiefgehen", sagt Winfred Kaminski vom Kölner Institut für Medienforschung und Medienpädagogik. Eltern müssen darauf achten, wie oft und vor allem, was ihre Kinder spielen - "und aufpassen, dass der PC nicht zum Lebensmittelpunkt wird", wie Thomas Feibel vom Büro für Kindermedien sagt. Arrangieren sollten sich Eltern aber in jedem Fall mit dem neuen Medium. "Nahezu alle Jugendlichen spielen regelmäßig und werden das auch in Zukunft tun", sagt Maic Masuch vom Institut für Simulation und Grafik der Universität Madgeburg, "Spiele werden selbstverständlicher Bestandteil zukünftiger Generationen sein. Es sind die Nicht-Spieler, die aussterben."

Sollte ich selbst mal so ein Spiel ausprobieren? Muss ich das sogar?

Machen Sie das! Vielleicht macht es Ihnen sogar Spaß - es muss ja kein Ballerspiel sein. Vielleicht ist es nichts für Sie, vielleicht ist es eine Möglichkeit, eine gute Zeit mit Ihren Kindern zu verbringen. Es gibt keinen Zwang - wenn Sie es jedoch nicht ausprobieren, werden Sie nicht verstehen, worum es geht: Denn Zuschauen ist nicht Spielen, das unterscheidet Videospiele vom Spielfilm.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.