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Grafikkarten-Trends: Voll auf die Augen

Besonders für Spieler ist die Grafikkarte eine der wichtigsten Komponenten ihres PCs. Prozessoren haben schon bis zu vier Kerne, jetzt kommen auch zwei oder mehr Grafikchips zum Einsatz. Außerdem: 1024 MByte Videospeicher werden zum Standard. Die Grafikkarten-Trends für 2008.

Die Geforce 7950 GX2 von 2006 weist die Richtung: 2008 kommen vermehrt 3D-Karten mit zwei Grafikprozessoren auf den Markt. Den Anfang macht AMDs Radeon HD 3870 X2 für geschätzte 500 Euro. Zur Cebit im März will Nvidia mit einer (wahrscheinlich Geforce 8900 GX2 genannten) 600-Euro-Platine aus zwei Geforce 8800 GTS 512 kontern. Bei diesen High-End-Modellen verbinden die Hersteller einfach zwei Chips auf einer Platine per SLI beziehungsweise Crossfire. Langfristig könnten die Hersteller dazu übergehen, all ihre Modelle von der Einsteiger- über die Mittel- bis zur High-End-Klasse mit dem gleichen Grafikchip auszustatten. Dann würde die Anzahl der Prozessoren das Leistungsniveau bestimmen, je nach Klasse also einer, zwei oder vier.

Unbedingte Voraussetzung für einen stressfreien Betrieb solcher Grafikkarten sind gute Treiber - hier hatte die Doppelkarte Geforce 7950 GX2 genauso ihre Probleme wie SLI- oder Crossfire-Verbünde. Vielleicht gelingt es AMD und Nvidia ja mittelfristig, die Rechenlast zwischen den einzelnen Chips unabhängig von Treiber und Spiel effizient zu verteilen.

Die wichtigsten Grafikkarten-Trends finden Sie im Kasten links.

Daniel Visarius/Gamestar

1024 MByte Videospeicher

Die extrem fein aufgelösten Texturen der aktuellen Spielegeneration brauchen reichlich Videospeicher, Kantenglättung sowieso. Mit weniger als 512 MByte verliert man 2008 deshalb viel Spieleleistung. Eine Geforce 8800 GTS mit 640 MByte beispielsweise arbeitet gut 20 Prozent schneller als die 320-MByte-Variante, obwohl Grafikchip und Taktfrequenzen identisch sind. Ähnliche Leistungsnachteile haben auch die 256-MByte-Versionen von Geforce 8800 GT oder Radeon HD 3850.

Beim Neukauf einer Grafikkarte sind 2008 also 512 MByte Pflicht. Der geringe Preisvorteil der 256-MByte-Varianten wiegt den Leistungsrückstand nicht auf. Im High-End-Segment etablieren sich 1024 MByte mittelfristig als neuer Standard.

AGP-Todeskampf dauert an

AGP-Systeme stecken spätestens seit Anfang 2007 in einer Aufrüstsackgasse. Einziger Ausweg: Neukauf von Prozessor, Hauptplatine, Arbeitsspeicher und Grafikkarte sowie oft auch des Netzteils. Einzige Alternative: die seltenen AGP-Versionen aktueller Grafik-Hardware. Powercolor zum Beispiel will eine Radeon HD 3850 mit 512 MByte für den AGP-Steckplatz verkaufen. Die meisten Hauptprozessoren in AGP-Systemen bremsen AMDs Preis-Leistungs-Sieger jedoch aus. Wer mit dieser Einschränkung leben kann, verlängert das Leben seines Spiele-PCs durchaus noch einmal um ein gutes Jahr. Nvidia hat den AGP-Markt aufgegeben.

DirectX 10.1

Mit der Patch-Sammlung Service Pack 1 für Windows Vista erscheint bis Mitte 2008 die erste Aktualisierung für DirectX 10.

Selbst ein Jahr nach dem Start von Windows Vista setzen 80 Prozent der Fachzeitschrift Gamestar immer noch auf Windows XP - schließlich ist das stabiler und meist schneller. Mit der ersten offiziellen Patch-Sammlung, dem Service Pack 1, will Microsoft im ersten Halbjahr 2008 nun mehr Spieler zum Wechsel bewegen.

Als Teil des Renovierungspakets kommt auch ein Update für DirectX 10 mit auf die Festplatte - DirectX 10.1. Verbesserungen bei der Kantenglättung sowie der Shader-Programmierung sollen bisher optionale Bildverbesserungsfunktionen zur Pflicht machen. Da aber selbst ein Vorzeigespiel wie "Crysis" DirectX 10 nur äußerst behutsam einsetzt, dürfte mittelfristig kein spezielles DirectX-10.1-Spiel erscheinen. Angeblich befindet sich immerhin ein bisher noch nicht angekündigter Titel in der Entwicklung. So oder so: AMDs Radeon-HD-3800-Karten unterstützen DirectX 10.1 bereits. Nvidia hat noch keine Pläne, seine Chips mit DirectX-10.1-Unterstützung auszustatten.

Anschlusssalat

Die digitale DVI-Verbindung hat VGA längst als Standard abgelöst. Nun wollen die DVI-kompatiblen Nachfolger HDMI und Displayport die Nachfolge klären. Beide Stecker brauchen weniger Platz als DVI, sind dazu abwärtskompatibel und unterstützten den HDCP-Kopierschutz von Blu-ray oder HD-DVD-Filmen.

Allerdings sind Displayport und HDMI (HDMI 1.3) nur auf den ersten Blick voll kompatibel zueinander. Wenn Sie eine PC-Grafikkarte per Displayport oder HDMI mit einem HDMI-Fernseher koppeln, können etwa Helligkeitsverfälschungen auftreten. Es sei denn, das TV-Gerät beherrscht einen PC-Modus, manchmal auch "Overscan Aus" genannt. Schließen Sie umgekehrt einen DVD-Spieler über den HDMI-Ausgang direkt an einen passenden PC-Monitor, stehen Sie vor dem gleichem Dilemma.

Erste Radeon-Grafikkarten mit HDMI-Anschluss sind bereits erhältlich. Nvidia will mit seinen neuen Einsteiger- und Mittelklasse-Grafikkarten wiederum den Displayport anschieben -- Geforce 9400 und 9600 sollen neben einem DVI-Ausgang auch über einen Displayport verfügen.

Schnellere Speicheranbindung

Der Monitorhersteller Samsung geht davon aus, dass 2008 ein Drittel aller verkauften TFTs mindestens 22 Zoll messen. In der nativen 22-Zoll-Auflösung von 1680x1050 arbeiten viele Mittelklassegrafikkarten aber zu langsam. Ein wichtiger Faktor für die Geschwindigkeit in hohen Auflösungen oder Qualitätseinstellungen ist die Speicherbandbreite, die sich aus dem Speichertakt und der Breite der Speicher-Anbindung ergibt. Der Speichertakt wird durch die Fertigungstechnologie und den Strombedarf der Chips begrenzt, die Speicherbandbreite durch die Fertigungskosten. Mit der Radeon-HD-3800-Serie verkauft AMD nun erstmals Grafikkarten mit 256 Bit breiter Speicheranbindung für unter 200 Euro. Üblich in dieser Klasse sind nur 128 Bit, was bei gleichem Takt die Speicherbandbreite auf einen Schlag halbiert. Mit der für März geplanten Geforce 9600 wird Nvidia hier vermutlich nachziehen.

Strom sparen

Energie wird immer teurer. Die Grafikkartenhersteller gehen langsam mit dem Trend und reduzieren die Stromaufnahme mit effizienteren Fertigungsprozessen. AMD hat hier mit der Radeon-HD-3800-Serie vorgelegt, Nvidia mit dem G92-Grafikprozessor der 8800 GT nachgezogen. Im High-End-Segment scheinen die Stromkosten aber weiter keine Rolle zu spielen: Beide Hersteller träumen von sündhaft teuren Ensembles mit bis zu vier Grafikchips -- derartige SLI- oder Crossfire-Systeme ziehen locker über 300 Watt vom Netzteil.