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Kirche gegen Sony: Showdown in der Kathedrale

Darf man eine bekannte Kirche in einem Computerspiel als Schauplatz für Action benutzen? "Nein", findet die Church of England und fordert von Sony Wiedergutmachung dafür, dass man in "Resistance: Fall of Man" in der Kathedrale von Manchester Aliens abballern muss.

Von Ralf Sander

Die Church of England und der Konsolenhersteller Sony streiten sich über die Kathedrale von Manchester. Nicht die echte wohlgemerkt, sondern ein virtuelles Abbild. Auslöser der Auseinandersetzung ist ein Spiel, das die anglikanische Kirche als "sick", als krank bezeichnet: "Resistance: Fall of Man". Das nur für die Playstation 3 erschienene Actionspiel hat sich weltweit mehr als eine Million Mal verkauft und geizt nicht mit Gewaltdarstellungen. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Soldaten, der in den 1950er Jahren mit seiner Armee gegen eine Invasion von Außerirdischen kämpft. Einer der Schauplätze, an dem es zu einem gewaltigen Gefecht kommt: eine Kathedrale, die der Manchester Cathedral von innen und außen frappierend ähnelt.

Balleraction im Kirchenschiff - das will die Church of England nicht akzeptieren. Nicht nur, weil diese Idee der Spieldesigner geschmacklos sei. Schießereien im Gotteshaus von Manchester zu simulieren, "ist in hohem Maße unverantwortlich", sagt der Bischoff von Manchester, denn es sei "wohlbekannt, dass die Stadt ein Problem mit Schusswaffen hat." Angesichts der vielfältigen Versuche, Jugendliche von Waffen fernzuhalten, sei es kontraproduktiv, wenn ausgerechnet in einem bekannten Gebäude der Stadt Schusswechsel inszeniert würden.

Außerdem, so die Kirche, habe Sony niemals um Erlaubnis gefragt, die Kathedrale abbilden zu dürfen. Der japanische Unterhaltungskonzern antwortet in einem offiziellen Statement. "Sony nimmt die Besorgnis des Bischoffs von Manchester sehr ernst. Wir glauben, wir haben alle notwendigen Erlaubnisse für die Herstellung dieses Spiels eingeholt." Dieser Satz lässt allerdings die Möglichkeit offen, dass Sony es nicht für notwendig hielt, für die Kathedrale eine Freigabe zu besorgen.

Außerdem weist Sony Computer Entertainment Europe darauf hin, dass es sich bei "Resistance" um Science-Fiction handele und "nichts mit der Realität zu tun habe".

Die Kirche will sich mit diesen Antworten nicht zufrieden geben. Sie hat einen Brief mit vier Forderungen geschrieben:

  • Eine Entschuldigung für die Nutzung der Kathedrale
  • Rückruf des Spiels oder Entfernung des Kathedrale aus dem Spiel beziehungsweise Veränderung des Schauplatzes
  • Sony soll einen namhaften Betrag aus den "Resistance"-Verkaufserlösen für die Bildungseinrichtungen des Kathedrale spenden.
  • Sony soll andere Gruppierungen unterstützen, die etwas gegen Verbrechen mit Schusswaffen unternehmen.

Kommt Sony den Forderungen nicht nach, droht die Kirche mit einer Klage. Der Brief soll bei einem Treffen zwischen beiden Parteien übergeben werden. Wie das Duell ausgeht, könnte sich in den nächsten Tagen entscheiden.

Für Mark Simpson, Journalist bei BBC News, ist klar: Es könnte zwei Sieger geben, schreibt er in einem Kommentar. Sony gewinne landesweite Aufmerksamkeit für seine PS3, deren Verkaufszahlen schwächeln. Und die Kirche könne beweisen, dass sie gar nicht so irrelevant und rückgratlos sei, wie Kritiker ihr vorwerfen.