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SCHEIBE: Spam jetzt auch per Schneckenpost

Spam findet sich inzwischen nicht mehr nur in der virtuellen Welt. Auch im ganz normalen Briefkasten stapeln sich inzwischen die Werbebotschaften, die niemand braucht. Viele der bunten Zettel sollen sogar dazu verleiten, ins Internet zu gehen.

Spam findet sich inzwischen nicht mehr nur in der virtuellen Welt. Auch im ganz normalen Briefkasten stapeln sich inzwischen die Werbebotschaften, die niemand braucht. Bunte Zettel sollen den neugierigen Bürger dazu verleiten, extra ins Internet zu gehen, um sich hier noch ausführlichere Werbebotschaften abzuholen.

Spam lösche ich schon, ohne nachzudenken

Ich kenne das schon. Den ganzen Tag über rufe ich in meinem CompuServe-Programm den Befehl »Gesamte Post senden/empfangen« auf, um alle Post auf einmal abzurufen. Nur morgens mache ich das nicht. Da schaue ich erst einmal gaaanz vorsichtig ins Postfach hinein. Denn erfahrungsgemäß haben sich hier über Nacht mehrere Dutzend Spam-Mails (unerwünschte Werbung) aufgetürmt, die in Bausch und Bogen markiert und dann per Tastendruck gelöscht werden. Früher war die Spam eigentlich noch ganz interessant, versprachen die Botschaften mir doch beim Kauf ihrer Broschüren und Produkte Geld, Ruhm und Schönheit. Sogar elektronische Nasenhaarschneider und nächtliche Antischnarchhilfen wurden da beworben. Inzwischen geht es nur noch um neue Computergeräte und um Pornografie. Da werde ich in den Bestiary-Zoo eingeladen, wo sich Frauen mit Pferden vergnügen. Oder eine virtuelle Web-Schönheit erklärt mir, dass sie »es« rund um die Uhr braucht – und ich ihr dabei für ein paar Dollar zusehen kann. All diese Mails markiere ich noch auf dem Server – und weg damit. Dieser Löschvorgang ist mir so ins Blut übergegangen, dass ich gar nicht mehr aktiv darüber nachdenke.

Zettelwerbung nur noch mit Internet-Anschluss?

Anders sieht das bei der »richtigen« Post aus, die einmal am Tag von der Briefträgerin in den Briefkasten gestopft wird – nicht sehr zartfühlend übrigens. Die richtige Post wird ausgiebig und mit großer Neugierde gesichtet, schließlich könnten ja neue DVDs, Computermagazine oder Autorenverträge im Stapel verborgen sein. Meistens sind es zwar nur Rechnungen, die dank der neuen Euro-Währung täuschend niedrig ausfallen. Was im Stapel der täglichen Post allerdings auffällt, sind die kleinen bunten Zettel, die meist von Kindern auf Fahrrädern in der Siedlung verteilt werden. Diese Zettelchen weisen auf die nächste Schrott- oder Altkleiderabholung hin, bieten die Dienste von Gärtnern und Haushaltshilfen an und informieren die Hausbesitzer unter uns darüber, dass nur eine Kalkbremse für zigtausend Euro die Rohre in den Mauern frei hält. Immer häufiger gehen die Inhalte der Zettel aber vom üblichen Standard ab. Und die große Überraschung: Zettelwerbung ohne Internet-Anschluss greift anscheinend nicht mehr.

Fit und schlank, wirbt da die erste selbstständige Dame aus der Umgebung auf den selbstgestalteten Zetteln: »Gesucht werden Damen und Herren, die ernsthaft daran interessiert sind, ihr Gewicht um 4 bis 26 Kilogramm oder mehr zu reduzieren.« Anstelle der ansonsten üblichen Telefonnummer steht auf diesem Zettel inzwischen eine Internet-Adresse. Frau Nachsatz von nebenan würde das Angebot sicherlich gerne wahrnehmen. Mit ihren siebzig Jahren hat sie aber keinen Computer. Geschweige denn, dass sie die kleinen Buchstaben auf dem Bildschirm erkennen könnte. Vielleicht hat die Selektion aber auch Methode. Mir hat schließlich mal der Personalchef einer Computerfirma erklärt, dass er am liebsten nur noch Online-Bewerbungen entgegennimmt: Wer die aufgeben kann, hat die Mindestqualifikation für den Job automatisch nachgewiesen. Vielleicht suchen die gewerblichen Schlankmacher ja auch nur Leute mit Computer und Internet-Anschluß. Sie sind noch nicht zu alt und anscheinend vermögend genug, ihre Diät-Rechnungen zu bezahlen.

»Gesunde Arbeit für 5.500 Euro im Monat«

Und wer knapp bei Kasse ist, muss auch nicht mehr länger darauf warten, dass man ihm einen handgemalten Zettel unter den Scheibenwischer klemmt: »Nebenberuflicher Verdienst bis 3.000 Euro – rufen Sie an.« Mit Anrufen läuft das heute nicht mehr. Ein neuer Zettel im Briefkasten weist mich darauf hin, dass ich haupt- oder nebenberuflich von Daheim aus zwischen 1.469 bis 6.280 Euro verdienen kann. Monatlich natürlich. Während ich noch darüber nachdenke, wie sich jemand solch krumme Zahlen ausdenken kann, werde ich auf dem Zettel schon ins Web weitergeleitet: »Sie können sofort starten«. Eine Internet-Adresse verspricht mir »gesunde Arbeit« und leitet mich ein paar Mal um, bis ich scheinbar auf der privaten Homepage einer ortsansässigen Familie gelandet bin. Auf einem Foto ist ein Elternpaar mir zwei sabbernden Säuglingen auf den Knien zu sehen: Das Foto vom letzten Fotografentermin. Nähe wird aufgebaut: Man stellt sich vor und berichtet, dass man aus der gesicherten Arbeitslosigkeit heraus mit tollen Zuhause-Nebenjobs inzwischen 5.500 Euro im Monat verdient.

Was diese Familie kann, kann ich doch sicherlich auch. Doch auf der ganzen Homepage gibt es kein klärendes Wort darüber, mit was da eigentlich Geld gemacht wird. Briefumschläge falten, Kunden bequatschen am Telefon, Erotik-Lifecam? Wir wissen es nicht. Denn bevor es weitergeht mit dem Geldverdienen, muss erst per Mail ein Infoset angefordert werden. Ich ahne, wie es weitergeht: Ohne Moos nix los. In der Regel muss man sich ja die Informationen über den neuen Geldverdienst erst erkaufen. Und am Ende ist alles doch nur eine Luftnummer.

Nur das Copycenter profitiert

Was wohl auf den nächsten Zetteln steht? Der virtuelle Gärtner im Netz? Nachhilfe für Kinder per Mausklick? Egal: Müll ist Müll. Noch an der Gartenpforte werden die bunten Zettel aus dem Poststapel gezupft und in den Papiercontainer geworfen. Der einige, der sich über die bunten Zettel freut, wird wohl das örtliche Copycenter sein, das den Druckauftrag der einfallsreichen Selbstständigen der Region entgegennimmt.

Carsten Scheibe

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(