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Scheibes Kolumne: Alles verboten

Viele Shareware-Programmierer sitzen mit einem Bein im Knast - und wissen es noch gar nicht. Naiv und unbekümmert bauen viele Entwickler Sounds, Bilder und Ideen in ihre Programme ein, die großen, klagefreudigen Konzernen gehören.

Viele Shareware-Programmierer sitzen mit einem Bein im Knast - und wissen es noch gar nicht. Naiv und unbekümmert bauen viele Entwickler Sounds, Bilder und Ideen in ihre Programme ein, die großen klagefreudigen Konzernen gehören. Die betroffenen Firmen halten still, oft aus Unkenntnis der Sachlage. Aber das große Donnerwetter steht noch aus.

Saugen, Screenshots, Kurztexte

Bei uns im Büro werden zurzeit am Fließband neue Shareware-Kollektionen zusammengestellt. Der eine Anbieter benötigt topaktuelle Spiele, der nächste neue Windows-XP-Tools, wieder ein anderer Word-Vorlagen. Karsten Kurda saugt die Programme aus dem Internet und nutzt dabei etwa drei Dutzend Geheimtipp-Adressen, die der Konkurrenz nicht unbedingt bekannt sind. Gregor Franz bindet die Programme dann in das Menü ein und fertigt die Screenshots an. Ich schreibe die Texte für das Menü - schon ist wieder eine Scheibe fertig. Die Programme aus dem Internet durchwandern bei diesem Vorgang also drei Instanzen. Dabei fällt etwa jede zehnte Anwendung durch das Raster und wird wieder gelöscht. Nicht, weil sie unbedingt schlecht ist. Sondern, weil sie diverse Copyrights und Trademarks verletzt, von geltenden Warenschutzmustern ganz zu schweigen. Würden Programme dieser Art auf einer CD landen, könnte das ganz schön Ärger geben. Nicht nur für die Anbieterfirma und für uns, sondern vor allem für den Programmierer, der sich ohne Erlaubnis am geistigen Eigentum anderer Firmen vergriffen hat.

"Risiko" ist "Tabu"

Vieles löschen wir automatisch. Etwa alle Programme, die bekannte Namen kommerzieller Spiele 1:1 übernehmen. Sie sind viel zu gefährlich für eine Sammlung, weil sie eine Klage regelrecht anlocken. Der "Defender" muss da ebenso weichen wie das "Mensch, ärgere Dich nicht" oder das "Risiko". Ab und zu lassen wir uns aber auf die Diskussion ein und führen ein Telefonat. Das geht dann meistens wie folgt über die Bühne.

Anrufe wie dieser...

"Hallo, hier ist das Redaktionsbüro Typemania. Wir würden gerne Ihre Shareware „E-Risiko“ mit auf eine Heft-CD übernehmen." "Ja toll, das freut mich. Super. Macht mal." "Das Problem ist, dass der Name ‚Risiko‘ geschützt ist. Da gibt es dieses Brettspiel von Parker. Wir wollten einmal anfragen, ob Sie sich die Rechte von Parker besorgt haben, den Namen verwenden zu dürfen?" "Aber ich habe doch ein E davor gestellt." "Das reicht aber nicht aus, um Ihr Programm vom Original abzuheben." "Was soll ich denn dann tun?" "Benennen Sie es ganz um, etwa in ‚Krieg der Länder‘." "Kann ich machen, dauert fünf Minuten." "Es gibt aber noch ein Problem. Das Spielfeld..." "Ja?" "...ist 1:1 mit dem Original identisch." "Ja, das habe ich einfach eingescannt, damit ich nicht alles neu zeichnen muss." "Das ist aber verboten." "Echt?" "Ja, ehrlich." "Hmm, dann male ich es besser noch einmal selbst." "Auch die Spielkarten, die Regeln und die Länderverteilung in den Kontinenten sind geschützt." "Das zu ändern, dauert aber länger als fünf Minuten. Dann hätte ich ja gleich ein neues Spiel programmieren können."

Oft verbocken es sich die Programmierer mit ganz kleinen Details. Die Star-Wars-Titelmusik, die im Intro einer Software läuft, lässt sicherlich die GEMA in Entzücken verfallen, wenn sie so etwas auf einer CD vorfindet. Besonders beliebt sind auch die zahlreichen Simpsons-Figuren in Programmen aller Art. Als hätte Matt Groening überhaupt keine Rechte mehr an seinen bewährten Gelbsuchtfiguren. Ballerspiele, in denen die originalen Raumschiffe aus "Galaga" zu sehen sind, finden wir ebenso häufig wie Bildschirmschoner, die einfach lauter Scans aus dem Playboy auf den Monitor holen. Dabei ist gerade der Playboy bekannt dafür, sehr darauf zu achten, dass die nackten Häschen nicht außerhalb der ihnen angestammten Seiten zu sehen sind. Überhaupt suchen sich die Programmierer beim Datenklau gerne Firmen aus, die keinen Spaß verstehen. Dazu zählen auch die vielen Star-Trek-Fans, die es sich nicht entgehen lassen, fröhliche Filmzitate wie "Beam me up, Scotty" oder "Faszinierend" mit in ihre Datenbanken zu übernehmen, obwohl sie hier eigentlich rein gar nichts zu suchen haben.

Carsten Scheibe
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.