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Streit um den App Store In drei Tagen entscheidet sich das Schicksal von Apples Cash Cow

Die Fehler der letzten iOS-Versionen dürften Apple-Chef Tim Cook kaum gefallen
Apple-CEO Tim Cook hatte die Service-Sparte schon 2017 zum neuen Hoffnungsträger gekürt
© Picture Alliance
Der App Store und seine Regeln sind weiter unter Beschuss - und damit auch eine von Apples wichtigsten Einnahmequellen. Nun haben sich weitere Schwergewichte gegen Apple gestellt. In wenigen Tagen könnte sich entscheiden, wer die Schlacht gewinnt.

Jahrelang kassierte Apple 30 Prozent der Einnahmen aus dem App Store. Nachdem die App-Entwickler jahrelang murrend in den sauren Apfel bissen und Apples Forderung nachkamen, eskaliert der Streit seit zwei Wochen immer weiter - und immer mehr Partner stellen sich gegen den iPhone-Konzern. Das ursprüngliche Kräftemessen könnte aber in wenigen Tagen einen Sieger haben.

In dem Streit geht um eine ganz entscheidende Frage: Wie sollen die Einnahmen aus dem App Store verteilt werden? Für Apple geht es um viel: Der Konzern will sich mit seiner Service-Sparte unabhängiger vom iPhone machen, der App Store gilt als wichtigster Geldbringer des Bereichs. Sollten sich die Entwickler durchsetzen, dürften Apples Gewinne empfindlich einbrechen. Da wundert es nicht, dass der Konzern auch zu drastischeren Schritten bereit ist. Und damit auch mächtige Konzerne gegen sich aufbringt.

Ein weiterer Gigant im Ring

Jüngstes Beispiel ist Microsoft, wie Apple einer der wertvollsten Konzerne der Welt. Nachdem sich der "Fortnite"-Entwickler Epic Games Apple offen herausgefordert hatte, war der Konzern in den Gegenangriff gegangen. Um im Streit die Überhand zu behalten, hatte Apple sich entschieden, neben "Fortnite" selbst auch die ebenfalls von Epic betriebene Spiele-Engine Unreal auszusperren. Die ist der Unterbau Hunderter Games - auch einigen von Microsoft. So läuft die Rennserie "Forza" darauf.

Nun stellt sich der Konzern gemeinsam mit Epic gegen Apple. Der Entwickler hatte am Sonntag vor Gericht beantragt, Apple den Rauswurf aus dem App Store zu verbieten. "Das Ausmaß von Apples Vergeltungsmaßnahmen ist ein gesetzeswidriger Versuch, sein Monopol zu halten", argumentiert Epic. Das Aussperren der Unreal-Engine bringe die Entwickler in einen entscheidenden Nachteil, begründet Microsoft die Unterstützung. "Epic den Zugang zu Apples neuester Technologie zu verschaffen, ist die richtige Entscheidung für Entwickler und Spieler", erklärte Xbox-Chef Phil Spencer bei Twitter.

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US-News gegen Apple

Es ist nicht der einzige Gegenwind, der Apple in den letzten Tagen um die Ohren blies. Neben den Spieleentwicklern hatten sich auch die großen US-Newsseiten in einem Brief an den Konzern gewandt. Der Grund: Im Rahmen einer Kongressanhörung zu möglichen Wettbewerbsverstößen Apples war herausgekommen, dass Amazon für seinen Video-Dienst Prime Video eine Sonderregelung bekommen hatte - und für bestimmte Käufe eine geringere Gebühr an Apple abtreten muss.

Diese Option stehe jedem zur Verfügung, "der die Bedingungen erfüllt", hatte Apple-CEO Tim Cook im Rahmen der Anhörung erklärt. Der mächtige Branchenverband Digital Content Next (DCN), dem Nachrichten-Schwergewichte wie die "New York Times" und das "Wall Street Journal" angehören, wollte das genauer wissen. "Ich bitte Sie klar zu definieren, welche Bedingungen Amazon erfüllen musste", forderte DCN-Chef Jason Kint demnach. Die eigenen Mitglieder hätten großes Interesse, die Bedingungen ebenfalls zu erhalten.

Ob das passieren wird, ist fraglich. Apple hatte im Bezug auf Amazon klar gemacht, dass es bei dem Spezialdeal auch um die Integration in Apples Dienste wie Apple TV ging. Zudem gewährt Apple die Rabatte nach eigenen Angaben nur auf Käufe einzelner Sendungen und Filme, nicht auf den Abodienst Prime. Die meisten Zeitschriften-Apps und auch Apples News-Aggregator Apple News funktionieren aber auf Abo-Basis. Den Druck auf Apple erhebt die plötzliche Nachfrage aber allemal.

Erzwungene Kaufoption

Eine weitere Eskalation in Bezug auf den App Store hätte Apple sich indes sparen können. Am Freitag schlug der Entwickler des beliebten Webseiten-Toolkits Wordpress Alarm. Apple habe seine App für Updates gesperrt, berichtete Entwickler Matt Mullenweg bei Twitter. Der Grund sorgte für Staunen: Apple forderte von dem Entwickler, eine Kaufoption einzubauen - obwohl die App und sämtliche Inhalte kostenlos abrufbar sind.

Mullenweg gab sich verblüfft. Zwar bietet Wordpress tatsächlich bezahlte Dienstleistungen, etwa den Kauf von bestimmten Webseitennamen. In der App wurden die aber nicht angeboten, es gab in jüngeren Versionen auch keine Hinweise darauf. Wochenlang habe er versucht, die Probleme zu lösen, erklärte er. Am Ende wollte Mullenweg einknicken und tatsächlich die Kaufoptionen einbauen. Doch angesichts der öffentlichen Kritik ruderte Apple zurück: Die App erfülle nach Änderungen nun doch die Vorgaben, kündigte der Konzern überraschend an. Und entschuldigte sich. 

Epic eskaliert weiter

Auf soviel Kulanz darf Epic mit seiner Klage indes wohl nicht hoffen. Der Spieleentwickler weigert sich weiter hartnäckig, Apples Forderung zur Entfernung seiner eigenen Bezahloption auszubauen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte der Konzern eine Bezahlfunktion eingebaut, mit der Spieler die "Fortnite"-Währung Vbucks an Apple vorbei kaufen konnten und gleichzeitig die Preise gesenkt. Am Wochenende hatte man zudem noch Öl ins Feuer gegossen: In einem "Free Fortnite"-Turnier gab es im Spiel eine bösartige Apfel-Figur als Kostüm zu gewinnen.

Epic gehe es klar um eine Besserstellung, erklärte Apple am Freitag und belegte das mit drei E-Mails des Epic-Chefs Tim Sweeney. In denen forderte der Spieleentwickler, auf Apples Geräten einen eigenen Spieleshop ohne Beteiligung Apples betreiben zu können, wünschte sich allerdings auch, dass Apple diese Option auch anderen Entwicklern einräume. "Epic beruft sich nun auf einen Notfall", führten Apples Anwälte einem Bericht von "CNBC" zufolge aus. "Dabei ist dieser 'Notfall' von Epic hausgemacht."

Highnoon am Donnerstag?

Wer in dem Kräftemessen letztlich als Sieger hervorgehen wird, könnte sich noch diese Woche zeigen. Am Montag ist die erste Anhörung zu der Klage geplant. Noch wichtiger könnte allerdings der Donnerstag werden. Epic hatte den 27. August als Starttermin für die nächste Season von "Fortnite" angeteasert. Damit käme eine große Veränderung: Obwohl das Spiel für iPhone und Android-Geräte gesperrt ist, kann es auf weiter gespielt werden, wenn es bereits installiert war. Ein Update ist aber nicht mehr möglich. Das wäre aber für die neue Season nötig, hatte Epic bereits erklärt.

Ab Donnerstag könnten daher Millionen Spieler auf einen Schlag ausgesperrt sein. Ob die das Apple vorwerfen oder Epic, könnte den Streit letztlich entscheiden. Sollte Apple einknicken, hätte das große Folgen weit über "Fortnite" hinaus. Gäbe Apple nach, dürften sich auch andere Anbieter darauf berufen - und Apple würden die Einnahmen einbrechen.

Die Börse scheint indes nicht überzeugt zu sein, dass Apple bald auf die App-Store-Einnahmen verzichten muss. Trotz der vielen Schlagzeilen ging der Kurs weiter steil nach oben. Hatte Apple erst am Freitag die Marke von 2 Billionen Dollar Marktwert durchbrochen, sind es nun schon 2,13 Billionen Dollar. Tendenz steigend.

Quellen:CNBC, The Verge, Microsoft, DCN


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