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Epic gegen Apple und Google Streit um die Spiele-Milliarden eskaliert: Apple und Google werfen Fortnite aus ihren App Stores

Fortnite
Fortnite ist ab sofort nicht mehr im App Store oder Play Store zu finden
© Metin Aktas / Picture Alliance
Mit Fortnite hat Epic Games Milliarden eingenommen. Doch die Spiele-Schmiede wollte mehr. Mit einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat Epic nun Apple und Google gegen sich aufgebracht – und ist aus App Store und Play Store geflogen. Es ist der Höhepunkt einer langen Eskalation.

Apple und Google haben es tatsächlich getan: Heute Nacht haben die Betreiber der beiden wichtigsten Smartphone-Betriebssysteme eines der beliebtesten und umsatzstärksten Spiele aus ihren App-Shops geworfen. Fortnite ist ab sofort nicht mehr über App Store und Play Store herunterladbar. Den beiden Konzernen dürften dadurch Millionen von Euro entgehen. Und auch Fortnite-Betreiber Epic Games muss um seine Einnahmen fürchten. Allen dreien geht es um dieselbe Frage: Wem stehen die Einnahmen aus dem App Store zu?

Der aktuelle Zwist ist der Höhepunkt eines langen Streits zwischen Apple und Google auf der einen und den App-Entwicklern auf der anderen Seite. Es geht ums Geld: Will man seine Apps in einem der beiden App-Shops anbieten, muss man die Betreiber der Stores dafür bezahlen. 30 Prozent kassieren Apple und Google von jeder verkauften App, von jedem In-App-Kauf und von jedem abgeschlossenen Abo. Schon seit Jahren klagen Entwickler, dass diese "Apple Steuer" ihnen die Einnahmen verdirbt. Sie empfinden die Gebühren als zu hoch.

Rebellion der Fortnite-Entwickler

Gestern Abend entschied sich Epic Games dann zur Eskalation: In einem Update fügte der Betreiber Fortnite die Option zu, die eigene Spiele-Währung Vbucks an Apple und Google vorbei kaufen zu können. Das virtuelle Geld wird im Spiel genutzt, um sich Kostüme und ähnliches zu kaufen. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, dauerhaft die Preise über diese Kaufmethode zu senken. Kaufen die Spieler ihre Vbucks direkt über Epic, sparen sie 20 Prozent, die Entwickler selbst nehmen wegen der eingesparten Abgabe trotzdem 10 Prozent mehr ein. Nur Apple und Google gehen leer aus: Der Verkauf von Vbucks ist die einzige Einnahmequelle des an sich kostenlos angebotenen Spiels.

Es dauerte nur wenige Stunden, bis Fortnite aus den beiden App-Shops verschwunden war. Beide Betreiber berufen sich auf die gültigen Regeln für Entwickler, die explizit verbieten, eigene Verkaufskanäle anzubieten, die die Betreiber umgehen. "Epic Games hat sich leider dazu entschieden, gegen die App-Store-Regeln zu verstoßen, die für alle Entwickler gleichermaßen gelten. Als Folge wurde Fortnite aus dem Store entfernt", erklärte Apple in einem Statement gegenüber dem Techblog "The Verge". Epic habe diese Entscheidung bewusst und trotz besseren Wissens getroffen, ist sich der Konzern sicher. Man werde aber gerne mit dem Unternehmen zusammenarbeiten, um den Verstoß zu beseitigen. Sprich: Sollte Epic das Feature wieder entfernen, darf die App zurück in den Store. Auch Google gab ein ähnliches Statement ab.

Geplanter Eklat

Epic scheint mit keiner anderen Reaktion gerechnet zu haben. Schon kurze Zeit nach dem Rauswurf ging der Fortnite-Betreiber in den Gegenangriff. Mit einem an den berühmten Apple-Werbespot "1984" angelehnten Videoclip und dem Hashtag #freefortnite versucht man, die Fans gegen Apple aufzubringen. Mit einer Klage will man Apple dazu zwingen, die App wieder zuzulassen - ohne die Bezahlfunktion entfernen zu müssen. Epic versucht dazu, die Gebühren der Betreiber als Wettbewerbsrechts-Verstoß bewerten zu lassen.

Der Zeitpunkt der Klage dürfte kein Zufall sein. Apple und Google mussten sich gerade wegen Wettbewerbs-Bedenken vor dem US-Kongress verantworten. Dabei kam auch heraus, dass es durchaus Ausnahmen von der 30-Prozent-Regel gibt: Apples Konkurrent Amazon hatte demnach für seine Prime-Video-Mitgliedschaft einen Rabatt aushandeln können, muss nur 15 Prozent an Apple abdrücken. Diese Rate wird sonst erst im zweiten Jahr von sich erneuernder Abos gewährt.

Apple im Fokus

Chancen dürfte Epic auch deshalb sehen, weil Apple in letzter Zeit öfter Ärger mit Entwicklern hatte. Während etwa Streaming-Anbieter wie Netflix und Spotify einfach keine Abonnements über die App abschließen lassen, hatte Apple das bei der Mail-App "Hey" nicht erlaubt. Erst nach einer Überarbeitung wurde die App zugelassen. Auch für Microsofts Spiele-Dienst Xcloud wurde gerade die iOS-Version auf Eis gelegt. Apple hatte erklärt, dass man jedes darüber angebotene Spiel einzeln prüfen wolle. Dass das bei Streaming-Inhalten bei Netflix und Co. nicht der Fall ist, stieß bei Microsoft auf Unverständnis.

Dass sich die Klagen vor allem gegen Apple und weniger gegen Google richten, hat einen einfachen Grund. Auf Android-Geräten ist die Installation von Apps auch aus anderen Quellen möglich, Epic bietet Fortnite etwa einfach über die eigene Webseite an. Bei iPhones geht das nicht: Eine nicht im App Store verfügbare App ist nicht installierbar, ohne über einen sogenannten Jailbreak sämtliche Sicherheitsmaßnahmen des Systems auszuschalten. Für die meisten Nutzer ist das keine Option.

Spiel auf Zeit

Wie lange Epic seine Rebellion durchhalten wird, muss sich zeigen. Noch ist Fortnite auf allen Geräten weiter spielbar, auf denen es bereits installiert ist. Selbst das Kaufen von Vbucks funktioniert. Journalist Gene Park konnte sowohl über den App Store als auch über Epic direkt Vbucks kaufen, berichtet er bei Twitter. Spätestens mit der nächsten Season dürfte aber Schluss sein: Die für Ende August erwartete Season 4 wird auf iPhones und iPads unter den aktuellen Bedingungen nicht verfügbar sein, stellte Epic bereits auf einer Support-Seite klar. 

Auf Dauer dürfte die Situation für den Konzern daher kaum haltbar sein. Mehr als eine Milliarde Dollar sollen Fortnite-Spieler auf Android und iOS dem Konzern eingebracht haben, das wäre ein knappes Viertel der geschätzten 4,2 Milliarden Dollar Einnahmen über alle Plattformen hinweg. Knapp zwei Drittel der Smartphone-Einnahmen stammen aus den USA, wo iOS unter dem für Fortnite so wichtigen Publikum unter 20 Jahren einen Marktanteil von knapp 80 Prozent hat. Sollte sich der Streit hinziehen, dürfte Epic also ein Großteil der Mobile-Einnahmen wegbrechen. Dass selbst auf Android die 30 Prozent Abgabe an Google am Ende den Platz im Play Store wert waren, hatte Epic erst dieses Frühjahr bewiesen: Nachdem Fortnite knapp 18 Monate nicht im Play Store vertreten war, war der Konzern im April eingeknickt. Und hatte sich doch wieder bei Google listen lassen. 

Quellen:Epic Games, The Verge, Twitter, The Next Web, Sensortown


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