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App Store: "Wie Gangster": App-Entwickler legt sich mit Apple an – zum ungünstigsten Zeitpunkt

Wer eine App auf dem iPhone anbieten will, kommt an Apple nicht vorbei. Ein Entwickler hat sich nun öffentlich über den Umgang des Konzerns mit seiner App echauffiert. Apple dürfte diese Offenheit gerade wenig gelegen kommen. 

Apple iPhone App Store Fake

Apples App Store für iPhone und iPad steht aktuell in der Kritik

Der App Store ist ein gigantisches Wirtschaftsfeld für sich. 519 Milliarden Dollar an Transaktionen wurden im letzten Jahr über die Plattform direkt und indirekt angestoßen, verkündete Apple am Dienstag. An dem Konzern führt für Entwickler kein Weg vorbei, wenn sie auf dem iPhone oder iPad präsent sein wollen. Jetzt legt sich der kleine Entwickler Basecamp lautstark mit Apple an - und hinterfragt die Kontrolle des iPhone-Herstellers über seine Plattform.

Dazu wählt Basecamp-Chef David Heinemeier Hansson harte Worte. Apple benehme sich "wie Mafiosi", schreibt er bei Twitter. Er werden den "Erpressungsversuchen" der "Gangster" nicht beugen. Lieber würde er "alles selbst abfackeln", tönt Hansson. Sein Vorwurf: Apple wolle mit dem Zurückhalten von Updates Basecamp dazu zwingen, das Abo seine gerade gelaunchte App "Hey" auch über den App Store abschließen zu können. Das habe der Konzern in einem Anruf klar kommuniziert. "Sie wollen uns um 30 Prozent unserer Einnahmen erleichtern", tobt der Entwickler.

"Apple Steuer" in der Kritik

Das ist an sich nicht neu. Apple verlangt für jede Transaktion über seine digitalen Ladenfronten - ob bezahlten Download, In-App-Kauf, ein abgeschlossenes Abo im App Store oder Kauf eines Songs bei iTunes - eine Gebühr von 30 Prozent. Nur bei Abos, die länger als ein Jahr laufen, gibt es eine Ausnahme Gebühr: Dann sinkt die Abgabe für den Anbieter auf 15 Prozent. So belohnt Apple Dienste, die ihre Kunden langfristig an sich binden.

Die Praxis steht schon länger in der Kritik. Vor allem Abo-Dienste wie Spotify oder Netflix, aber auch mit Einzelkäufen erfolgreiche Anbieter wie der "Fortnite"-Entwickler Epic haben in den letzten Jahren lautstark gegen die "Apple Steuer" protestiert. Die Entwickler gehen mit den Gebühren unterschiedlich um. Netflix schluckte die bittere Pille lange, bezahlte die Gebühr aus der eigenen Tasche. Spotify machte es anders und erhöhte die Preise der über Apple abgeschlossenen Abos. Mittlerweile haben sich beide für eine ganz andere Variante entschieden - und erlauben den Abschluss eines in der App gar nicht mehr. Stattdessen wird man auf die Webseite verwiesen. 

Unverständnis für die Regeln

So hatte es eigentlich auch Basecamp für "Hey" geplant. Das Unternehmen hat Erfahrung mit Apples Praxis, die wie die Firma benannte Hauptapp, ist bereits seit Jahren im App Store vertreten, auch sie erlaubt keinen Abschluss eines Abos in der App. Bei "Hey" habe man sogar noch weitere Maßnahmen ergriffen, so Hansson. Die App verzichte auf einen Hinweis auf die Webseite, erlaube kein Upgrade zum Profi-Service und nicht mal einen Zugriff auf Rechnungen. "Wir haben alles getan", gibt sich Hansson verzweifelt. "Es war nicht genug."

Apple sieht das anders. In einer von Hansson geposteten Mail erklärt der Konzern, man habe die Situation an die interne Prüfstelle eskaliert, die App verstoße gegen die Richtlinie, dass Nutzer in der App selbst die Funktionen freischalten können müssen. Gegenüber dem Blog "Protocol" gab ein Apple Sprecher dann zu, dass auch Apple selbst einen Fehler gemacht hätte. Doch der dürfte Basecamp nicht glücklicher machen: Nach Ansicht von Apple hätte es die App gar nicht in den App Store schaffen dürfen - weil die Option, das Abo nur extern abschließen zu lassen, nur für Business-Lösungen gedacht sei.

Apple setzt auf Services

Mit seinem Verdacht, wieso Apple die Richtlinien auf einmal strenger umsetzt als fürher, könnte Hansson durchaus richtig liegen. Der Konzern wolle die Einnahmen durch den App Store erhöhen, vermutet der Entwickler. Tatsächlich hatte es Apple-Chef Tim Cook schon 2017 erklärt, man wolle die Service-Sparte, zu der neben dem App Store auch Cloud-Dienste oder die Streaming-Dienste Apple TV+ und Apple Music zählen, innerhalb von vier Jahren verdoppeln. So wollte man sich von der Abhängigkeit vom Verkaufsschlager iPhone lösen. Der Plan ging auf: Im letzten Jahr nahm Apple 46,3 Milliarden Dollar nur mit Services ein. Dieses Jahr dürfte die Summe noch einmal deutlich nach oben gehen, solange sich nicht etwas grundlegendes ändert.

Doch genau das könnte nun passieren. Der Erfolg des App Stores ruft nun auch die Kontrollinstanzen auf den Plan: In der Heimat USA haben die Kartellbehörden begonnen, die großen Techkonzerne wegen möglicher Verstöße gegen das Kartellrecht vorzuladen, berichtet "Axios". Bei Apple geht es demnach um die Frage, ob das Unternehmen tatsächlich einen freien Wettbewerb im App Store garantieren kann, wenn es teils selbst mit den dort angebotenen Diensten in Konkurrenz steht.

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Auch die EU kündigte diese Woche eine Untersuchung an, die klären soll, ob Apple mit seinen exklusiven Stores ein Monopol darstellt. Spotify und der japanische Händler Rakuten hatten eine Beschwerde eingereicht. "Wir müssen sicherstellen, dass Apple nicht den Wettbewerb in Märkten stört, in denen der Konzern selbst mit anderen Anbietern konkurriert", erklärte EU-Kommissarin Margrethe Vestager in einem Statement. Als Beispiele nannte sie den Musikstreaming-Dienst Apple Music und Apple Books, vermutlich in Analogie zu Spotify und Rakuten, der sich bei seiner Beschwerde auf E-Books bezog. 

"Kein vernünftiger Mensch würde Apple jemals als Monopolist bezeichnen"

Apple kann die Klage nach einem Statement nicht nachvollziehen. Es sei enttäuschend, dass sich die EU vor den Karren von Unternehmen spannen lasse "die eine Freifahrt wollen, statt sich an dieselben Regeln zu halten wie allen anderen Konkurrenten", klagt der Konzern in einem Statement gegenüber der "Washington Post". "Wir halten das nicht für richtig. Wir wollen gleiche Bedingungen für alle, sodass jeder mit Entschlossenheit und guten Ideen sich durchsetzen kann."

Diese Haltung ist nicht neu. "Wir haben 30 bis 40 Apps - gegenüber mehr als zwei Millionen anderen", betonte Apple-Chef Tim Cook schon letztes Jahr gegenüber dem stern. "Kein vernünftiger Mensch würde Apple jemals als Monopolist bezeichnen." Die Beschränkung auf den offiziellen App Store sieht er als Sicherheitsmaßnahme zugunsten der Kunden. "Bei uns kaufen die Kunden eine Erfahrung. Und diese Erfahrung beinhaltet einen vertrauenswürdigen Ort, an dem man Apps kaufen kann. Das stellen wir sicher, in dem wir kuratieren und alle Anwendungen überprüfen."

Auch Apple Ankündigung von den 519 Milliarden Dollar Umsätzen durch den App Store wird zeitlich kein Zufall gewesen sein. Zum einen steht nächste Woche natürlich Apples Entwicklermesse WWDC an. Zum anderen kann Apple mit den Zahlen wunderbar belegen, dass andere viel mehr von seinem App Store profitieren. Neben Werbung in Apps (45 Milliarden Dollar) stellt der App Store zusammgefasst mit anderen Diensten mit 61 Milliarden Dollar nur einen kleinen Teil der Umsätze dar. Beim allergrößten Anteil, nämlich 413 Milliarden Dollar, handelte es sich um physische Waren, die über Handelsapps aus dem App Store verkauft wurden, etwa Shopping oder auch Reisebuchungen. Und an diesem riesigen Batzen beteiligt Apple sich gar nicht.

Quellen: Apple, Basecamp (bei Twitter), Protocol, Washington Post, Axios