HOME

In-App Käufe: "Apple Tax" gestrichen: Amazon bekommt die Streaming-Extrawurst

Seit Jahren streiten sich die Streaming-Anbieter mit Apple darüber, ob der Konzern sich wirklich an ihren Einnahmen über den App Store beteiligen darf. Jetzt kommt ein überraschender Durchbruch: Ausgerechnet bei Konkurrent Amazon macht Apple eine Ausnahme - wenn auch eine kleine.

Amazon Prime Video Apple Tv

Als Prime Video auf das Apple TV kam, wurde das 2017 groß von Apple-Chef Tim Cook angekündigt

Eigentlich ist die Regelung sehr klar: 30 Prozent eines jeden Einkaufs über den App Store gehen an Apple - ganz gleich, ob es sich um ein verkauftes Spiel, eine Zusatzfunktion einer App oder um ein Abo handelt. Gerade wegen letzterem liegen Apple und die Streaming-Anbieter seit Jahren im Clinch. Jetzt bekommt Amazon erstmals eine Sonderbehandlung. Den grundsätzlichen Konflikt ficht das aber nicht an.

Der tobt schon seit Jahren: Weil Apple Abonnements und Käufe einzelner Filme und Serien in Musik- und Videostreaming-Apps genauso behandelt wie alle anderen In-App-Käufe, sehen sich die Streaming-Anbieter wie Netflix oder Spotify benachteiligt. Anders als etwa bei einem Kauf in einem Spiel kassiert Apple nicht nur einmal, sondern bei jedem Abbuchen der Abo-Gebühr erneut. Sie stehen also vor die Wahl: Entweder müssen sie das Abonnement in der iPhone-App teurer machen - wie es etwa Spotify lange tat - oder sie nehmen pro Abo über eine iOS-App 30 Prozent weniger ein. Das war etwa bei Netflix lange der Fall. In den letzten Jahren war der Trend aber ein anderer: Die meisten Streamingdienste erlauben es schlicht gar nicht mehr, in der App ein Abo abzuschließen. Die Nutzer müssen dazu auf die Webseite wechseln.

Amazon bekommt Ausnahme-Regelung

Doch jetzt kommt die Trendwende: Seit dem jüngsten Update können die Nutzer in der App zum Streamningdienst  Amazon Prime Video auf einmal wieder direkt Serien und Filme leihen und kaufen. Vorher fanden sie das des "Kaufen"-Buttons nur einen Hinweis, dass sie die Inhalte an anderer Stelle erwerben müssen, um sie in der App ansehen zu können. 

Gegenüber dem Tech-Portal "The Verge" bestätigt Apple den Schritt. Er sei Teil eines Programmes, der es "Premium"-Anbietern erlaubt, seine eigenen Bezahlsysteme auch in den Apps zu benutzen und in gewissem Sinne Apples App Store zu umgehen. Im Gegenzug müssen die beteiligten Apps - neben Amazon Prime Video nennt Apple noch die Anbieter Altice One and Canal+ als Teilnehmer - dann aber auch Apples Features unterstützen und etwa Airplay 2, die Unterstützung für Siri, eine App für das Apple TV sowie eine Integration in Apples TV-App bieten.

Apple-Chef Tim Cook stellt mit "Apple TV+" einen eigenen Streamingdienst vor

"Bei den qualifizierten Premium-Apps [...] haben die Kunden dann die Möglichkeit, Serien und Filme zu kaufen oder zu mieten und dafür die hinterlegten Zahlungsinformationen zu nutzen", erklärt Apple. Eine wichtige Einschränkung gibt es aber: Das Umgehen von Apples Abgabe gilt nur für Einzelkäufe von Medien. Ein Abo lässt sich auch weiterhin nicht über die Apps abschließen.

Trotzdem ist die Entscheidung für Apple ein gewaltiger Schritt. Schon länger versuchen Anbieter wie Spotify oder der "Fortnite"-Anbieter Epic Games, die 30 Prozent "Apple-Steuer" zu umgehen. Weil Apple auf dem iPhone nur Installationen über den App Store zulässt, sprechen einige Anbieter von einem Monopol. Epic Games bietet "Fortnite" auf Android-Smartphones etwa nicht mehr über Googles Play Store an, um sie die Zusatzgebühren dort zu sparen. Spotify klagte gar bereits gegen Apples Praxis. In den letzten Jahren ist Apple den Anbietern zwar entgegen gekommen und halbierte die Beteiligung am Abo nach dem ersten Jahr. Wirklich zufrieden stellen konnte man die Dienste aber nicht.

Apple braucht die Abo-Einnahmen

Für Apple dürfte es indes keine Option sein, ganz auf die Einnahmen aus den Abos zu verzichten. Der Konzern möchte sich aus der Abhängigkeit vom iPhone lösen, erklärte CEO Tim Cook schon seit Jahren. Wichtigster Hoffnungsträger dafür ist das stetig wachsende Service-Geschäft, das neben dem App Store etwa auch den eigenen Cloud-Dienst, die Streamingdienste Apple TV+ und Apple Music und das Spiele-Abo Apple Arcade beinhaltet. Würde man einem der Anbieter erlauben, ganz auf die Abos zu verzichten, würde das wohl eine Welle auslösen, an deren Ende Apple hohe Einnahmen wegbrechen würden.

Dass nun ausgerechnet Konkurrent Amazon eine Ausnahme-Genehmigung erhält, dürfte kein Zufall sein. Amazon und Apple bieten eine hohe Integration der jeweils anderen Apps in den Streaming-Boxen FireTV und Apple TV, zudem verkauft Amazon auch Apples Hardware. Anders als etwa Spotify kann Amazon Apple also auch in manchen Geschäftsfeldern entgegenkommen und im Gegenzug selbst attraktivere Bedingungen bieten. Ob das aber in diesem Fall geschehen ist, verrät keines der Unternehmen.

Quelle: Amazon-App, The Verge