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Apple TV+ und Apple Arcade: Mit diesen Diensten will Apple das iPhone als Gelddruckmaschine ersetzen

Die Zeit des iPhones als Apples Gelddruckmaschine geht langsam aber sicher zu Ende. Doch der Konzern hat schon länger vorgebaut - und setzt auf Services. Bei Apple TV+ und Apple Arcade setzt Apple auf Kampfpreise.

apple event 2019 - iphone 11 Pro

Mit dem langsamen Einbruch der iPhone-Verkaufszahlen setzt Apple vermehrt auf Services als Einnahmequelle. Wie passend, dass bei der Präsentation des iPhone 11 auch gleich zwei der wichtigsten dieser Dienste endlich einen Starttermin bekamen - und einen Kampfpreis. Ganz ersetzen müssen sie das iPhone zum Glück aber nicht.

In seinen Streaming-Dienst Apple TV+ und das Spiele-Abo Apple Arcade dürfte der Konzern trotzdem große Hoffnungen setzen. Das zeigen schon die Ausgaben: Alleine das Budget für die Eigenproduktionen für TV+ beträgt mehr als sechs Milliarden Dollar, gleich zwei der Apple-Serien knacken die bisherigen Rekorde für die Kosten pro Folge. So bezahlt Apple für eine Serie über Frühstücksfernsehen mehr, als die letzte Staffel "Game of Thrones" verschlungen hat. Mehr erfahren Sie hier. 

Angriff auf Netflix

Bis diese Kosten wieder eingespielt sind, dürfte einige Zeit vergehen: 4,99 Euro verlangt Apple für Apple TV+ monatlich, wenn der Dienst am 1. November an den Start geht. Dafür kann die ganze Familie mit bis zu sechs Personen auf jeweils eigenen Geräten schauen. Ein Netflix-Abo für vier Personen kostet dagegen 15,99 Euro. Um die Nutzerbasis schnell zu erhöhen, hat sich Apple zudem einen cleveren Trick einfallen lassen: Mit dem Kauf eines iPhones ist das erste Jahr Apple TV+ umsonst dabei.

Allerdings bietet Netflix natürlich auch ein Vielfaches an Serien und Filmen. Apple dürfte auf lange Sicht spielen. Zwar geht Apple TV+ nur mit drei Serien an den Start, es sollen aber ständig neue hinzukommen. Wohl damit die Kunden nicht ständig kündigen, bietet Apple neue Folgen nicht wie bei Netflix und Co. auf einen Schlag, sondern wie im TV wöchentlich an. 

Apple hat in diesem Jahr drei neue iPhones vorgestellt.

Ob sich Apple so gegen die harte Konkurrenz im Streaming-Markt durchsetzen kann, wird sich zeigen müssen. Die Konkurrenten brauchten Jahre, um ihre großen Kataloge an Serien und Filmen und den Kundenstamm aufzubauen. Die Konkurrenz nimmt immer weiter zu: Mit Disney steigt ab Herbst einer der größten Player mit seinem eigenen Dienst in den Markt ein. Gleichzeitig wird es für Netflix und Co. immer schwieriger, wichtige Serien und Filme lizenzieren zu können.

Tiefe Taschen

Hier könnte Apple punkten: Anders als etwa Netflix geht der Konzern von Anfang an auf Eigenproduktionen, verliert also keine Kunden durch den Wegfall von Inhalten. Zudem ist Apple nicht darauf angewiesen, alleine mit dem Seriengeschäft Geld zu verdienen - und hat durch die fetten iPhone-Jahre tiefe Taschen. Während Netflix sich für neue Inhalte in Schulden stürzt, hat Apple Hunderte Milliarden Euro an Barreserven. Die halten eine Weile.

Das Interesse der Nutzer ist schon einmal groß: Mehr als 100 Millionen Mal sollen die Trailer der bisher angekündigten Serien bereits angesehen worden sein. Sollte auch nur ein Teil dieser Nutzer ein Abo abschließen, wäre Apple auf einen Schlag erfolgreicher als mancher Konkurrent.

Apple-Event: iPhone 11 in Bildern: So schick sind Apples Neuvorstellungen

Der markanteste Hingucker: Die Dreifachkamera des neuen iPhone 11 Pro. Mit ihr kann man nicht nur heranzoomen, sondern auch per Weitwinkel mehr Umgebung einfangen. Die Optik dürfte in nächster Zeit die Blicke anziehen.

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Revolution im App Store

Und auch Apple Arcade sollte man nicht unterschätzen. Vor allem für Familien ist das ab 19. September erhältliche Spieleabo hochinteressant. Während gerade Smartphone-Spiele mittlerweile zum größten Teil durch teure In-App-Käufe, dem kostenpflichtigen Verlosen von Spielgegenständen ("Lootboxen") und anderen fragwürdigen Methoden Geld verdienen, sind diese in Arcade verboten. Wer für Arcade zahlt, bekommt dafür Hunderte Spiele ohne jede Kostenfalle. Zum Preis von 4,99 Euro dürfen sogar sechs Familienmitglieder mitzocken. Ein starkes Angebot.

Die Vorteile für die Kunden sind offensichtlich: Sie bekommen Zugang zu zahlreichen Spielen, viele von ihnen sind sogar exklusiv für den Dienst erhältlich. Dabei haben sie die freie Wahl: Alle Spiele lassen sich auf iPhone oder iPod, dem iPad, dem Mac oder der Streaming-Box Apple TV spielen. Und das fortlaufend. Spielstände werden zwischen den Geräten nahtlos synchronisiert.

Kalkulierter Verlust

Für Apple wirkt der Schritt zu Arcade zunächst paradox. Geld verdient der Konzern auch mit den anderen Spielen: Von allen In-App- und App-Verkäufen gehen 30 Prozent an Apple. Warum sollte man sich dieses Geschäft torpedieren? Die vermutlich einfachste Antwort: Mit Arcade kommen die Einnahmen monatlich zuverlässig aufs Konto. So zahlt man auch dann, wenn man mal weniger spielt.

Tatsächlich dürfte es Apple aber auch darum gehen, die Kunden im eigenen Ökosystem zu halten. Die In-App-Abzocke ist vor allem Eltern ein Dorn im Auge. Apple kann sich mit Arcade als bessere Alternative etablieren, bietet gute Qualität zu fairen - und vor allem von vorneherein klaren - Bedingungen. 

Auch der Wechsel des Systems wird erschwert. Wer seine Arcade-Spiele behalten will, muss den Dienst auf einem Apple-Gerät nutzen. So wird ein Wechsel zu anderen Herstellern verhindert: Die Kunden fühlen sich im abgeschlossenen System schließlich wohl, wollen auf liebgewonnene Dienste nicht verzichten.

Apple-Chef Tim Cook stellt mit "Apple TV+" einen eigenen Streamingdienst vor

Fokus auf Service

Das Wachsen der Service-Sparte, zu der auch Apples Cloud-Dienste, der App Store und iTunes gehören, ist seit einigen Jahren das erklärte Ziel des Konzerns. Die Vorteile liegen auf der Hand. Bei Hardware fallen bei jedem Gerät Kosten für Komponenten, Lager und Vertrieb an. Bei den Services dagegen kostet ein zusätzlicher Kunde kaum mehr, die Gewinnmargen sind erheblich höher. Tatsächlich konnte Apple im letzten Quartal bereits über 20 Prozent seiner Einnahmen aus Diensten generieren - mit fast 80 Prozent Marge.

Im Idealfall sorgen die Dienste sogar für Neuverkäufe: Will man Arcade auf dem TV nutzen, schafft man sich vielleicht ein Apple TV an. Und statt des Android-Tablets wird es eben ein iPad. 

Bei Apple TV+ sieht die Situation etwas anders aus: Apple hat sich - wie schon bei Apple Music - im Sommer der Konkurrenz geöffnet. Ausgewählte Fernseher, etwa aktuelle Samsung-Modelle, bekommen die Apple-TV-App, auch auf Sony-Fernseher und Streaming-Boxen wie dem FireTV soll sie demnächst erscheinen. Apple geht hier einen Weg wie früher bei iTunes: Durch die Öffnung erreicht man viel mehr Kunden, der Dienst wird profitabler. Gleichzeitig sinkt die Hürde zum Einstieg in die Apple-Welt. Statt teuer Hardware zu kaufen, kann man über die  Apple-Dienste erstmal günstig schnuppern - und denkt beim nächsten Hardware-Kauf dann doch über ein Apple-Gerät nach.

So beflügeln sich bei Apple die Hardware und das Service-Angebot gegenseitig. Ganz ersetzen kann die Service-Sparte das iPhone alleine deshalb wohl nie. Aber das dürfte beim Hardware-Konzern Apple wohl auch gar nicht das Ziel sein.