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Rekord-Budgets: Apple rüstet für den Streaming-Krieg - und Netflix wird sich warm anziehen müssen

Ab Herbst wird Appels Videostreaming-Dienst Apple TV+ an den Start gehen. Jetzt sind erstmals konkrete Zahlen zu Preisen und den rekordverdächtigen Drehbudgets aufgetaucht. Netflix dürften sie nicht gefallen.

Analyse von Apple TV+: Angriff auf Netflix - doch die wichtigste Antwort bleibt Apple schuldig

Apple-CEO Tim Cook stellt in Cupertino (USA) den neuen Video-Streamingdienst "Apple TV+" vor

DPA

Als Apple im Frühjahr seinen Streaming-Dienst Apple TV+ vorstellte, blieben viele Fragen offen. Was würde der Dienst kosten? Wie viel Geld steckt Apple in seine hochkarätigen Serien? Zwei aktuelle Medienberichte liefern nun erstmals Antworten. Apple rüstet sich für den Streaming-Krieg.

Vor allem die erste Zahl dürfte im Streaming-Markt für Furore sorgen: Sechs Milliarden Dollar will Apple nach einem Bericht der "Financial Times" in seine Eigenproduktionen stecken. Bisher war immer von gut einer Milliarde für Eigenproduktionen berichtet worden. Konkurrent Netflix, immerhin bekannt für seine Unmengen an selbst produzierten Inhalten, hat erst in den beiden letzten Jahren eine höhere Summe für eigene Inhalte investiert. Apple geht also gleich in die Vollen.

Teuerste Serien aller Zeiten

Und auch die Budgets für die einzelnen Apple-Serien lassen aufhorchen. So soll "The Morning Show" mit über 15 Millionen Dollar pro Folge teurer werden als die letzte Staffel von "Game of Thrones", immerhin der bisherige Spitzenreiter. Gut 300 Millionen Dollar soll Apple demnach in die ersten beiden Staffeln seiner neuen Serie gesteckt haben.

Während bei "GoT" vor allem Spezialeffekte wie die von Drachen zerstörte Hauptstadt das Budget fressen, dürfte das bei Apples Serie über Intrigen hinter dem klassischen Frühstücksfernsehen eher nicht der Fall sein. Dafür sollen die Hauptdarstellerinnen Jennifer Aniston und Reese Witherspoon jeweils über eine Millionen Dollar pro Folge kassieren. Auch der ebenfalls mitspielende Steve Carell soll eine ähnliche Summe bekommen.

Dabei ist "The Morning Show" nicht die einzige Serie mit Rekord-Budget: Mit "See", einer Science-Fiction-Show mit "Aquaman"-Darsteller Jason Momoa soll Apple ebenfalls über den Kosten einer "Game of Thrones"-Folge liegen. Apple geht damit den entgegengesetzten Weg von Netflix: Man wolle lieber Qualität statt Quantität liefern, erklärte Apple-Manager Eddy Cue in einem Interview der "Times".

Zunächst wenig attraktiv

Aus diesem Grund dürfte Netflix auch die zweite gerade bekannt gewordene Zahl vorerst noch etwas weniger Bauchschmerzen bereiten: Zehn Dollar soll Apple TV+ kosten, das will "Bloomberg" von Insidern erfahren haben. Damit läge der Preis auf einem ähnlichen Niveau wie bei Netflix.

Gemessen am Angebot ist der Preis allerdings hoch: Zum Start im Herbst - "Bloomberg" geht von November aus - wird Apples Streaming-Dienst lediglich fünf Serien im Portfolio haben. Dafür aber Hochkaräter: Neben der "Morning Show" und "See" kommen noch Steven Spielbergs Serie "Amazing Stories", eine Show der Schauspielerin Octavia Spencer sowie die Dokuserie "Home". Ein schneller Absprung der Kundenmassen dürfte trotzdem nicht Netflix' akute Sorge sein.

Qualität als Trumpf

Auf Dauer wird es für den Streaming-König trotzdem ungemütlich. Apple will monatlich neue Serien vorstellen, die Kriegskasse des iPhone-Konzerns ist deutlich größer als die des reinen Streaming-Anbieters. Gleichzeitig verliert Netflix immer mehr wichtige Serien. Dass Apple sich mit seiner Marke und seiner Marktmacht erfolgreich in einen Markt drängen kann, hat man mit Apple Music beeindruckend bewiesen. 

Die Strategie des langsam wachsenden Angebots könnte sich für Apple auf Dauer auszahlen. Ausgerechnet Netflix hatte schließlich mit starken Eigenproduktionen wie "House of Cards" oder "Orange is the New Black" bewiesen, dass es möglich ist, mit spannenden Streaming-Serien für Publikums-Interesse zu sorgen. In den letzten Jahren ist genau das immer weniger gelungen. Durch die rasant wachsende Menge an Serien und Filmen verteilen sich die Zuschauer auf immer mehr Inhalte. Die Folge: Es wird weniger über einzelne Hits gesprochen - und der Hype fällt deutlich kleiner aus.

Der Herbst wird heiß

Ein wichtiger Faktor für beide Angebote dürfte auch der ebenfalls im Herbst erwartete Start von Disneys Streaming-Dienst (zunächst nicht in Deutschland) sein. Anders als Apple und Netflix setzt der Mickey-Maus-Konzern den Preis mit nur 7 Dollar merkbar niedriger an. Und das trotz des gigantischen Aufgebots von Disney-Klassikern über "Star Wars" bis zu den Marvel-Hits.

Das Kalkül dahinter dürfte einfach sein: Viele Familien werden sich den Dienst als Zweit-Streamingangebot zusätzlich gönnen. Nach Umfragen sind die meisten Haushalte bereit, bis zu 20 Dollar im Monat für Streaming einzurechnen. Neben Disney bleibt dann aber kein Raum, Apple TV+ und Netflix zu buchen. Die Kunden werden sich also entscheiden müssen.

Quellen: Financial Times, Bloomberg, The Times