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Konflikt um Gebühren Kampf um den App Store: Für Apple geht es um alles

Apple iPhone App Store Fake
Der App Store steht unter Beschuss durch den "Fortnite"-Entwickler Epic 
© picture-alliance
Der Streit zwischen Apple und dem "Fortnite"-Entwickler Epic eskaliert immer weiter. Für den iPhone-Konzern geht es um mehr als die Einnahmen aus dem Spiele-Hit. Der Konflikt bedroht die gesamten App-Store-Gewinne – und damit die Zukunftsstrategie des Konzerns.

Schon auf den ersten Blick geht es um viel Geld: Epic Games, die Spieleschmiede hinter dem Hit "Fortnite", will seine Einnahmen nicht mehr mit Apple und Google teilen. 300 Millionen Dollar sollen die beiden Unternehmen bisher dafür kassiert haben, dass sie das Spiel in App Store und Play Store anboten, der Großteil davon dürfte in Apple's Taschen gelandet sein. Jetzt eskaliert der iPhone-Konzern den Streit noch weiter. Es geht um die Zukunftsstrategie des Unternehmens.

Denn Epic Games stellt das Grundprinzip des App Stores in Frage: Darf Apple den Entwicklern wirklich für jede gekaufte App, für jedes Abo und für jede Transaktion innerhalb einer App eine Provision kassieren? Das soll nun eine Klage klären. Die hatte Epic gegen den Konzern eingereicht, nachdem Apple "Fortnite" aus dem App Store geworfen hatte, da ein Update des Spiels es den Zockern ermöglicht hatte, Spielegegenstände an Apple vorbei zu kaufen. Auch gegen Google geht der Entwickler rechtlich vor.

Goldmine App Store

Sollte ein Gericht tatsächlich Epic Recht geben, würde das Apple mit einem Schlag eine seiner wichtigsten Einnahmequellen berauben. War der App Store zu Anfang noch in erster Linie dazu gedacht, das iPhone mit zusätzlichen Programmen aufzuwerten, hat er sich längst zu einem gigantischen Geschäft entwickelt. Genaue Zahlen nennt Apple zwar nicht, er dürfte aber den Löwenanteil der Service-Sparte ausmachen, zu der auch Apple`s Cloud-Dienst und die Streaming-Dienste Apple Music und Apple TV+ zählen. 

Schon Anfang 2017 hatte CEO Tim Cook die Service-Sparte als neuen Hoffnungs-Träger des Konzerns beschworen. Sie sollte die Abhängigkeit vom iPhone beenden. Die Strategie ging auf: Letztes Jahr machte das iPhone erstmals wieder weniger als die Hälfte der Einnahmen aus. Die Service-Sparte brachte im zweiten Quartal diesen Jahres 13,2 der fast 56,7 Milliarden Dollar Einnahmen ein. Noch wichtiger: Weil die Marge bei den Diensten deutlich höher ist, sind die Services mit 8,8 Milliarden Dollar für mehr als ein Drittel der 22,7 Milliarden Dollar Gewinn verantwortlich.

Apple - iPhone x - Probleme bei Anruf

Diese Gewinne sind nun durch Epics Klage gefährdet. Sollte sich Epic mit seinem Ansatz vor Gericht durchsetzen, gibt es eigentlich keinen guten Grund mehr für andere Entwickler, ihre Käufe über Apple abzuwickeln. Schließlich könnten sie mit einer externen Zahlungsmethode mit einem Schlag 30 Prozent mehr verdienen. Auch wenn Apple sich längst bemüht, sein Service-Portfolio mit neuen Angeboten wie Apple News oder der Spiele-Flatrate Apple Arcade immer weiter zu diversifizieren: Ein Wegbrechen des App Stores würde den Konzern empfindlich treffen.

Apple schlägt zurück

Kein Wunder also, dass Apple mit allen Mitteln gegen Epics Meuterei-Versuch vorgeht. Und dabei auch vor drastischen Schritten nicht zurückschreckt. Sollte Epic nicht mit einem Update den Verstoß gegen seine Entwicklerrichtlinien beheben, werde man den gesamten Entwickleraccount sperren, erklärte Apple. Davon wäre nicht nur Epic selbst betroffen. Ein Produkt des Unternehmens ist die Unreal-Engine, auf deren Basis unzählige Spiele aufbauen. Sollte die auch gesperrt werden, würden diese Apps bis zu einem Umbau ebenfalls nicht mehr funktionieren. So erhöht Apple den Druck auf Epic.

Der iPhone-Konzern gibt sich dabei die ganze Zeit hochkooperativ. Man bedaure den Schritt Epics, erwarte aber von allen Entwicklern, sich an dieselben Richtlinien zu halten, erklärte Apple gegenüber "The Verge". "Epic hat dieses Problem selbst geschaffen und kann es leicht beheben." Man werde aber keine Ausnahme genehmigen. 

Dass Apple dazu grundsätzlich durchaus bereit ist, hatte der Konzern im April bewiesen. Nachdem Amazon Prime Video wegen der Gebühren in iOS-Apps lange Zeit Käufe verweigert hatte, konnte man plötzlich wieder einzelne Filme oder Serienfolgen über die Apps buchen. Apple bestätigte, dass man "Premium-Kunden" eine Ausnahme genehmigt habe. Im Gegenzug mussten die aber dann auch Apple entgegenkommen, etwa die Nutzung der Apple-Technologie AirPlay in ihre Apps einbauen. Auf diese Behandlung darf Epic aber wohl nicht hoffen: Apple machte bereits klar, dass die Regelung für Spiele nicht gelte.

Mittlerweile sind andere Unternehmen Epic beigesprungen. Auch Facebook klagte Apples Gebühr an. Bei den neu eingeführten bezahlten Events werde man alle Einnahmen an die Veranstalter weitergeben, erklärte der Konzern - mit Ausnahme von iPhone- und iPad-Nutzern. Man habe den Konzern um eine Ausnahme gebeten, erklärte Facebook. "Leider haben sie beide Anfragen abgelehnt und die Veranstalter werden nur 70 Prozent der Einnahmen bekommen." 

Ist Apple ein Monopol?

Ob Epics Klage Erfolg haben wird, ist indes offen. Sie wirft Apple vor, als alleiniger Anbieter von Apps auf dem Betriebssystem iOS ein Monopol zu betreiben. Ob das tatsächlich der Fall ist, wurde noch nicht gerichtlich geklärt. Das US-Verfassungsgericht hatte im letzten Frühjahr eine Kartellklage gegen Apple zugelassen. Sie soll klären, ob Verbraucher zu viel für Apps zahlen, weil der App Store ein Monopol darstellt. Für CEO Tim Cook ist das keine Frage. "Kein vernünftiger Mensch würde Apple jemals als Monopolist bezeichnen", sagt er im Oktober im Gespräch mit dem stern. Das endgültige Urteil des Prozesses steht aber noch aus.

Cook wurde erst im Juli vor dem US-Kongress zu Apples Vorgehen befragt. Er wies die Vorwürfe zurück, erklärte nur 16 Prozent der App-Entwickler müssten die Gebühr überhaupt bezahlen. Dass die Gebühr zu hoch sei, sieht Cook ebenfalls nicht. "Sie sind vergleichbar oder sogar niedriger als das, was unsere Konkurrenz verlangt", sagte er. "Und sie sind deutlich niedriger als die 50 oder 70 Prozent, die man zahlte, bevor wir den App Store ins Leben gerufen haben." Epic sieht das anders.

Quellen:Apple, The Verge, Harvard Law Review, Seattle Times

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