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Größer, schneller, durchdachter: Galaxy Note 10+: Das beste Samsung-Smartphone seit Jahren

Mit dem Galaxy Note 10+ hat Samsung sein neues Spitzenmodell vorgestellt – und das hat es in sich. Vor allem als Arbeitsknecht kann das Riesensmartphone im Test voll überzeugen. An das iPhone kommt es in mancher Hinsicht aber nicht heran.

Samsung Galaxy Note 10 von vorne

Wie der Rest der Note-Serie steht auch das Samsung Galaxy Note 10+ für eine Kombination aus Riesendisplay und einem cleveren Bedienstift.

stern-online

Samsungs Galaxy Note - das stand von Anfang an für Spitzentechnik, den toll funktionierenden Bedienstift S-Pen und ein riesiges Display. Nachdem in den letzten Jahren aber auch die Konkurrenten immer größer wurden, hatte Samsung ein wenig Probleme, den hohen Preis des Notes zu rechtfertigen. So nett der beigelegte Stift auch war: Den Aufpreis von teils mehreren Hundert Euro dürfte er den wenigsten wert gewesen sein. Mit dem Note 10 will Samsung das nun ändern. Ob das gelungen ist, verrät unser Test

Die größte Veränderung der Note-Formel:  Erstmals gibt es zwei verschiedene Modelle. Sie unterscheiden sich neben der Display-Größe vor allem in technischen Details. Wir haben mit dem Note 10+ das potentere der beiden getestet. 

Samsung Galaxy Note 10+ Frontkamera

Der Bildschirmrand ist beim Samsung Galaxy Note 10+ so klein, dass die Frontkamera durch ein kleines Loch in der Mitte des Displays lugt.

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Groß, größer, Note 10+

Das erste Note galt damals als geradezu gigantisch, heutzutage wäre es mit seiner Diagonale von 5,2 Zoll eher klein. Tatsächlich war eines der großen Probleme des Note 9, dass es sich kaum vom genauso großen Galaxy S9+ unterschied - aber 250 Euro mehr kostete. Beim Note 10 lernt Samsung dazu. Zwar ist das "normale" Note 10 mit 6,3 Zoll sogar etwas kleiner als das S10+, das Spitzenmodell ist mit ganzen 6,8 Zoll aber wieder wirklich gigantisch. Der große Vorteil: Weil der Displayrand auf ein absolutes Minimum eingedampft wurde, ist es trotzdem kompakt genug, um es bequem benutzen zu können.

Das Display selbst ist ein Augenschmaus. Die Auflösung ist mit 1440 x 3040 (QuadHD) knackscharf, die Farben und Kontraste sind - wie von Samsung gewohnt - beeindruckend. Das Display des kleineren Note 10 ist mit einer etwas erweiterten FullHD-Auflösung etwas unschärfer, wirklich sehen dürfte man das aber nur im direkten Vergleich. Das gewohnt kantige Design tritt durch den schmalen Rand vollständig in den Hintergrund. Bei der Rückseite setzt Samsung ähnlich wie Huawei auf Glas mit Perlmutt-Effekt. Eine sehr gelungene Kombination, die sich auch gut anfühlt. Schade: Trotz des großen Gehäuses verzichtet Samsung erstmals auf eine Klinkenbuchse.

Samsung Galaxy Note 10+ von Hinten

Die Rückseite des Samsung Galaxy Note 10+ ziert eine Glasplatte in Perlmutoptik. Die Kamera ist nun am linken Rand angeordnet. Der Fingerabdrucksensor wurde direkt im Display verbaut.

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Technisch ganz vorne

Bei der Leistung spielt das Galaxy Note 10+ ganz vorne mit, enttäuscht aber trotzdem ein wenig. Der gerade vorgestellte Prozessor Exynos 9825 bietet jede Menge Rechenpower, an das immerhin ein Jahr alte iPhone XS Max kommt er im Vergleich des Leistungs-Benchmarks Geekbench aber nicht heran: Im Einzelkern-Test erreicht das Note 10 4516 Punkte, beim iPhone sind es 4816. Auch der Mehrkerntest geht zugunsten des iPhones aus. Das Note erreicht hier 9969 Punkte, Apples Spitzenmodell hängt es mit 11341 Punkten aber klar ab. Im Alltag dürfte man von diesen Unterschieden in der Regel zwar wenig spüren, für den Spitzenplatz reicht es für Samsung trotzdem nicht - und das einen guten Monat, bevor Apple ein noch stärkeres Modell vorstellt.

Üppig ist die Speicherausstattung: Mit 12 GB Arbeitsspeicher hat das Note 10+ nicht nur vier GB mehr als das kleinere Modell, sondern mehr als fast alle anderen Geräte auf dem Markt. Besonders beim unten erklärten DeX-Feature kann das zum Vorteil werden. Und auch beim Datenspeicher geizt Samsung nicht: Mindestens 256 GB sind verbaut, ein teureres Modell bietet gegen Aufpreis sogar 512 GB. Beim Note 1+ lässt sich der Speicher zudem per microSD-Karte erweitern.

Auch beim Akku hat Samsung nicht gespart - zumindest nicht beim Plus-Modell. Die 4300 mAH reichen stets locker über den Tag, bei normalintensiver Nutzung war meist noch ein zweiter Tag drin. Das kleinere Note 10 dürfte wegen des kleineren Akkus etwas kürzer durchhalten. Auch die Schnellladefunktion gibt es nur beim großen Moell.

Gute Knipse

Bei der Kamera ist Samsung gewohnt sehr gut. Die Dreifachkamera bietet neben der herkömmlichen 16-MP-Knipse eine Weitwinkel- sowie eine Telelinse mit 2x-Zoom. Besondere Features wie der 10x-Zoom des Huawei P30 Pro oder der extreme Nachtmodus von Googles Pixel-Smartphones fehlen aber. Trotzdem gehört das Note 10+ zu den besten Kamera-Smartphones, schießt bei Tag wie bei schlechtem Licht sehr detailreiche Bilder mit guten Kontrast. Die Farben werden Samsung-typisch recht poppig, wirken dadurch manchmal leicht überzogen. Ob man das natürlicheren, aber faderen Farben vorzieht, ist letztlich Geschmacksache. In der Fotostrecke finden Sie einige Beispielbilder und einen Vergleich zum iPhone XS Max.

Arbeitsmaschine

Wirklich punkten kann das Note als Arbeitsgerät. Schon seit mehreren Jahren versucht Samsung, die Note-Reihe in diese Richtung zu positionieren, mit dem Note 10 gelingt das besser als je zuvor. Wie schon bei den Vorgängern lassen sich auf dem großen Display mit Hilfe des Stifts wunderbar Word-Dokumente, Mails und auch Excel-Tabellen bearbeiten und dank Multitasking mehrere Fenster öffnen. Die passende Microsoft-Offce-Suite ist vorinstalliert, benötigt aber ein Office-365-Abo. Das echte Killer-Feature heißt aber DeX. So nennt Samsung seine Möglichkeit, das Note per Kabel zum Computerersatz zu machen. Und die ist endlich alltagstauglich.

Samsung Galaxy Note 10+ mit Dex-Verbindung auf einem MacBook Pro

Schließt man das Samsung Galaxy Note 10+ an einem PC oder Mac an, lässt es sich wie ein eigener Computer nutzen.

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An sich war DeX nämlich auch mit den Vorgängern möglich, mit dem Note 10 fällt aber die nervigste Hürde: Statt ein eigenes Dock zu benötigen, um es mit Bildschirm und Tastatur zu verbinden, kann man das Note einfach per USB-C-Kabel direkt mit einem PC oder Mac verbinden. Sobald die kostenlose DeX-Software installiert ist, bekommt man das Note einfach als eigenen Desktop in einem Fenster angezeigt.

Dort kann man nicht nur die Apps wie gewohnt nutzen - und etwa mit der Tastatur in der Word-App des Note arbeiten -, sondern auch Dateien einfach zwischen den System hin- und herziehen und sofort benutzen. Das Note wird so zum mobilen Bindeglied, mit dem man flexibel zwischen Rechnern hin- und verwechseln kann, und unterwegs weiterarbeitet. In der Praxis funktionierte DeX mit einem Mac recht gut, die Verbindung musste aber öfter neu hergestellt werden. Auf Dauer wäre das so nicht hinnehmbar, hier sollte Samsung schnell nachbessern.

Samsung Galaxy Note 10+ S-Pen verschwindet im Gehäuse

Wie immer verschwindet der S-Pen getaufte Stift des Samsung Galaxy Note 10+ im Metallrahmen.

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Fazit: Das beste Samsung-Smartphone seit Jahren

Mit dem Galaxy Note 10+ ist es Samsung gelungen, seinen Spitzensmartphones endlich wieder ihre eigene Nische zu schaffen. Bei der Leistung war Samsung ohnehin immer vorne dabei, in Zeiten der ewig wachsenden Displays und sinkender Preise reichte die reine Größe und der Stift als Alleinstellungsmerkmal aber nicht mehr aus, um die hohen Preise der Note-Serie zu rechtfertigen. Mit dem Note 10+ ist das vorbei: Kein anderes Smartphone bietet sich dermaßen zum Arbeiten an.

Mit seinem riesigen Display, dem cleveren Stift, viel Leistung und Laufzeit sucht das Note als Produktivgerät gerade seinesgleichen. Die unkomplizierte Nutzung als Desktop-Rechner per DeX macht die Sache perfekt. Die Mischung erinnert nicht per Zufall an Microsofts Produktiv-Fokus bei den Surface-Geräten. Nachdem der Office-Konzern seine Windows-Smartphones gestrichen hatte, hat man beim Note eng mit Samsung zusammen gearbeitet.

Das größte Manko - neben den manchen Händen sicher zu großen Display - ist der Preis: Mindestens 1050 Euro kostet das ab heute erhältliche Galaxy Note 10+. Das ist für ein Android-Smartphone viel Geld. Wer auf den Stift nicht verzichten will, dem bleibt nur das kleinere Note 10 (ab etwa 930 Euro) oder das Note 9 als Alternative. Alle andere sollten sich lieber das Samsung Galaxy S10+ (hier im Test) oder das Huawei P30 Pro (ebenfalls von uns getestet) ansehen. Sie bieten ähnliche Leistung für deutlich weniger Geld.

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