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Jetzt Open Source Wer Whatsapp meiden möchte, sollte sich nun Threema genauer ansehen

Messenger sind auf Smartphones mittlerweile unverzichtbar
Messenger sind auf Smartphones mittlerweile unverzichtbar
© Getty Images
Threema galt als ambitionierter Whatsapp-Herausforderer, dann wurde es ruhiger um die App. Nun haben die Entwickler den Code für alle einsehbar veröffentlicht, um sämtliche Bedenken auszuräumen.

Whatsapp ist hierzulande der populärste Messenger. Jeder zweite Deutsche nutzt ihn regelmäßig, weltweit bleiben mehr als zwei Milliarden Menschen über die Plattform in Kontakt, wie das Unternehmen im Februar bekanntgab. Das war vor der globalen Coronavirus-Pandemie, die Zahl dürfte seitdem noch einmal deutlich gestiegen sein.

Doch viele Menschen nutzen Whatsapp mittlerweile mit gemischten Gefühlen. Denn so praktisch der Dienst auch ist, seit der Übernahme durch Facebook vor sechs Jahren werden die Bedenken von Datenschützer*innen immer lauter. Die beiden Whatsapp-Gründer Brian Acton und Jan Koum haben mittlerweile das Unternehmen verlassen und die Pläne von Mark Zuckerberg wiederholt öffentlich kritisiert. Und immer mehr Nutzer*innen schauen sich nach Alternativen um.

Threema wird quelloffen

Als Whatsapp im Frühjahr 2014 an Facebook verkauft wird, erlebte Threema einen enormen Popularitätsschub. Dann wurde es jedoch ruhig um die Schweizer App, die sich auf Datenschutz fokussiert. Mehr als acht Millionen Menschen nutzten zuletzt laut eigenen Aussagen die App.

Die gesamte Kommunikation ist bei Threema standardmäßig verschlüsselt. Metadaten werden dem Unternehmen zufolge weder gesammelt noch ausgewertet. Im Gegensatz zu vielen anderen Diensten muss man weder Mobilfunknummer noch E-Mail-Adresse angeben. Stattdessen erhält jede*r Nutzer*in eine zufällig generierte, eindeutige Identifikationsnummer, welche eine anonyme Kommunikation ermöglicht. Darüber hinaus werden bei Threema Gruppen und Kontaktlisten ausschließlich auf dem mobilen Gerät verwaltet und nicht an einen Server übermittelt.

Nun geht Threema den nächsten Schritt in Richtung mehr Transparenz: Die Anwendung ist nun Open Source, das heißt der gesamte Quellcode der App wurde vollständig offengelegt. Dem Unternehmen zufolge unterliegt der Code der sogenannten AGPLv3-Lizenz und steht damit Nutzer*innen grundsätzlich frei zur Verfügung. Open-Source-Software hat den Vorteil, dass Dritte sie unabhängig überprüfen können. Schnüffelfunktionen und Sicherheitslücken würden also sofort entdeckt. "Somit ist es nicht mehr nötig, unseren Aussagen zu glauben oder auf die Einschätzung Dritter zu vertrauen", schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. "Mittels Quellcode können sich Sachverständige selbst von Threemas Sicherheit überzeugen."

Telegram nicht so sicher, wie viele denken

Der derzeit populärste Whatsapp-Herausforderer ist Telegram. Entwickelt wurde der Dienst von den russischen Brüdern Pavel und Nikolai Durov, die zuvor bereits mit dem russischen Facebook-Pendant VKontakte für Aufsehen sorgten. Der Dienst arbeitet cloudbasiert, man kann die Inhalte also auf verschiedenen mobilen Geräten sowie auf dem Computer abrufen. Außerdem kann man im Gegensatz zu Whatsapp unbegrenzt große Dateien verschicken. 

Zwar genießt Telegram den Ruf, eine sichere Whatsapp-Alternative zu sein. Das stimmt jedoch nur bedingt. Die Verschlüsselung etwa basiert auf keinem vorgefertigten Standard, weshalb man nicht zweifelsfrei beurteilen kann, wie sicher sie ist. Hinzu kommt: Standardmäßig ist die Verschlüsselung in Chats nicht aktiviert, sie muss erst händisch eingeschaltet werden. Das jedoch machen die wenigsten Nutzer. Bei Gruppen-Unterhaltungen ist eine Verschlüsselung zudem gar nicht erst möglich.

Signal gilt als erste Wahl

Wer bequem und trotzdem sicher mit Freunden kommunizieren möchte, sollte sich Signal genauer anschauen. Signal ist die erste Wahl für jeden, der wegen Datenschutzbedenken weg von Whatsapp will. Der Dienst steht glaubwürdig für Privatsphäre ein, zu den prominentesten Fürsprechern gehören Whatsapp-Gründer Brian Acton und Geheimdienst-Kritiker Edward Snowden. Mit dem Schritt Richtung Open Source dürfte Threema aber aufgeholt haben.

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