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Messenger: Darum ist Signal das bessere Whatsapp

Whatsapp ist enorm populär, aber eine Datenkrake. Unter den zahlreichen Messengern scheint sich nun jedoch eine Alternative durchzusetzen: Signal. Die kostenlose App wird sogar von Edward Snowden empfohlen.

Frau mit Handy

Whatsapp ist weiter auf dem Vormarsch: Vor wenigen Wochen gab der Messenger bekannt, die Marke von zwei Milliarden Nutzern weltweit geknackt zu haben. Der Dienst ist so populär wie nie zuvor, aber nicht beliebt. Denn der Marktführer gehört zum Facebook-Konzern - und dessen Geschäftsmodell basiert darauf, so viel wie möglich über seine Nutzer zu erfahren, um gezielter Werbung schalten zu können. Zwar verschlüsselt Whatsapp seine Chats, trotzdem erfährt der Konzern bei jedem Klick mehr über uns, als wir denken (mehr dazu lesen Sie hier).

Dass so viele Nutzer Whatsapp dennoch die Treue halte, hat zwei Gründe. Erstens: Fast jeder ist dort angemeldet, ob Freunde, Kollegen oder die Kumpels vom Fußballverein. Zweitens: Es ist bequemer, bei einem Dienst zu bleiben, als sich aktiv eine Alternative suchen zu müssen. Dabei gibt es gute und deutlich sicherere Dienste.

Signal ist der Messenger der Wahl …

Fragt man Sicherheitsexperten, welchen Messenger sie empfehlen, ist die Antwort meist stets dieselbe: Signal. "Der Messenger ist die erste Wahl für jeden, der wegen Datenschutzbedenken weg von Whatsapp will", erklärt IT-Experte Mike Kuketz im Gespräch mit dem stern. "Es gilt als der derzeit ­sicherste Messenger und steht glaubwürdig für Privatsphäre ein."

Signal wurde von einer gemeinnützigen Stiftung entwickelt, die sich aus Spendengeldern finanziert. Zu den prominentesten Fürsprechern gehören Whatsapp-Gründer Brian Acton und Geheimdienst-Kritiker Edward Snowden. Viele Experten halten Signal für den sichersten Kurznachrichten-Dienst überhaupt: Der Quellcode ist öffentlich verfügbar (Open Source) und damit für jeden einsehbar. Etwaige Schnüffelfunktionen und Sicherheitslücken würden also sofort entdeckt. Bei Signal sind auch die Gruppenchats vor fremden Blicken geschützt. Weder der Anbieter noch irgendjemand sonst kann mitlesen oder -hören.

… und trotzdem eine Randerscheinung

Trotz des starken Fokus auf Privatsphäre bleibt Signal bislang aber ein Nischenprodukt. Das könnte sich jedoch bald ändern: Weil Whatsapp-Gründer Brian Acton 50 Millionen US-Dollar gespendet hat (die er mit dem Verkauf von Whatsapp an Facebook verdient hat), konnte Signal die Zahl der Entwickler von drei auf 20 mehr als versachsfachen.

Das sieht man der App mittlerweile an. Jahrelang beschränkte sich der Funktionsumfang auf Basis-Features, nun gibt es auch Kapazitäten für verspielte Funktionen wie Sticker, Emoji-Reaktionen oder selbstzerstörende Bilder. In der Pipeline steckt außerdem ein neues System für Gruppen-Chats, schreibt das US-Portal "Wired".

Acton fungiert jedoch nicht nur als Financier, sondern auch als Vorsitzender der Stiftung. Und er hat ambitionierte Ziele: Innerhalb der kommenden fünf Jahre soll Signal mehr als eine Milliarde Nutzer haben. Wie viele den Dienst derzeit nutzen, ist nicht bekannt. In Googles Play Store ist lediglich ersichtlich, dass die App mehr als zehn Millionen Mal heruntergeladen wurde, allerdings darf man nicht jeden Download mit einem Nutzer gleichsetzen.

"Scheiss" statt "Schmeiß" – die Autokorrektur bei Whatsapp sorgt für unfreiwillige Lacher

So will Signal die Massen überzeugen

Acton ist überzeugt davon, dass Signal erst durch "Bereicherungs-Features" wie Emoji-Reaktionen der Durchbruch in der Masse gelingen kann. Sein Plan: Er will die Eingängigkeit von Diensten wie Whatsapp, iMessage oder dem Facebook Messenger adaptieren, aber gleichzeitig vertrauenswürdig bleiben und praktisch keine Benutzerdaten sammeln. "Das ist nicht nur für hyperparanoide Sicherheitsforscher, sondern für die breite Masse", sagt Acton gegenüber "Wired". "Das ist etwas für jeden auf der Welt."

Wie dieser Spagat gelingt, wird an der Sticker-Funktion deutlich. Diese Funktion, bei der im Grunde nur online verfügbare Bildchen in den Chat gepostet werden, bietet im Grunde jeder Messenger. Signal hat sie aber so implementiert, dass dabei keine Metadaten gesammelt werden, also nicht nachvollziehbar ist, wer etwa welche Sticker nutzt.

Ebenfalls in der Entwicklung ist eine experimentelle Methode, um verschlüsselt Kontakte in der Cloud speichern zu können. Damit soll endlich einer der größten Kritikpunkte ausgemerzt werden: Man kann Signal nicht ohne Rufnummer verwenden. Noch.

Die Unterschiede zu Telegram

Signals größte Konkurrenz unter den Whatsapp-Alternativen ist Telegram. Entwickelt wurde der Dienst, der mittlerweile mehr als 200 Millionen Nutzer hat, von den russischen Brüdern Pavel und Nikolai Durov, die zuvor bereits mit dem russischen Facebook-Pendant VKontakte für Aufsehen sorgten. Mittlerweile befindet sich der Unternehmenssitz in Dubai.

Die App ist ­übersichtlich gestaltet und funktioniert ebenfalls cloudbasiert, also auf mehreren Geräten. ­Es gibt jedoch einen entscheidenden Haken: Telegram wirbt zwar mit einer mächtigen Ende-­ zu-Ende-Verschlüsselung, allerdings ist diese standardmäßig nicht ­aktiviert. Bei Gruppen-Unterhaltungen ist sie gar nicht möglich.

Die Verschlüsselung ist zudem eine Eigenentwicklung und im Gegensatz zu Signal nicht Open Source, also nicht für jeden nachvollziehbar. Ein No-Go für Datenschutzexperten. Denn wie heißt es so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wer aus Gründen der Privatsphäre gegen Whatsapp optiert, findet in Telegram deshalb keine adäquate Alternative.

Quelle: "Wired"

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