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Scheibes Kolumne: Karstadt ist überall

Karstadt steckt in der Krise, Musik-CDs verkaufen sich schlecht, und ausgerechnet die Post freut sich wider den Trend über gute Umsätze. Woran liegt das? Das Volk treibt es ins Internet und lässt die klassischen Verkaufsstätten veröden.

Es ist noch gar nicht so lange her, da ging ein Sturm der Entrüstung durch die Bevölkerung. Damals wurden überall in Deutschland große Supermärkte und riesige Warenpaläste aus dem Boden gestampft. In ihrem Schatten gingen die vielen kleinen Tante-Emma-Läden Pleite, die mit den Preisen und dem Warenangebot der Großen einfach nicht mehr länger konkurrieren konnten. Die kleinen Läden an der Ecke, bei denen der Besitzer jeden Kunden mit Namen kennt, gibt es schon lange nicht mehr. Die Misere: Jetzt geht es auf einmal auch den großen Konsumtempeln nicht mehr gut. Die Kunden bleiben aus, vor allem die jungen. Das ist eigentlich kein Wunder: Die sind schon längst woanders, nämlich im Internet. Warum soll ein Teenager oder ein Twen auch durch die muffigen Gänge von Karstadt schleichen, nur um am Ende nur die Wahl zwischen vier oder fünf MP3-Playern zu einem fest vorgegebenen Preis zu haben? Im Internet können sich die Kunden von heute per Mausklick inzwischen richtig umfassend beraten lassen. Nach der umfassenden Waren-Recherche werfen sie einen Preisspion an und bringen den günstigsten Preis von über 600 deutschen Online-Shops in Erfahrung. Einen Klick später ist ein interessanter Artikel schon eingekauft. Garantiert: Das ist das Kundenverhalten von morgen. Die breite Öffentlichkeit muss diesen Wandel zwangsläufig akzeptieren, auch wenn er für viele schmerzhaft ist. Das große Kaufhaus von heute stirbt mit jeder alten Generation ein wenig mehr. Die Kunden von morgen sind schon längst woanders.

Ist der Schulhoftausch wirklich das Problem?

Das sollte auch die Musikindustrie begreifen. Der miserable Umsatz mit den Musik-CDs liegt nicht ausschließlich im Fakt begründet, dass die Kids alle in den Tauschbörsen wildern und Raubkopien ziehen. Mein Gott, die Kiddies haben doch eh keine Kohle, um all die Musik, die sie aus dem Netz klauen, auch zu bezahlen. Ganz anders sieht der Fall bei den Twens und Thirtysomethings aus. Diese mittlere Generation hat das Geld, dafür aber keine Lust mehr, die Musik auf einer CD zu erwerben. Die Silberscheibe ist tot, toter geht es gar nicht mehr. Der riesige Erfolg der Online-Portale wie iTunes zeigt doch: Das Medium ist es, das nicht mehr gewünscht wird. Songs im Internet probehören, bezahlen, downloaden und in den MP3-Player überspielen: Das ist die Zukunft. Dagegen kann man sich wehren bis zum finalen Augenstillstand: Der Trend lässt sich auch bei aller Gewalt nicht mehr umkehren.

Filialensterben

Das sieht man doch auch bei den Banken. Immer mehr Filialen werden geschlossen. Und warum? Weil der Kunde nicht mehr länger auf die Filialen angewiesen ist. Er kann sich sein Geld im Automaten ziehen und die Überweisungen zu Hause per Homebanking erledigen. Der virtuelle Bankbeamte im Internet hat auch mehr Zeit und Muße, um alle wichtigen Fragen zu beantworten.

Die Rückkehr der gelben Post

Vom Online-Boom profitieren viele kleine Händler, die auf einmal wieder Geld verdienen können, ohne dass ihnen ein riesiger Konzern im Weg steht. Auch ganz klassische Unternehmen sind auf einmal wieder gut aufgestellt. So dürfte sich die gelbe Post ein Loch in den Bauch freuen, dass es die vielen Online-Shops und vor allem Ebay gibt. Die Internet-Gemeinde verschickt schließlich Millionen Pakete in der Woche - Trend steigend. Das bei Amazon erstandene Buch oder die bei Ebay ersteigerten Pokemon-Karten lassen sich eben noch nicht über den singenden Draht senden. Die Paketflut rettet die Post, die dafür deutlich im Brief- und Postkartensegment verloren haben dürfte. Seit der Erfindung der Mail ergibt es schließlich keinen großen Sinn mehr, Nachrichten auf anderem Wege zu versenden. Oft genug wird sogar die Postkarte aus dem Urlaub weggelassen - zugunsten einer mit einem Handy verschickten Foto-Botschaft.

Was soll ich da?

Bei allem Gejammer muss man eben auch einmal an die andere Seite der Medaille denken. Natürlich ist es tragisch, wenn Karstadt in die Knie geht und zahllose Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Oft stehen aber nicht nur Managementfehler und die miese Wirtschaftlage als passende Buhmänner bereit. Man muss sich schon eingestehen, dass ein gewaltiger Wandel im Gange ist. Er bringt uns den alten Tante-Emma-Laden wieder zurück - nur eben im Internet. Schon kaufe ich meine Süßigkeiten bei einem Spezialisten im Netz, erwerbe Tierfutter in einem anderen Shop und besorge Spielzeuge für meine Kinder bei einem Kleinsthändler. Alle Anbieter sind preiswert, sehr sachkompetent und schicken meine Bestellungen innerhalb von 24 Stunden direkt ins Haus. Bei allem Verständnis: Ich war seit Jahren nicht mehr bei Karstadt. Was soll ich da?

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.