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Scheibes Kolumne: Larry Laffer lebt!

stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe weiß: Es gibt Dinge, die vergisst man nicht. Den ersten Kuss, die Geburt des eigenen Kindes, der erste Spatenstich beim selbst gebauten Haus. Und natürlich - das erste Computerspiel. Ein kleines Tränchen der Rührung wird vergossen: "Leisure Suit Larry" kann nun auch online gespielt werden.

Heute ziehen die Kids mit "Warcraft" in den Fantasy-Tod, schwingen den Golf-Schläger mit Tiger Woods oder errichten eigene Realitäten mit den Sims. Wir hatten das damals vor über 20 Jahren alles nicht. Uns reichte ein schneller 286er mit EGA-Grafik völlig aus. 16 Farben? Perfekt! Die digitale Welt ist bunt.

Ich begann meine Computerspiel-Karriere mit "Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards". Der Klassiker ist auch heute noch Brisanz pur. Ein hässliches Männchen im weißen Polyester-Anzug zieht abends los, um heiße Schnecken aufzureißen. Dabei wird Leben und Sterben des wohl peinlichsten Pixelmännchens aller Zeiten in die Hände des Spielers gelegt.

Der steuert den Larry über englischsprachige Kurzkommandos wie "open door". Wer hier allerdings nicht aufpasst, lässt zur Unzeit die Hose herunter, bekommt Streit in der Bar, sammelt Geschlechtskrankheiten ein oder wird von einem Auto überfahren, weil er nicht rechtzeitig vor dem Ende des Bürgersteigs angehalten hat.

Larry ist inzwischen längst im Kuriositätenkabinett verschwunden. Es gab etliche Versuche, den spröden Sex-Charme des Erstlings mit mehreren Nachfolgern noch zu übertreffen. Doch je besser die Grafik wurde, umso langweiliger wurde auch Larry. Wir wollen unser Original zurück! Wer sich diesem Schlachtruf anschließen möchte, stattet am besten der Homepage Sarien.net einen Besuch ab. Sie sammelt alte Adventure-Games aus der Frühzeit des PCs in kostenlosen 1:1-Online-Versionen. "King's Quest", "Police Quest" und auch das schräge "Space Quest": Die ganzen Knobelklassiker von früher lassen sich nun noch einmal spielen.

Wer sich hier für Larry entscheidet, erweckt das Spiel von 1987 zu neuem Leben. Die mit dem iPod touch und dem Nintendo DS aufgewachsene Generation mag sich wundern, wie pixelig eine Grafik sein kann. Aber alle älteren Semester spüren einen Anflug von Nostalgie: Ihnen wird ganz warm ums Herz.

Einmal mehr startet das Spiel mit einem wagemutigen Larry Laffer, der vor der Bar "Lefty's" steht - und von einem Hund angepinkelt wird, wenn er nicht schnell genug in die Pötte kommt. Mit der Maus lässt sich Larry in eine Richtung lenken - am besten zur Tür der Bar. Mit "open door" kann man eintreten. Eins weiß ich noch: Wer in der Bar aufs Klo geht und hier mehrfach nacheinander die Wand betrachtet, liest am Ende das Passwort "Ken sent me". Damit kann Larry ins Obergeschoss, um der Prostituierten einen kostenlosen Besuch abzustatten. Wollen wir hoffen, dass er dann auch seine Kondome mit dabei hat. Und nach dem Akt seine Hosen wieder hochzieht.

Hach. Ein paar Minuten reichen aus und schon wirkt der alte Larry-Zauber wieder. Man füttert den Wort-Parser mit immer neuen Anweisungen, sackt ziemlich kuriose Dinge ein, stirbt und steht wieder auf.

Das Online-Spiel gibt übrigens im Kontextmenü (rechte Maustaste) ein paar Texte vor, die man in den Parser übernehmen kann. Wobei man auch hier aufpassen muss. Wer etwa im Klo die Toilettenspülung betätigt, muss damit rechnen, ziemlich zu ertrinken. Bei Larry ist eben nichts unmöglich. Schade, dass solche Spiele heute nicht mehr gemacht werden.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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