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Scheibes Kolumne: PC-Nostalgik - der CDV-Express

stern.de-Kolumnist Scheibe erinnert sich: Im Jahr 1991 übernahm er einen seiner allerersten PC-Jobs und stellte für die noch heute existierende Firma CDV Software den so genannten "CDV Express" her. Bei der ersten Printausgabe des Firmenmagazins ging alles schief, was nur schief gehen konnte.

1991 gab es noch kein Internet - und Shareware-Programme wurden von einzelnen Händlern tatsächlich auf Floppy-Disketten per Post an interessierte Kunden verschickt. Da man Shareware-Programme selbst nicht verkaufen durfte, weil die Entwickler ein Gewinnstreben unter Strafe ablehnten, nahmen die Händler eine Aufwands-Provision pro Diskette. Die lag damals bei etwa zwei Mark pro Disk, wenn ich mich recht erinnere.

Zu der Zeit hatte ich meinen allerersten Computer. Das war ein AT-Rechner mit Schwarzweiß-Grafik und einem einfachen Nadeldrucker. Festplatte 20 Megabyte. Für mich als Hobbyautor war das eine tolle Sache, denn nun musste ich beim Gestalten unserer verschiedenen Fanzines nicht mehr den Blocksatz mit der elektrischen Schreibmaschine simulieren, sondern konnte mit Word für DOS echte Textverarbeitung betreiben.

Damals hatten meine Kumpels und ich - frisch der Schule entronnen - bereits eine langjährige Erfahrung als Herausgeber diverser Fan-Magazine, darunter das preisgekrönte Horror-Magazin "Nachtschatten". Ein echtes Nischenprodukt war das A5-Heftchen "Fandhome Rezessiv", das alle zwei Wochen erschien und ausführlich Bücher, Comics und Brettspiele rezensierte, die uns die Verlage kostenfrei zur Verfügung stellten. Damals hatten wir vielleicht 100 bis 200 Hefte Auflage - das war es auch schon. Wir hatten damals nicht das Geld für mehr Auflage und besseres Papier, dafür waren wir aber mit ganzem Herzen dabei und lasen alle rezensierten Bücher bis zur letzten Seite durch, egal, wie schrecklich sie waren.

Ende 1990 beschloss ich, hier auch Software zu besprechen - und bat CDV-Software per Brief (E-Mail gabs noch nicht fürs gemeine Volk), mir doch bitte ein paar Spiele und eine Katalogdiskette per Post zuzusenden. CDV spielte mit und Frau Anita Galitzendörfer deckte mich mit dem heiß begehrten "Stoff" ein. Ich weiß noch, wie aufregend es war, die ersten Apogee-Spiele zu testen oder mich an verschiedenen Tools zu versuchen, deren Wirkung ich als PC-Neuling eigentlich noch gar nicht so richtig verstand.

Bedeutungsstarker Anruf

CDV jedenfalls gefielen meine Texte und so kam es zu einem bedeutungsstarken Anruf, der meine gesamte Karriere beeinflusste, sodass ich doch kein Bakteriengenetiker wurde (Diplom immerhin noch an der FU Berlin geschafft), sondern mich ganz und gar dem Schreiben zuwenden konnte. Frau Galitzendörfer rief mich an und fragte mich, ob ich mit meiner schönen Schreibe nicht ihren "CDV-Express" zusammenstellen könne. Das Blatt sei schon lange geplant, sollte allen Kunden monatlich zusammen mit ihren Bestellungen zugeschickt werden und eine Auflage von 5.000 Heften haben. 5.000 Hefte! Boah, das war für mich damals der Heilige Gral. Das Schreiben und Layouten machten mir damals so viel Spaß, dass ich für diese Auflage alles getan hätte. Der Deal sah aus heutiger Sicht dementsprechend mau aus: Ich sollte die Hefte zusammenstellen und dafür konnte ich mir so viel Software aussuchen wie ich nur wollte.

Die erste Ausgabe erschien im Januar 1991 auf gelbem A4-Papier und mit 12 Seiten Umfang. Ich erklärte in meinen ersten Texten, wie man PKZip für DOS benutzt, was am nagelneuen Windows 3.0 so alles dran ist, und warum der Private Printer gar kein Desktop Publisher für Arme ist. Damals konnte man für 65 Mark im Jahr auch ein Viren-Abo beziehen: Alle 2 Monate (sic!) bekamen die Kunden dann eine Diskette mit den neuesten Virenscannern per Post zugeschickt. Mehr als 400 Viren kannte man ja schließlich auch gar nicht. Raubkopieren waren schon damals ein heißes Thema - und so wurde es auch gleich auf zwei Seiten behandelt. Buchbesprechungen, Software-Tipps und ein bisschen Werbung: Fertig war das erste Heft.

Am Bildschirm nahmen die Seiten schnell Gestalt an. Und dann war auf einmal alles ganz eilig. Ich sollte die Seiten sofort zur Post bringen und mit Eilzuschlag absenden, damit sie in der Druckerei gescannt und schließlich vervielfältigt werden konnten. Ich wollte besonders helle sein und fuhr mit meiner Diskette und den Daten zu einem Freund. Dessen Vater besaß einen der allerersten Laserdrucker von HP. Ich wollte eben alles richtig machen und anstelle der pixeligen Nadeldrucker-Vorlagen gestochen scharfe Laserausdrucke verschicken.

Was ich nicht bedacht hatte, war das Schriften- und Treiberproblem. Meine Vorlagen waren alle für meinen Tintenstrahler gestaltet worden, für den es spezielle Schriften gab, die irgendwie über den Treiber verfügbar gemacht wurden. Im Laser gab es diese Schriften leider gar nicht. So fiel mir bereits am Bildschirm das gesamte Layout der Seiten um. Erschrocken stellte ich fest, dass mein ganzes Heft plötzlich nur noch in einer gestauchten Courier-Schrift gesetzt war, die ich schon immer äußerst widerlich fand. Aber die Zeit drängte und ich musste das ganze Heft in dieser jämmerlichen Fehlgestaltung ausdrucken und versenden. CDV nahms gelassen und ab Heft 2 hatte ich alles im Griff.

Voreilige Investition

Das Heft wurde übrigens immer besser, wurde bald in Megabyte News umbenannt, erhielt ein dramatisch besseres Papier und Layout und erreichte schließlich 10.000 Auflage, bevor es mit Heft Dezember 1991 auch schon wieder eingestampft wurde, weil sich die ganze PC-Szene schon wieder so verändert hatte, dass sich diese Form des Marketings nicht mehr rechnete. Mir konnte das damals völlig wurscht sein, denn über CDV kam ich zu Systhema, wo ich bald Handbücher für die gelbe Software-Reihe schrieb. Außerdem fand ich meinen Einstieg zur Profiszene und schrieb mir bald bezahlterweise für die Kioskmagazine DOS Shareware und PC Praxis die Finger wund. Die ersten Honorare investierte ich in einen besseren PC mit Farbbildschirm - eine voreilige Investition, meckerte doch damals ein Redakteur mit mir, dass es Schwachsinn sei, Screenshots in der Auflösung 800x600 einzusenden. Schließlich sei kein PC in der Redaktion dazu in der Lage, diese Mörderauflösung auch darzustellen. Heute kann man darüber nur noch schmunzeln.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.