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Scheibes Kolumne: Powernapping im Büro

stern.de-Kolumnist Scheibe geht mit der Zeit. Er kennt sich aus mit modernen Technologien, er bildet sich weiter und achtet auf die neuesten Trends. Ganz besonders schwört er auf das Powernapping am Arbeitsplatz. Fünf Minuten gemütlich Schnarchen - und schon fließen die Worte wieder.

Peter ist krankgeschrieben - er leidet an einem Mausarm. Sabine ist deswegen sogar schon operiert worden. Sie schaut mich an und wundert sich: "Du sitzt doch Tag und Nacht am Rechner. Warum hast du denn noch keinen Mausarm?"

Ich schaue auf meine zerschundene Microsoft-Maus, bei der mein linker Zeigefinger bereits die Farbe von der Taste gerieben hat und die an den Seiten langsam ihre Beschichtung verliert. Richtig, ich tippe den ganzen Tag und nehme manchmal auch noch die Nacht dazu. Vielleicht hilft es ja, regelmäßig zum Karate zu gehen und auf meinen Partner Uwe einzuschlagen, der zwei Köpfe größer ist und selbst härteste Klopfer mit einem buddhistischen Lächeln der Gleichmut schluckt. Vielleicht lockert das die strapazierten Knöchel ja wieder.

Müdigkeit statt Schmerz

Beim Arbeiten vor dem Computer habe ich eh ganz andere Sorgen als meine Handgelenke. Die Müdigkeit ist es, die mir täglich zusetzt. Ich arbeite gerne bis spät in die Nacht, muss morgens aber früh aufstehen, um die Kinder vor acht in die Schule zu bringen. So komme ich meist nur auf sechs Stunden Schlaf - und das nagt an meiner Leistungsfähigkeit. Ständig fallen mir die Augen zu und ich inhaliere aus diesem Grund literweise Cola und Red-Bull-Ersatzstoffe, um den Motor auf Touren zu halten.

Mein bestes Mittel gegen Müdigkeit und für ein produktives Arbeiten ist das Nickerchen, das in modernen Magazinen inzwischen als Powernapping bezeichnet wird. Vor allem dann, wenn gerade keine Mitarbeiter zugegen sind, rolle ich den Schreibtischstuhl zurück, lege die Füße auf den Schreibtisch vor dem Fax, rutsche etwas im Stuhl herunter und falle so fast liegend in ein kurzes Schläfchen. Ich schlafe überall und sofort ein - in der U-Bahn auf dem Weg durch Harlem, mitten am Tisch bei einer Grillparty und erst recht im Flugzeug, wenn es eh nix zu tun gibt.

Fünf Minuten Powernapping reichen mir völlig aus, um wieder frisch zu sein und jedes Quäntchen Müdigkeit in die entlegensten Regionen meiner Fußnägel zu verbannen. Die verlorene Zeit habe ich schnell wieder drin, da ich anschließend deutlich schneller arbeite als vorher, als ich noch völlig tranig im Kopf war. Ganz in diesem Sinne lege ich pro Tag so zwei bis drei Powernapping-Sequenzen ein - und wundere mich, warum diese Form der Schnellerholung nicht überall gang und gäbe ist.

Wecker mit zwei Beinen

Die Antwort kann ich mir selbst geben. Zu oft werde ich nämlich von meinen Kindern beim Powernapping erwischt. Kommen sie von der Schule, rennen sie gleich in den Keller, um mir zu berichten, was ihnen denn nun wieder alles passiert ist. Kommen sie dann wieder nach oben, fragt die Mutter schon: "Und? Was macht Papa gerade?"

"Och, der schläft schon wieder!"

Und schon geht das Geschimpfe los: "Na, so ein Leben möchte ich auch mal haben."

Am Ende muss ich dann wieder den Wocheneinkauf erledigen. Denn wer tagsüber schlafen kann, der hat anscheinend eh viel zu viel Zeit übrig. Und kann auch noch weitere Aufgaben übernehmen!

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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