HOME

Scheibes Kolumne: Schatzsuche in Falkensee

stern.de-Mitarbeiter Scheibe ist infiziert: In seiner Freizeit rennt er mit dem Palm-PDA in der Hand und einer GPS-Maus in der Hosentasche durch Falkensee. Was ist denn hier los? Keine Frage: Das Geocaching-Fieber ist ausgebrochen!

Wer an eine Schatzsuche denkt, hat sofort den Film "Fluch der Karibik" im Kopf, denkt an Piraten und vor allen Dingen an die heißen Tropen. Dass Schätze auch in Deutschland versteckt sein können, glaubt niemand so recht. Und trotzdem sind es bereits über 3000 Schätze, die im ganzen Land auf Finder hoffen. Ein halbes Dutzend von ihnen gibt es sogar in Falkensee bei Berlin. Da wohne ich.

Wertlose Schätze

Leider: Die Rede ist hier aber nicht von einem geheimnisvollen Goldschatz, der seinen Finder reich macht und ihm eine Kiste voller alter Golddublonen aufs Konto spült. Stattdessen geht es um ganz normale Tupperdosen, die zu tausenden in der ganzen Welt versteckt sind. Der Sport, der hinter der modernen Schatzsuche steht, nennt sich Geocaching. Um hier mitzumischen, braucht der Sucher nur einen tragbaren Minicomputer, etwa einen PocketPC oder einen Palm-PDA. Ein Notebook geht sicherlich auch. Wichtig ist nur, dass an diese Geräte ein GPS-Modul angeschlossen ist, das zur satellitengesteuerten Ortsbestimmung taugt. Viele besitzen bereits eine solche Gerätekombination und setzen sie als Navigationsgerät im Auto ein. Bei Aldi & Co kommen sie für kleines Geld immer wieder einmal auf den Verkaufstresen.

Infos aus dem Internet

Im Internet gibt es spezielle Sammelseiten wie Geocaching.de, Opencaching.de oder Geocaching.com. Sie verwalten alle Schätze und geben passend zu ihnen die geografischen Koordinaten bekannt. Die müssen in ein Navigationsprogramm eingetragen werden - Cetus GPS hilft kostenfrei auf dem Palm weiter, während am PocketPC die Software VITO Navigator II zum Einsatz kommt. Sobald die Software die Koordinaten interpretiert und die Peilung aufgenommen hat, zeigt der Bildschirm die aktuelle Entfernung zum Schatz und die einzuschlagende Laufrichtung an. Und schon renne ich los.

Der besondere Spaß: Über Stock und Stein - in Luftlinie - wird der Schatz angepeilt. In Falkensee gibt es einige davon. Einer ist mitten auf dem Scheinwerferberg unter einer Wurzel verborgen, ein anderer steckt in einem hohlen Baum direkt hinter meinem Haus. Und einer soll in der Nähe einer Skaterbahn zu finden sein.

Fast am Ziel

Auf den letzten Metern muss ich immer ordentlich suchen, um den Schatz aufzuspüren. In der klassischen Tupperdose steckt dann ein Notizbuch, in das sich jeder Schatzfinder mit Namen, Datum und Uhrzeit eintragen kann. Zusätzlich enthalten die Schätze kleine Geschenke. Der Finder nimmt sich einfach einen Gegenstand auf der Büchse heraus und legt dafür wieder einen anderen hinein. Dann muss die Kiste wieder versteckt werden - für den nächsten Sucher. Und so, dass Außenstehende (so genannte Muggels) den Schatz nicht aus Versehen finden können. Irre, aber wahr: In Falkensee sind die GPS-Schatzsucher sehr rege. Alleine im Juni haben sich sehr viele Finder in die Notizbücher eingetragen. Auch eine Möglichkeit, einen Ort besser kennen zu lernen.

Und wer auf den Geschmack gekommen ist, kann gleich munter weitersuchen. In Brandenburg und vor allem in Berlin sind noch Dutzende weiterer Schätze versteckt. Süchtige, die ohne eine Schatzsuche gar nicht mehr auskommen, besorgen sich sogar die GPS-Koordinaten der Schätze am Urlaubsort - und gehen auf Kreta, auf den Kanaren, in der Türkei oder auf Mallorca auf die Suche. Wobei Gerüchte besagen, dass einige Schätze am Urlaubsort auch Unterwasser versteckt sein können.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania