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Scheibes Kolumne: Verweiblichte Büros

Stern.de-Kolumnist Scheibe hält die Tür mit beiden Händen fest - und schreit. Aber er hat keinen Erfolg. Die Terrassentür fliegt auf, und eiskalte Luft strömt ins Büro. Scheibes Frau droht mit dem Finger: "Wehe, hier wird gleich wieder zugemacht."

Schön ist es in unserem Kellerbüro. Die Fußbodenheizung sorgt für eine angenehme Wärme, die von unten kommt, und das Büro so richtig schön muckelig warm werden lässt. Über den Tag hinweg sorgen die Drucker, die Computer und die Monitore dafür, dass es noch einmal ein paar Grad wärmer wird.

Einige Menschen, die zu 100 Prozent der Gattung Frau angehören, sind der Meinung, unser Büro wäre völlig überhitzt, würde muffig riechen und jeden normalen Menschen binnen Sekunden in einen Kreislaufkollaps treiben. Wir sehen das ganz anders. Erstunken ist schließlich noch niemand. Jedenfalls ist uns das nicht bekannt.

Die Schülerin ist schuld

Nun haben wir aber seit über einer Woche eine Schülerin aus dem Ort bei uns, die ein paar Stunden am Tag leichte Büroarbeiten verrichtet. Meine Frau sieht das als gottgegebenen Grund, endlich einmal wieder gute Sitten im Büro einzuführen. So rauscht sie auch prompt ins Büro, um die Terrassentür aufzureißen. Ein Zug eiskalter Luft wirbelt die Blätter auf unseren Schreibtischen durcheinander, lässt uns den Atem gefrieren und tötet sofort alle Mikroben, Kellerasseln und Spinnen im Büro. Wir drei Männer fangen sofort an zu zittern und zu bibbern, während Schülerin Marie das Grinsen bekommt: Anscheinend ist sie für das Lüften durchaus empfänglich. Und - dankbar?

Drei Männer fangen unterdessen das laute Greinen an, als wären sie der schlimmsten Folter dieses Planeten ausgesetzt. Der eine Kollege droht mit plötzlichem Krankheitsfall und dem Gang zum Arzt, der andere sucht bereits nach seiner Winterjacke. Gnade gibt es keine: Nichts ist so hartnäckig wie eine Ehefrau, die eine Chance erkennt, muffige Räume durchzulüften.

Sprüh-sprüh-wisch-wisch

Doch sie ist noch lange nicht am Ende ihres Die-arme-Marie-muss-hier-arbeiten-Feldzuges angekommen. Mit Wischtuch und Glasreiniger geht es unseren Monitoren an die Bildschirme. Sprüh-sprüh-wisch-wisch - und weg ist die schöne Patina aus eingetrockneten Niesern und jeder Menge Feinstaub aus dem Laserdrucker. Das sieht jetzt völlig unmännlich aus, auch wenn der Verräter Gregor zugibt, dass sein Bildschirm auf einmal wieder viel heller wirkt. Karsten und ich schütteln den Kopf. Das ist ja so, als ob man freiwillig den Lüfter seines PCs von den Staubmatten befreit, nur damit er sich auf einmal leiser dreht als die Turbinen einer durchstartenden Boing.

Meine Frau blickt sich um, grimmig, immer auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld. Und tatsächlich sagt sie: "Hier sieht es ja aus wie ein Schweinestall". Wir schauen latent schuldbewusst auf hohe Stapel mit Paketen, in denen Briefumschläge, frisch gedruckte PC-Magazine und diverse Verlosungssachen stecken. Wir entdecken Stapel mit der neuen Software, die wir testen sollen, und Stapel mit alten Magazinen, die wir noch nicht endgültig gelesen haben. Klar, hier könnten wir mal wieder aufräumen, damit das Parkett wieder sichtbar wird.

Der anti-feministische Schutzwall

Dann entscheiden wir uns aber doch lieber dafür, so weiterzuarbeiten wie bisher. Da dies ohne männlichen Verteidigungswall anscheinend nicht funktioniert, legen wir uns ins Zeug. Wir bauen aus den Kisten eine hohe Mauer, die die Tür zum Büro hin blockiert, und befestigen ihn ganz professionell von hinten mit Aktenordnern aus dem Schrank und den schweren Papierrollkörben für das Altpapier. So lässt er sich nicht umwerfen. Dieser Verteidigungswall funktioniert tatsächlich. Von dahinter hören wir nur noch ganz leise eine erboste weibliche Stimme, die "Aufräumen, Putzen, Lüften!" ruft.

Die bei uns gefangene Marie macht sich ganz klein, während wir schnell die Terrassentür wieder schließen, den Monitor vollniesen und die neue Post einfach der Bequemlichkeit halber auf den Fußboden fallen lassen. Gemütlich muss so ein Büro sein, dann macht die Arbeit auch gleich viel mehr Spaß. Und das nächste Mal müssen wir uns doch wieder einen männlichen Schüler suchen, so Leid mir das auch für Marie tut. Hier geht es aber schließlich um unsere Lebensqualität.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(