Scheibes Kolumne Wir fordern das totale Wlan


stern.de-Kolumnist Scheibe sitzt mit seinen Freunden Cookie, Robert und Jörgi in der Falkenseer Bowling-Bahn. Während sie eine ruhige Kugel schieben, diskutieren sie über die Forderung, ein deutschlandweites W-LAN zu etablieren.

Jörgi und Robert sitzen um den runden Tisch herum und mampfen Pommes und Cheeseburger, die der russische Betreiber der Bowling-Arena gerade vorbeigebracht hat. Cookie sucht nach einer Kugel mit der Schwere 12, die ihm am besten liegt. Während er versucht, seine Wurstfinger in die drei Löcher zu quetschen, überlegt er laut: "Letztens bin ich mit dem Auto von Berlin nach Hamburg gefahren. Kaum bin ich aus der Stadt raus, beginnen meine Lieblings-Radiosender auf einmal zu rauschen, dann zu knistern und schon sind sie weg. Ich meine doch, wir leben in der modernen Welt. Und ich kann in Hamburg nicht mal mehr Radio aus Berlin empfangen? Das geht doch gar nicht."

Cookie holt aus und verfolgt, wie die Kugel kurz vor dem Ziel vom rechten Weg abkommt und nur zwei Kegel fallen lässt. Er zieht einen Flunsch, kommt zurück an den Tisch und klaut sich einen Pommes von Robert.

Jörgi stimmt ihm zu: "Man muss sich doch einmal vorstellen, was sich in den Wohnungen inzwischen alles geändert hat. Wir alle haben doch inzwischen W-LAN im Haus, oder? Gut, bei mir hat's der Nachbar, aber es reicht auch noch für mich. Ich brauch das nicht nur zum Surfen im Internet, sondern auch, um meine Musik vom PC ins Wohnzimmer zu streamen. Und über die Nintendo Wii kann ich mir meine Urlaubsbilder vom Rechner auf den Fernseher holen. Es gibt doch immer mehr tolle Angebote, wie sich das W-LAN im eigenen Umfeld nutzen lässt."

Robert hält die Hände schützend über seine Pommes, um Cookie abzuwehren: "Meine Frau hat sich gerade ein Radio gekauft, das neben den klassischen Radiosendern auch noch ein paar weitere tausend Online-Stationen über ein W-LAN empfangen kann. Jetzt lässt sie sich morgens von Samba-Klängen aus Brasilien wecken. Das muss man sich mal vorstellen. Über das Internet gelangt das Radio in die ganze Welt. Nur im Auto ist hundert Kilometer vom Sendemast nur noch tote Hose. Und das im Technikland Deutschland."

Ich nicke: "Es gab doch Bestrebungen von Google & Co, in den USA ganze Städte in ein W-LAN zu hüllen, dass die Bewohner dann kostenfrei nutzen dürfen. Da müsste man doch auch ganz Deutschland unter eine W-LAN-Glocke stellen können. Irgendein Sponsor wird sich doch da schon finden. Kann ja monatlich wechseln. Einmal loggt man sich vielleicht ins große Allianz-W-LAN ein, dann ins fette Telekom-W-LAN ein. Mir doch egal. Und schon könnte man im Auto Internet-Radiosender hören - ohne Qualitätsverluste, egal, wo ich bin."

Jörgi nimmt an einer Cola: "Ja, das wäre der konsequente nächste Zug. Handys wären immer ans Web angeschlossen, Routenplaner aktualisieren sich von selbst und die Kinder brauchen hinten im Auto keinen teuren DVD-Player mehr, sondern nur noch einen Bildschirm mit Anschluss an YouTube."

Robert freut sich: "Ja, das wäre die nächste Stufe der digitalen Evolution. Das würde zahlreichen Branchen einen echten Boost geben. Wenn es doch nur schon so weit wäre."

Wir drehen uns um: Der Bildschirm von unserer Bowling-Bahn zeigt nur noch kryptische Symbole - abgestürzt. Robert kratzt sich am Ohr: "Bevor das neue deutschlandweite W-LAN aber auch immer abstürzt und dann streckenweise gar nicht arbeitet, ist ein klassisches Radio vielleicht doch nicht ganz so verkehrt. Das rauscht zwar manchmal, funktionieren tut es aber immer."

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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