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Supercomputer "Jugene": Zahlenfresser von der Leine gelassen

Im Forschungszentrum Jülich hat Europas schnellster Supercomputer seine Arbeit aufgenommen. Das Rechenmonster namens "Jugene" ist so leistungsfähig wie 20.000 PCs. Nur ein Computer auf der Welt ist noch mächtiger, und der gehört dem Militär.

Der schnellste zivil genutzte Supercomputer der Welt ist bei einem Festakt in Jülich eingeweiht worden. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Thomas Rachel, gaben gemeinsam das Startsignal.

Der "Jugene" genannte Rechner schafft rund 167 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde und ist damit auch Europas schnellster Supercomputer, wie das Forschungszentrum mitteilte. Das entspricht der Rechenleistung von rund 20.000 durchschnittlichen PCs. Jugene ist damit der zweitschnellste Computer der Welt überhaupt. Er wird nur noch übertroffen von der Anlage Blue Gene/L im Lawrence Livermore National Laboratory der US- Regierung mit 478 Teraflops.

Jugene wird von Forschern aller Fachrichtungen für Computersimulationen genutzt - beispielsweise um zu klären, wie sich Galaxien formen, Halbleiter funktionieren, wie sich Proteine in Zellen falten oder wie sich Tragflächen von Flugzeugen verhalten.

Auf den insgesamt drei Jülicher Supercomputern rechnen rund 200 europäische Forschergruppen. Wissenschaftler aus allen Bereichen, von der Materialwissenschaft über die Teilchenphysik bis zur Medizin, können Rechenzeit beantragen. Ein unabhängiges Gutachtergremium teilt den besten Vorhaben Rechenzeit zu.

"Rechner der Superlative"

"Jugene setzt Maßstäbe, denn er ist ein Rechner der Superlative", sagte Ministerpräsident Rüttgers bei der Einweihung. Er würdigte vor allem die Umsetzung der technologischen Meisterleistung. "Die schnellsten Computer sind spitze, aber ihr Potenzial muss genutzt werden." Das wissenschaftliche Umfeld im Forschungszentrum Jülich sei vorbildlich: Die Nutzer würden umfassend unterstützt, vom technischen Umgang mit dem Supercomputer bis zur Lösung komplexer Fragen. Der Ministerpräsident hob auch die Bedeutung der Computer für Innovationen hervor. "Computersimulationen gewinnen immer mehr an Gewicht, sie haben mittlerweile dieselbe Bedeutung wie Theorie und Experiment in der Forschung." Damit seien Supercomputer auch für die Existenz eines Forschungszentrums unerlässlich. "Wissenschaft und Wirtschaft brauchen Rechenleistung auf höchstem Niveau - die einen, um Spitzenforschung zu erbringen, und die anderen, um Innovationen zu schaffen", sagte der Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich, Achim Bachem.

Mit Jugene habe man in Jülich einen weiteren Meilenstein für eine zukunftsfähige Forschung gesetzt. Das Bundesforschungsministerium deckte mit rund 13 Millionen Euro den überwiegenden Teil der Kosten ab. An der Beschaffung des Superrechners waren neben dem Forschungszentrum und Bundesforschungsministerium auch das Land Nordrhein-Westfalen und die Helmholtz-Gemeinschaft beteiligt.

AP/DPA / AP / DPA