Überwachung Techniker statt Trojaner


Sie hat große Wellen geschlagen, die Ankündigung des Bundeskriminalamts jeden Computer von Verdächtigen per Hackerangriff auszuspionieren. Mit dem Mythos räumt BKA-Präsident Jörg Ziercke jetzt auf. Er setzt beim Schnüffeln auf Wanzen.

Die Angst um die Online-Bespitzelung wurde durch immer neue Gerüchte befeuert. Mal hieß es, das Bundeskriminalamt (BKA) verordnet Sicherheitslücken in der Software von Herstellern - etwa bei Virenscannern oder Firewalls. Dann wieder wurde von konspirativer Zusammenarbeit mit Microsoft geredet. George Orwell lässt grüßen. In einem Gespräch mit dem Computermagazin "Chip" stellt BKA-Chef Jörg Ziercke jetzt klar, das nur in Ausnahmefällen der Computer mittels Trojaner angezapft werde.

Analog statt digital

Vielmehr erfolge der staatliche Hackerangriff in der Regel erst dann, wenn die Spezialisten des BKA einen "Hausbesuch" bei den verdächtigen Personen getätigt haben. Der Agent verschaffe sich dann Zugang zu den Computern und ziehe Images von den Festplatten. So könne das BKA in aller Ruhe den PC analysieren und eine geeignete Software zum Schnüffeln basteln. Dann gehe es zurück in die Wohnung des potenziellen Kriminellen, wo die Spionage-Software installiert werde. Die "Remote Forensic Software" (RFS) übermittle die Daten später unbemerkt an das BKA. Das ganze gleiche also eher einer Wanze als einem Trojaner.

Warum die späte Aufklärung?

Die Zahl solcher Einsätze sei jedoch sehr beschränkt, so Ziercke. Sie lägen im einstelligen Bereich. Eine breit angelegte digitale Lauschaktion sei so nicht möglich - und auch gar nicht gewollt. Eine Frage bleibt dennoch offen: Warum rückt der BKA-Präsident mit dieser Nachricht erst so spät raus? Die hitzigen Diskussionen um den Überwachungsstaat hätten sich sonst wohl ergeben.

Thomas Soltau

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