Umtausch-Aktion Keine Lust auf Windows Vista


Das Geschäft mit dem neuen Betriebssystem Windows Vista kommt für Microsoft anders als erhofft nur schwer in Schwung. Der weltgrößte Softwarekonzern bietet nun auch offiziell seinen Kunden an, ihre Computer alternativ mit dem Vorgänger Windows XP anzubieten.

Überraschung für die erfolgsverwöhnten Microsoft-Strategen: Während ihre letzten Windows-Varianten sich wie geschnitten Brot verkauft haben, ist das bei Windows Vista nicht so. Viele Nutzer verlangen nach dem fünf Jahre alten XP. Nun lenkt Microsoft ein und erlaubt PC-Herstellern, XP als Zugabe zu höherwertigen Vista-Rechnern zu verteilen.

Microsoft besitzt schon lange nicht mehr den Stellenwert des einst dominierenden Software-Konzerns. Neben dem jüngsten Kartellurteil des Europäischen Gerichtshofs mit seiner fast 500 Millionen Euro hohen Strafe macht Microsoft zunehmend die Konkurrenz zu schaffen. Google, Apple oder IBM setzen mit ihrer oft kostenlosen Software neue Zeichen. Ob Büro-Programme, Internet-Browser oder Medienspieler - die neuen Anbieter brechen in viele Domänen.

Sehnsucht nach XP

"Es gibt noch viele Kunden, die sich für XP entscheiden", sagte Lothar Lechtenberg von Fujitsu-Siemens Computers (FSC) am Montag der dpa. Genaue Zahlen lägen dem Unternehmen jedoch nicht vor. Ein solches so genanntes Downgrade steht allerdings nur für die Ausgaben "Vista Business" und "Ultimate" zur Verfügung.

Auch Fujitsu legt seinen PCs für Unternehmenskunden wie die meisten Anbieter nach Bedarf eine DVD mit dem Betriebssystems- Oldtimer bei. Noch habe FSC auch PCs im Angebot, auf denen XP vorinstalliert sei, sagte Lechtenberg. "Das Programm läuft aber in Kürze aus." Hewlett-Packard startete im August mit seinem, allerdings nicht kostenlosen, Angebot für ausgewählte Notebooks und Rechner für Unternehmen. Der texanische Computerbauer Dell bietet XP seit April sogar für Consumer-PCs an. Dem Nachrichtendienst "c'net" bestätigte ein Microsoft-Sprecher, dass der Softwarekonzern es den Kunden erleichtern wolle, auf XP zu wechseln. Die Möglichkeit habe zwar auch zuvor bestanden, aber in der Praxis habe sich der Downgrade als schwierig erwiesen.

Minimaler Einfluss auf den PC-Markt

Mit Windows Vista hatte Microsoft Anfang des Jahres nach mehr als fünf Jahren einen Nachfolger für das betagte Betriebssystem Windows XP veröffentlicht. Die Computer-Branche hatte sich von dem neuen Programm ein deutliches Anziehen der PC-Nachfrage erhofft, das jedoch weitgehend ausblieb. Auch für das zweite Quartal 2007 hatte die Marktforschung Gartner zuletzt zwar zwölf Prozent Zuwachs im weltweiten PC-Markt errechnet, doch der Einfluss von Vista auf die Nachfrage war auch in diesem Dreimonatsabschnitt "als minimal eingestuft" worden.

Vor allem Geschäftskunden würden statt Vista weiterhin Wert auf das betagte XP legen, merkte im Juli auch Acer-Präsident Gianfranco Lanci an und machte Microsoft unverblümt für das schwache PC-Geschäft verantwortlich. "Ich denke wirklich nicht, dass sich jemand wegen Vista einen neuen PC kauft", sagte Lanci. Inzwischen haben zudem viele Branchen-Experten auf Schwachstellen und Sicherheitslücken in der Software hingewiesen. Das erste Service-Pack für Vista soll allerdings erst Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt will Microsoft entgegen den Wünschen einiger Hersteller das Geschäft mit XP-Computern komplett einstellen.

dpa/ts DPA

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