Xbox 360 Die Scharfmacherin


Elegant und stark: Die neue Spielkonsole von Microsoft ist da - und liefert Bilder so präzise wie nie. Der stern hat die Xbox 360 getestet.

Bald hat es Robbie Bach hinter sich. Bald muss der Microsoft-Manager keine Interviews mehr geben, muss nicht mehr "Hey, das ist eine spannende Frage" sagen, wenn er zum hundertsten Mal dasselbe gefragt wird zur neuen Spielkonsole Xbox 360. Denn bald ist sie auf dem Markt. Endlich. In Amerika gibt es sie seit voriger Woche, nach Deutschland kommt sie am 2. Dezember, kurz darauf nach Japan.

Und dann wird sich zeigen, ob der Xbox-Chef alles richtig gemacht hat. Ob wirklich Millionen Menschen auf seine neue Konsole gewartet haben und ob wirklich so viele sie kaufen werden, wie er immer verkündet hat mit charmantem Managerlächeln. Drei Millionen Boxen müssen verkauft sein in den nächsten drei Monaten, 5,5 Millionen bis kommenden Juni: Das ist das Ziel. Und das muss erreicht werden; es geht um sehr viel.

Vielversprechendes Spielfeld für den Riesen

Die große alte Dame Microsoft ist etwas träge geworden in den vergangenen Jahren. Das Geschäft mit ihrem Betriebssystem Windows zum Beispiel flutscht nicht mehr wie früher, der Markt ist satt, die neue Version lässt auf sich warten. Die Spielebranche jedoch wächst weiter, da ist noch Geld zu holen - aber da hat Microsoft in den vergangenen Jahren nur Verluste eingefahren. Außerdem gibt es in diesem Segment eine übermächtige japanische Konkurrentin: Sony mit ihrer Playstation. An der will Microsoft nun vorbei. "Wir wollen eine Milliarde Menschen zum Spielen bringen", sagt Robbie Bach.

Damit dieser Traum wahr wird, hat Microsoft sehr vieles richtig gemacht. Erstens: Die neue Xbox 360 sieht nicht aus, als sei sie von Microsoft - sie ist schick und cool, gestaltet von Designern aus Amerika und Japan. Sie passt ins Wohnzimmer und wirkt nicht wie ein Spielzeug für Jungen. "Es ist eine Spielkonsole, die auch Ihrer Freundin gefallen soll", sagt Bach.

High-End Spielevergnügen

Zweitens: Es ist die technisch Beste, die es je gegeben hat. Die Grafik, die eine Xbox 360 auf den Bildschirm zaubert, kommt überaus detailreich daher, farbenprächtig, sehr schnell - und gestochen scharf: Jedes Spiel, das für die Konsole erscheint, muss den Standards für hochauflösendes HD-Fernsehen genügen, das fordert Microsoft von den Entwicklern ein.

Ausgereifter Online-Dienst

Drittens: Die Xbox ist die Startrampe für einen riesigen Online-Dienst, "Xbox Live" genannt, über den man gegen andere Spieler aus der ganzen Welt antreten kann, wenn man rund 60 Euro im Jahr zahlt. Und viertens: Microsoft hat ein System zum Jugendschutz in das Gerät integriert. Eltern können einstellen, welche Spiele auf der Maschine laufen - nur die von der USK ab zwölf Jahren freigegebenen zum Beispiel, alle anderen spuckt die Xbox wieder aus. In einer Zeit, in der wieder einmal hitzig über Jugendschutz diskutiert wird, ein wichtiges Signal.

Es gibt natürlich auch weniger Gelungenes: Erstens machen Lüfter und Laufwerk der Xbox 360 beim Spielen einen solchen Lärm, dass man den Fernseher laut aufdrehen muss, um die Konsole zu übertönen. Das mindert den Spaß. Zweitens: Die Videospiele selbst entfalten ihre ganze Pracht nur auf einem teuren HD-Flachbildschirm, auf einem hierzulande noch weitaus mehr verbreiteten Röhrenfernseher verlieren sie viel von ihrem Reiz. Obwohl sie auch dort um einiges besser aussehen als alle anderen Videospiele, hat man das Gefühl, etwas zu verpassen.

Erschwinglicher Spaß

Und drittens: Der Verkaufspreis der Xbox 360 dürfte gerade für jene zu hoch sein, die nur am Wochenende mit Freunden ein wenig spielen wollen. Microsoft bietet die Box zwar in zwei Versionen an, eine ohne Festplatte für 299,99 Euro und die Vollversion mit Festplatte und kabellosem Controller für 399,99 Euro. Da aber viele der rund 60 Euro teuren Spiele nur mit Festplatte laufen werden, lohnt es sich nicht, die kleine Ausgabe zu kaufen. Der Preis selbst ist jedoch gerechtfertigt: In der Xbox 360 steckt so viel High Tech, dass Microsoft damit sogar Verlust macht - und hofft, dafür mit dem Verkauf von Spielen Geld zu verdienen.

Und mit etwas anderem. Denn natürlich hat die "360" im Namen der Xbox eine Bedeutung: Microsoft will mit der Box eine Maschine in den Wohnzimmern platzieren, die zum Zentrum digitalen Entertainments wird. Die Xbox 360 kann DVDs anzeigen und MP3s abspielen, sie bringt Bilder und Musik auf den Fernseher, die auf einem mit der Xbox vernetzten PC gespeichert sind, man kann seine Digitalkamera an die Konsole anschließen und die Fotos auf dem Fernseher ansehen oder seinen iPod mit der Xbox verbinden und beim Spielen seine eigene Musik hören.

Geld verdient wird online. Denn jeder, der beim Online-Dienst Xbox Live angemeldet ist, kann dort Demos von Spielen herunterladen und kleine Spiele kaufen. Auf dem "Xbox Marktplatz" wartet auf ihn zudem virtuelles Zubehör: ein spezieller Ball zum Fußballspiel für ein paar Cent zum Beispiel, neue Felgen für das virtuelle Auto, neue Level - oder irgendwann eine neue Folge. "Es wird Spiele geben, die wie eine Fernsehserie funktionieren", sagt Robbie Bach, "da kaufen Sie im Laden nur die erste Folge, und wenn die Ihnen gefällt, gibt es online mehr davon für ein paar Euro."

Machen das viele, werden aus ein paar Euro schnell ganz viele Euro - getreu dem Xbox-Businessziel, damit "Profit für unsere Handelspartner und weitere Partner der Wertschöpfungskette zu generieren". Ein Partner ist Adidas, ein Werbespot der Firma ist auf der Konsole vorinstalliert.

Fazit:

Die Xbox 360 ist eine gelungene und durchdachte Unterhaltungsmaschine. Wer immer das Neueste haben möchte, kauft sie sowieso. Wer dem Quengeln seiner Kinder nicht widerstehen kann, auch. Wer Geduld hat, sollte warten: Der Preis wird fallen - spätestens, wenn 2006 die neuen Konsolen von Sony und Nintendo kommen. Da lohnt es zu vergleichen. Auch wenn Robbie Bach das wohl anders sieht.

Sven Stillich print

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