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Yuke's-Vizechefin Hiromi Furata: "Playstations sind keine Schnellstarter"

Hiromi Furata ist keine Spielerin. Und doch leitet sie einen der renommiertesten japanischen Hersteller digitaler Spielereien. Im stern.de-Interview spricht sie über Microsofts Fehler in Japan, mächtige Großhändler und über die Risiken des Spielemarktes.

Frau Furata, Yuke’s wurde vor 15 Jahren gegründet und ist somit ein vergleichsweise junges Unternehmen. Was unterscheidet Sie außerdem von renommierten japanischen Spieleherstellern wie SquareEnix, Bandai Namco oder Konami?

In erster Linie unterscheidet uns von den anderen Traditionsunternehmen, dass wir ein reiner Spielehersteller sind. Wir müssen Spiele nicht vermarkten oder in die Verkaufskanäle schieben. Hierzu suchen wir uns potente Partner wie den amerikanischen Publisher THQ. Alle unsere 300 Mitarbeiter können sich also auf das Wichtigste konzentrieren - auf die Inhalte und die Qualität der Spiele. Daher sind wir in vielerlei Hinsicht sicher kreativer als andere Hersteller. Unsere jährlichen Serien-Neuerscheinungen wirken daher auch ein Vielfaches frischer als die der Konkurrenz.

Welche Serien meinen Sie konkret? Die jährlich erscheinenden Fußballsimulationen "Fifa" oder "Pro Evolution" zum Beispiel?

Es gibt viele jährlich erscheinenden Serien. Einige sind besser, andere schlechter. Ich möchte da keine Reihe explizit herausheben oder nennen. (lacht)

Sie sind Vizepräsidentin eines weltweit renommierten japanischen Spieleherstellers. Wie viel Know-how muss man in dieser Position vom "Produkt" haben? Sind Sie selber Spielerin?

Offen gesprochen bin ich nicht gerade das, was man eine Hardcore-Spielerin nennt. Ganz im Gegenteil. Aber ich bin bereits seit mehr als 15 Jahren in dieser jungen Industrie. Es ist spannend für mich, das enorme Wachstum dieser Branche zu beobachten. Und aktiv daran teilzunehmen.

Wie viel Spaß bereiten Ihnen die Täler, durch die die Spieleindustrie in Japan derzeit schreitet?

Es ist richtig, hier in Japan sind die Abverkaufszahlen deutlich in den Keller gegangen. Allerdings sind es doch gerade solche Momente, die mich herausfordern. Uns trifft diese Situation zudem nicht ganz so hart wie andere japanische Spielehersteller. Unsere Top-Serie, die Wrestling-Simulationsreihe "Smackdown vs. Raw", hat sich weltweit 21 Millionen Mal verkauft. 50 Prozent der Umsätze kamen dabei aus Europa - einem stark wachsendem Markt, der für uns also extrem wichtig ist.

Wie heikel ist die Situation in Japan für andere Spielehersteller? Weicht die Konkurrenz jetzt strategisch auch auf den Wachstumsmarkt Europa aus?

Das kann ich nicht beurteilen. Sicher ist nur, dass der japanische Markt in seiner Gesamtheit an Umsätzen verloren hat. Mit einer Ausnahme: Nintendo. Die Wii-Konsole beispielsweise verkauft sich derzeit viermal so gut wie die Playstation 3. Auch Nintendos Taschenkonsole Nintendo DS wandert etwa dreimal häufiger über den Ladentisch als die PSP-Konsole von Sony. Die meisten japanischen Spielehersteller entwickeln daher derzeit ausschließlich Spiele für Nintendo DS und Wii.

Woran liegt es, dass es für Sony und Microsoft in Japan derzeit so schlecht läuft?

Der japanische Markt beziehungsweise dessen Struktur ist eine ganz spezielle. Im Grunde bestimmen Großhändler, welche Hard- und Software dem Nutzer im Laden angeboten wird. Sie kaufen Waren von den Herstellern ein und verkaufen sie an den Einzelhandel weiter. Games oder Konsolen, die die Großhändler nicht bestellen, kommen also nicht in die Elektroniksupermärkte. Und momentan kaufen die eben fast ausschließlich Nintendos Produkte ein. Großhändler haben eine unglaublich große Macht in Japan.

Wird das auch in Zukunft so bleiben?

Ich hoffe, dass Nutzer den Online-Vertriebsweg künftig stärker nutzen werden. Das Marktangebot erweitert sich dadurch dann automatisch und Großhändler verlieren große Teile ihrer Macht.

Die Probleme Microsofts lassen sich aber nicht ausschließlich mit dem Einkaufsverhalten des Großhandels begründen, oder?

Nein, nicht nur. Microsoft hat hierzulande alle Fehler im Marketing gemacht, die man sich vorstellen kann. Zudem stimmt das Spieleangebot nicht. Japaner sind große Fans von Rollenspielen - die sind derzeit noch Mangelware auf der Xbox 360. Shooter dagegen gibt es in Massen für die Konsole. Allerdings lehnen Japaner diese Art von Spielen größtenteils ab. Ich sehe aber generell noch immer eine große Chance für die Konsole, Fuß auf dem hiesigen Markt zu fassen. Ich wäre jetzt sehr gerne Geschäftsführer bei Microsoft in Japan, um denen zu zeigen wie man das macht. (lacht)

Und was ist mit Sony? Warum hat die PS3 solch extreme Anlaufschwierigkeiten?

Es ist sehr kostspielig, für eine solch komplexe Hardware zu programmieren, vor allem für kleine Studios ist das zu teuer. Viele Firmen konzentrieren sich daher auf andere Plattformen. Das zweite Problem aus unternehmerischer Sicht: Während die Kosten für die Entwicklung steigen, sind die Erlöse derzeit vergleichsweise gering. Es stehen einfach noch zu wenige Konsolen in den Wohnzimmern.

Also wird Sony den Markt kein weiteres Mal dominieren können?

Auch wenn es derzeit nicht danach aussieht, glaube ich, dass Sonys Chancen sehr gut sind. Die aktuelle Situation ist schließlich typisch für Sony-Konsolenstarts. Bislang war noch keine Playstation-Konsole ein Schnellstarter. Man hat stets zwei bis drei Jahre benötigt, um in Fahrt zu kommen. Das wird meiner Meinung nach auch diesmal so sein.

Interview: Udo Lewalter