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Studie: Wie Facebook Terroristen miteinander bekannt macht

In einer Studie werfen Forscher Facebook vor, zu wenig gegen islamistischen Extremismus zu tun. Besonders pikant: Das Netzwerk soll Terroristen einander vorgeschlagen haben.

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Die Forscher des "Counter Extremism Projects" üben laut britischem "Telegraph" scharfe Kritik am Umgang Facebooks mit islamistischem Extremismus (Symbolbild)

DPA

"Personen, die du kennen könntest" - die Freundschafts-Vorschläge bei Facebook können nützlich sein. Etwa wenn es darum geht,, frühere Klassenkameraden, vergangene Liebschaften oder ehemalige Arbeitskollegen zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten. Und erfüllen offenbar noch einen weiteren, zweifelhaften Nutzen. Denn sie können auch: Terroristen zusammenbringen und ihnen helfen, ein Netzwerk aufzubauen.

Das behaupten zumindest Forscher der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation "Counter Extremism Project" (CEP) mit Sitz in New York und in London in einer Studie, über die der britische "Telegraph" vorab berichtet.

Gregory Waters, einer der Autoren der Studie, beschreibt darin, wie er von dem sozialen Netzwerk geradezu mit Freundschaftsvorschlägen mutmaßlicher Anhänger des selbst ernannten Islamischen Staates (IS) "bombardiert" worden sei, nachdem er über Facebook Kontakt zu einem aktiven Extremisten aufgenommen habe.

Kontaktbörse für Extremisten?

Robert Postings, ein Kollege Waters', erzählt, dass er ebenfalls Dutzende solcher Vorschläge erhalten habe, nachdem er sich auf Nachrichtenseiten umfassend über einen islamistischen Aufstand auf den Philippinen informiert habe.

Die Forscher erklären sich das Phänomen dem "Telegraph" zufolge mit den Algorithmen des Internetriesen - sie sollen dafür sorgen, das Menschen mit unterschiedlichen Interessen zusammenfinden und dann möglichst viel Zeit auf Facebook verbringen. Das geschieht unter anderem durch die Auswertung der besuchten Seite oder bestehender Kontakte und gilt offenbar nicht nur für Labrador-Freunde, FC-Barcelona-Fans oder Liebhaber elektronischer Tanzmusik, sondern genauso für islamistische Extremisten und Terroristen.

Um ihre These zu untermauern, haben die CEP-Forscher nach eigenen Anhaben die Facebook-Aktivitäten von 1000 IS-Unterstützern in fast 100 Ländern analysiert und entdeckt, dass Nutzer, die mit dem radikalen Islamismus sympathisieren, "routinemäßig" miteinander bekannt gemacht werden.

Robert Postins stellt dazu fest, dass Facebook "in seinem Wunsch, so viele Menschen wie möglich zu verbinden, versehentlich ein System geschaffen hat, das Extremisten und Terroristen verbindet". Waters' Fazit: "Das Versäumnis, die Plattform effektiv zu überwachen, hat es ermöglicht, dass Facebook ein Ort ist, an dem umfangreiche IS-unterstützende Netzwerke existieren, Propaganda verbreitet wird, Menschen radikalisiert und neue Unterstützer rekrutiert werden."

Die Autoren kritisieren laut "Telegraph" zudem den ihrer Ansicht nach zu laschen Umgang des Unternehmens mit extremistischen Inhalten: Entsprechende Beiträge würden nicht oder zu langsam gelöscht und Benutzerkontos nicht dauerhaft gesperrt - Vortwürfe, die auch aus Deutschland, zum Beispiel im Zusammenhang mit Hasskommentaren, bekannt sind.

Facebook wehrt sich gegen die Kritik

Facebook verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass "99 Prozent der auf den IS oder Al Kaida bezogenen Inhalte" von den automatisierten System gefunden würden. Ein Sprecher des Unternehmens kündigt an, dass weiterhin Millionenbeträge in die Mitarbeiter und in Techologien investiert würden, die terroristische Inhalte identfizieren und entfernen sollen. "Es gibt keinen Platz für Terroristen auf Facebook."

Die Studie des CEP mit vielen weiteren Details soll im Laufe dieses Monats veröffentlicht werden.

+++ Lesen Sie dazu im stern auch: "Klares Zeichen: Mit Software und Mannstärke: Facebook löscht extremistische Beiträge" +++

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wue