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Autorennbahn trifft Mario Kart Anki Overdrive ist die coolere Carrera-Bahn


Wie wäre es, wenn man ein Autorennspiel aus dem Computer holen und im Wohnzimmer aufbauen könnte?  Mit der Autorennbahn Anki Overdrive und einem Smartphone geht genau das. Ein Testbericht.

Bei Autorennbahn denken die meisten an Carrera und daran, wie so ein Rennen auf Schienen abläuft: Seinen Plastik-Renner gekonnt mit dem "Gas-Drücker" an der Spitze halten und als erster durchs Ziel fahren. Wie soll das auch sonst gehen. Autorennen eben. „Das ist doch öde“, dachten Hanns Tappeiner, Boris Sofman und Marik Palatucci. Die drei Experten auf dem Gebiet der Robotik und künstlichen Intelligenz haben Jahre an einem völlig neuen Autorennspiel getüftelt, einem, bei dem die Autos selbst fahren. Carrera-Fans mögen da beherzt lachen. Spannender mit selbstfahrenden Autos? Wir konnten "Aniki Overdrive" bereits testen. Und meinen:  Ja, dieses Rennen macht Laune! Eben weil Anki einer neuen Idee von Autorennen folgt. 

"Es ist leider schwer zu erklären, man muss es einmal selbst gemacht haben", räumt Teppeiner ein. Er ist einer der drei Gründer der in San Francisco beheimateten Firma "Anki". Der Deutsche studierte Robotik in Wien und lebt schon länger in den USA. Er und seine Kollegen lernten sich am Carnegie Mellon Robotics Institute kennen.  "Unser Autorennspiel mag mit den Schienen und den Autos an Carrera erinnern, aber eigentlich ist es ein in die reale Welt transportiertes Computerspiel", sagt Tappeiner. 

Kleine fahrende Computer

Die Anki-Autos sind fahrende Computer mit kleinen Persönlichkeiten. In jedem steckt ein Mikrochip, Sensoren, ein Hochleistungsakku und eine Bluetooth-Antenne. Die Fahrbahn ist durchsetzt von Reflektoren. Fahrspuren gibt es nicht. Die Autos sind frei. Und sie wissen das - im wahrsten Sinne des Wortes. 500 Mal pro Sekunde scannen die kleinen Rennwagen ihre Position auf der Strecke. Sie erkennen auf den Millimeter genau, wo sie sind und wo sich ihre Konkurrenten befinden. Einmal auf die Strecke gesetzt, fahren sie schnell, spursicher und autonom.

Und wo bleibt der Spaß? Der kommt mit dem Smartphone oder dem Tablet. Mit einer App für Android- oder iOS-Geräte steuern die Spieler ihre Autos. Das Programm ist die Künstliche Intelligenz der Autos. Sie identifiziert die Fahrzeuge auf der Bahn, der Spieler wählt sein Auto aus und übernimmt die Kontrolle. Mit einem Schieberegler kann er das Tempo steuern, durch Drehen des Smartphones wird die Fahrtrichtung geändert. Entschieden wird das Rennen jedoch mit kleinen gemeinen Tricks. Und die liegen auf den "Feuertasten".

Wie in einem Computerspiel können sich die futuristischen Karren gegenseitig Energie stehlen oder per Traktorstrahl an sich heranziehen, mit einem gezielten Elektroschock für kurze Zeit lahm legen oder gar aus der Bahn werfen. Die dazugehörige Soundkulisse dröhnt aus den Smartphones. Da quietschen Reifen, zischen Energiestrahlen, röhren Motoren  und in den letzten Runden treibt ein schneller werdender Beat die Spannung in die Höhe.

Der Fahrer mit den geschicktesten Manövern gewinnt - entweder nach Runden oder nach Punktzahl. Für jede gelungene Aktion vergibt die Software Punkte, sind davon genügend beisammen, wird der Spieler mit neuer Ausrüstung, Waffen und Fertigkeiten für sein Auto belohnt. Etwa mit der Fähigkeit, rasant in die Gegenrichtung zu drehen und so einer Attacke auszuweichen. Oder auf einer Geraden mit einem Turbo allen anderen und deren Waffen davonzufahren.

Mein Anki-Auto: Aufrüsten, Tunen, Sammeln

Tunen, Aufrüsten, Ausrüstung abwägen und dieser Sog, immer weitere Goodies durch noch mehr Punkte zu erhalten - wer auf PC oder Konsole "Need for Speed", "Mario Kart" oder "Trackmania" spielt, versteht Anki Overdrive sofort. Den Kürzeren zogen bei unserem Test die Carrera-Freunde. Sie wollten lediglich schneller sein, die Idealline finden. Doch eben diese traditionelle Strategie geht bei Anki Overdrive nur selten auf. Deswegen heißt eine Runde hier auch nicht Rennen, sondern Battle - Kampf. Auf der Spur bleiben ist Sache der Autos, den Gegner mit technischer Finesse austricksen und den Sieg einfahren, liegt ganz in den Händen der Fahrer.

Doch vor dem Fahrspaß kommt das Aufbauen der Rennstrecke. Wo stehen die meisten Autorennbahnen in deutschen Haushalten? Richtig, im Karton verpackt Keller. Das macht Anki besser. Ihr Schienensystem  besteht aus dünnen, flexiblen Matten, die über Magnete zusammengehalten werden. Der Zusammenbau unserer Teststrecke aus 18 Elementen samt Kreuzung und Sprungschanze dauerte gute zwei Minuten. Gestapelt sind die Streckenteile gerade einmal drei Zentimeter hoch. Das passt in eine große Tüte und locker unters Bett. Damit lässt sich schnell mal ein Rennen fahren, ohne das es Papa eine Woche zuvor als Projekt ankündigen muss.

Akku und App - die Anki Achillesferse 

Obwohl "schnell" stimmt nicht ganz. Die Autos holen ihren Strom nicht aus den Schienen, sondern aus dem Akku. Ist der Speicher leer, geht nichts. Gute 15 Minuten halten die kleinen Flitzer durch. Danach heißt es rechts ranfahren auf die Ladestation. In unserem Test erwies sich das als mittelfristiger Spaßkiller. Nach dem dritten Zwangsstopp sank die Motivation zum Weitermachen spürbar.  Wer ohne Unterbrechung Rennen fahren möchte, müsste sich zu den beiden in der Basispackung enthaltenen Renner noch zwei weitere  gönnen. Zwei Autos sind auf der Ladestation, zwei stets im Rennen. Rund 60 Euro pro Auto sind allerdings ein Wort. Das liebevolle Carrera-Modell eines echten Rennboliden im Maßstab 1:32 ist genauso teurer. Die Lebenszeit der Anki-Renner ist technisch endlich, irgendwann gibt auch der beste Akku auf. "Die Akkus halten schon sehr lange durch, wir verwenden noch Hochleistungsakkus und haben eine Menge Stromspartechniken eingebaut", sagt Tappeiner. Versierte Spieler würden nach jedem Rennen die Autos auf die Ladestation stellen, selbst wenn es nur drei, vier Minuten seien, in denen sie die Fahrzeuge in der App für das nächste Rennen ausrüsten. 

 

Eine böse Überraschung kann noch beim Herunterladen der Anki-Overdrive-App lauern, denn womöglich sind die eigenen Geräte nicht kompatibel. Für iOS-Nutzer ist die Frage schnell geklärt: Alles über iPhone 4 und iPod Touch 4 funktioniert. iPads ab der Version 3. Schwieriger wird es für Besitzer von Android-Geräten. Grundsätzlich sei die Android-Version 4.4 oder höher sowie unbedingt die Bluethooth-Version 4.0 nötig.

Doch ist die App erst einmal installiert, erklärt sie sich von selbst. Noch vor dem ersten Rennen, bemerkt der Pilot den wohl größten Vorteil dieser Autorennbahn:  Sie macht zur Not auch allein Spaß – die künstliche Intelligenz der Autos ist auf höheren Stufen jedenfalls ein knallharter Gegner. 


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