VG-Wort Pixel

Neues Videogame Far Cry 5: Geballer und Hipster-Extremismus in Trumpistan

Far Cry 5
In "Far Cry 5" terrorisieren die religiösen Fanatiker die Bevölkerung in Montana
© Ubisoft / Hersteller
Bei "Far Cry" geht es um exotische Schauplätze, irre Diktatoren - und ganz viel Geballer. Da ist der neueste Teil  im tiefsten Trump-Land Montana genau richtig. Ganz nebenbei zeigt er aber auch den Irrsinn der amerikanischen Waffendebatte.

In den USA toben Schüler-Proteste für eine stärkere Reglementierung des Waffenbesitzes, im tiefsten Montana herrscht derweil Krieg. Zumindest auf dem Bildschirm. Nach Diktaturen auf Tropeninseln und dem Himalaja in den Vorgängern ballert man sich in "Far Cry 5" durch den wilden Norden der USA - und deckt dabei die Widersprüche eines gespaltenen Landes auf.

Denn davon gibt es auch in "Far Cry" einige. Die tiefreligiöse, pseudo-christliche Sekte "Project Edens Gate" hat unter Leitung ihres irren Prediger Joseph Seed einen Teil von Montana unter ihre Kontrolle gebracht und knechtet nun mit viel Gewalt die übrige Bevölkerung - und der Spieler ist mittendrin. Eigentlich sollte man als Teil einer vier Personen starken Polizeitruppe den Anführer Seed - eine Mischung aus einem Hipster, einem TV-Prediger und Charles Manson - verhaften. Doch dann endet man mitten im Kampf der Kulturen.

Der gruselige Sektenleiter Joseph Seed ist der Gegenspieler
Der gruselige Sektenleiter Joseph Seed ist der Gegenspieler
© Ubisoft / Hersteller

Hillbillys, Trucks - und viele Knarren bei "Far Cry"

Die Grenzen verlaufen allerdings etwas anders als im wirklichen Amerika. Statt zwischen urbaner und Landbevölkerung läuft sie hier nur zwischen Fanatikern und den "normalen" Leuten. Im ländlichen Montana kann man großstädtische Liberale an einer Hand abzählen. Stattdessen stehen auf beiden Seiten schmutzige Hillbillys mit Tanktop und Truckermütze. Und auch bei der Wahl ihrer Mittel sind sich beide sehr einig.

Ganz nach dem NRA-Slogan "Das einzige, was einen bösen Menschen mit einer Knarre aufhält, ist ein guter Mensch mit einer Knarre" ballern sich alle gegenseitig nieder. Auch der Spieler ist hauptsächlich mit Schießen beschäftigt. An jeder Ecke lauern die nach der Abkürzung ihrer Gemeinde "PEGgies" getauften Fanatiker - und wollen sich nicht unterhalten. Weil die Gegner die gigantische Spielwelt patroullieren und stets sofort das Feuer eröffnen, besteht jeder Weg irgendwann unweigerlich aus minutenlangen Feuergefechten.

Das Geballer macht durchaus Spaß - es könnte aber etwas weniger sein
Das Geballer macht durchaus Spaß - es könnte aber etwas weniger sein

Weniger Geballer wäre auch okay

Die machen wegen der gelungenen Steuerung und dem üppigen Waffenarsenal zwar durchaus Spaß, etwas weniger hätte es aber auch getan. Am Ende dürfte man so Hunderte, wenn nicht Tausende digitale Leben auf dem Gewissen haben. Eine Möglichkeit die Dauergefechte zu reduzieren, gibt es leider nicht.

Das ist insofern schade, weil die Spielwelt selbst eigentlich auch mit weniger Kämpfen genug Beschäftigung bietet. Die extrem realistisch gestaltete Wald- und Berglandschaft ist sehr hübsch anzuschauen und lädt zum Erkunden ein. Zudem sind Wälder und Flüsse gefüllt mit Wildgetier und Fischen, die gejagt und geangelt werden wollen.

Autos, Boote und sogar Flugzeuge und Helikopter bringen zusätzliche Abwechslung, wenn auch die schwammige Steuerung der Fahrzeuge etwas den Spaß verdirbt. Wer gerne rätselt, kann sich den Zugang zu Prepper-Verstecken erknobeln. Die Wege dazwischen muss man sich aber stets freischießen. Das ermüdet.

Die realistische Landschaft lädt zum Erkunden ein. Vor dem toll aussehenden Feuer sollte man sich aber in Acht nehmen: Es breitet sich rasant aus
Die realistische Landschaft lädt zum Erkunden ein. Vor dem toll aussehenden Feuer sollte man sich aber in Acht nehmen: Es breitet sich rasant aus
© Ubisoft / Hersteller

Die Handlung als Kulisse

Toll ist dagegen, dass man sämtliche Spielinhalte auch gemeinsam mit Freunden spielen kann, allerdings nicht an derselben Konsole. Sogar die Geschichte kann man so (fast) vollständig gemeinsam erleben.

Die Handlung selbst ist zwar ganz nett, aber wenig erhellend. Sie dient mehr als Leitlinie, an der man sich durch die Spielwelt hangelt. Abseits des frischen Szenarios im amerikanischen Norden und der gruseligen, moralischen Überheblichkeit der sadistischen Sektenführer hat die Geschichte wenig Bereicherndes mitzuteilen.

Als Kommentar auf die aktuelle politische Situation der USA darf man das von einem Kanadischen Studion von Ubisoft entwickelte "Far Cry 5" deshalb wohl nicht verstehen. Es gibt zwar mal Anspielungen auf Trump - etwa einen Anruf eines Politikers, der "Make Montana Great Again" pöbelt und eine Eismauer nach Kanada bauen möchte -, die Spaltung der US-Gesellschaft an den Parteilinien wird aber nicht thematisiert. 

Auch die Widerständler sind Patrioten und Waffenfanatiker
Auch die Widerständler sind Patrioten und Waffenfanatiker
© Ubisoft / Hersteller

Stattdessen wird der dreckig-raue Lebensstil der Hillbillys gleichzeitig für seine Schlichtheit gefeiert und in seinem religiösen Extremismus zum Feind gemacht. Einzige Auffälligkeit: Bei den "guten" Hillbillys gibt es deutlich mehr ethnische Diversität. Das könnte aber schlicht der Tatsache geschuldet sein, dass nahezu sämtliche Gegner gleich aussehen. Ob das nun cleverer Kommentar oder Faulheit der Entwickler ist, sei mal dahingestellt.

Fazit: Spaß ohne Nachdenken

Angesichts der aktuellen politischen Situation in den USA hätte eine clevere Geschichte um die gesellschaftliche Spaltung durchaus ihren Reiz gehabt. Bei "Far Cry 5" dient sie aber nur als Kulisse für einen Action-geladenen, sehr gut umgesetzten Shooter in hübscher Umgebung. Wer nicht mehr erwartet, wird seinen Spaß haben - vor allem, wenn man mit Freunden zusammenspielt. Das gilt allerdings nur für Erwachsene: Wegen der sehr expliziten und teils grausamen Gewalt gehört das Spiel nicht in Kinderhände.

Far Cry 5

  • Genre: Action
  • Plattform. PS4, XBox One, PC
  • Altersfreigabe: ab 18 Jahre

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker