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Spielzeug für den Mann: Die Stuben-Drohne

Das hat uns noch gefehlt: Spionageflieger mit integrierter Kamera gibt es auch für den Hausgebrauch. Ein Testbericht.

Von Christoph Fröhlich

Aus der Ferne in fremde Schlafzimmer spannen? Mal kurz unauffällig über die Gartenhecke fliegen und schauen, was der Nachbar so treibt? Immer mehr Deutsche kaufen sich eine kleine Drohne mit eingebauter Kamera, dementsprechend vielfältiger werden die Horrorszenarien. Nur: Mit der Realität hat das nicht sonderlich viel zu tun. Die populärste Drohne für den kleinen Mann ist die "AR.Drone 2.0" des französischen Herstellers Parrot, dem Branchenprimus im Modellbereich. Doch selbst mit diesem Gerät klappt das flüsterleise Spionieren aus dem Himmel nicht. Außer der Nachbar ist blind und taub. Denn das rund 300 Euro teure Fluggerät mit eingebauter HD-Kamera ist alles andere als unauffällig: Knapp einen halben Meter misst die Drohne für den kleinen Geldbeutel in Länge und Breite, zudem machen die vier Rotorblätter jede Menge Lärm und Wind.

Sieht man einmal von der Geräuschkulisse ab, zeigt der Mini-Flieger eindrucksvoll, was mittlerweile technisch möglich ist: Kannte man Drohnen früher nur aus den Nachrichten, aus Afghanistan und dem Irak, haben es die Fluggeräte mittlerweile in die Parks und Kinderzimmer geschafft.

Spionieren für Anfänger

Die Steuerung der Mini-Quadrocopter ist kinderleicht: Gelenkt wird der Flieger via Tablet oder Smartphone; zieht man das Gerät an sich heran, nähert sich auch die Drohne, kippt man das Handy zur Seite, wechselt auch die AR.Drone die Richtung. Mit dem rechten Daumen lässt man die Drohne nach rechts oder links kreiseln - je nachdem, in welche Richtung der Finger geschoben wird. Schon nach wenigen Minuten gelingen die ersten Flugmanöver. Übertragen werden die Steuerbefehle über ein vom Handy eingerichtetes Funknetz. Unter Idealbedingungen schafft die Drohne bis zu 50 Meter, dann ist Schluss.

Das Highlight der Drohne ist die HD-Frontkamera: Sie überträgt das Bild direkt auf das Steuergerät. Das Video kann wahlweise direkt auf Handy oder USB-Stick gespeichert oder auf Youtube hochgeladen werden. Aber auch hier gilt: Hochauflösende Videoaufnahmen wie im Hollywood-Agententhriller sind mit dem Gerät nicht möglich. Um den Blick des überraschten Nachbarn oder von der Frau gegenüber festzuhalten, aber schon. Doch darf man fremde Leute einfach filmen? Und wer haftet, wenn es zu Schäden kommt?

Freie Flugbahn für Hobby-Flieger

Lange Zeit war das Fliegen von Drohnen - sowohl im privaten wie auch im kommerziellen Bereich - in Deutschland ein rechtsfreier Raum. Seit der Bundestag vor wenigen Monaten eine Änderung des deutschen Luftverkehrsgesetzes durchgewunken hat, ist das unbemannte Fliegen zumindest etwas geregelt. Demnach brauchen Behörden oder kommerzielle Unternehmen eine Erlaubnis, um mit den Überwachungsfliegern gen Himmel zu starten. Wie genau die aussieht, ist aber noch nicht endgültig geklärt.

Piloten von Hobby-Drohnen wie der "AR.Drone 2.0" dürfen dagegen weitermachen wie bisher: Im Gegensatz zu professionellen Spionagedrohnen werden die Mini-Quadrocopter als Freizeitbeschäftigung eingestuft. Sie zählen nicht als "unbemannte Luftfahrtsysteme", sondern als ferngesteuerte Flugmodelle. Bei weniger als fünf Kilogramm Gewicht und maximal 30 Metern Flughöhe darf sie sogar jeder fliegen, ohne jemals eine Ausbildung gemacht zu haben.

Diese Gesetzeslücke ist auch Parrot bewusst, doch auf Nachfrage betont der Hersteller: "Die AR.Drone ist nur ein Spielzeug." Tausende von Geräten hat die Firma bereits an den Mann gebracht, nicht alle Besitzer halten sich an die Regeln. In Modellflugzeugforen gibt es bereits Anleitungen, wie die Drohne auf eine klassische Fernbedienung umprogrammiert werden kann. Das erlaubt den Nutzern, die beschränkte Reichweite und Höhe zu umgehen und so höher als 30 Meter aufzusteigen. Auf Youtube prahlen die Bastler mit ihren umgebauten Drohnen - und dokumentieren einige unfreiwillige Abstürze.

Doch was ist, wenn die eigene Drohne dabei ein fremdes Fahrzeug zerkratzt? Der Hobby-Drohnenführer kann dafür eine Modellhaftpflichtversicherung abschließen.

Zu wenig Saft fürs Spionieren

Dass die kleinen Flieger mehr sehen könnten als erlaubt, ist den Behörden bewusst. "Da mit kamerabestückten Drohnen Menschen gefilmt und in ihrer Bewegung beobachtet werden können, sind datenschutzrechtliche Aspekte beim Einsatz von Drohnen berührt", sagt die Sprecherin des Bundesdatenschutzbeauftragten. Allerdings gelten diese Regelungen nicht für Privatpersonen, sondern lediglich für Behörden und Unternehmen. Konkret heißt das: Filmt ein Drohnen-Besitzer ohne dessen Wissen den Garten des Nachbarn, verstößt das nicht zwingend gegen den Datenschutz. Filmt dagegen ein kommerzielles Unternehmen oder eine Behörde, sieht die Sache schon anders aus, dann würde das Datenschutzrecht greifen. Pläne zur Änderung des Gesetzes gibt es derzeit nicht.

Die Vorhänge müssen jetzt trotzdem nicht massenhaft zugezogen werden: So, wie man sich auch nicht auf eine Leiter stellen darf, um über einen Gartenzaun Fotos vom sich sonnenden Nachbarn zu machen, darf man mit der Drohne keine Privatgrundstücke abfotografieren. Im Gesetzestext fällt das unter "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen" und wird mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet. Allzu lange Spionageflüge sind ohnehin noch nicht möglich. Dafür ist der Akku der Mini-Drohnen zu klein. Rund 90 Minuten lädt die Batterie, ermöglicht aber nur eine Flugzeit von 12 bis 15 Minuten. Zudem ist die Bildqualität bei dunkler Umgebung unter Smartphoneniveau, zoomen kann die Kamera ebenfalls nicht. Das ist auch eigentlich gar nicht nötig, denn letztlich ist die Mini-Drohne nur eins: ein Spielzeug.

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