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US-Angriff in Pakistan: Al Kaidas Nummer zwei offenbar getötet

Der US-Drohnenangriff auf mutmaßliche Aufständische in Pakistan galt der Nummer zwei von al Kaida. Sollte Abu Jahja al Libi tot sein, wäre das ein schwerer Schlag für die Terrororganisation.

Bei einem US-Drohnenangriff in Pakistan ist möglicherweise der zweithöchste Al-Kaida-Anführer getötet worden. Aus pakistanischen Geheimdienstkreisen verlautete am Dienstag, es werde vermutet, dass Abu Jahja al Libi unter den sieben ausländischen Extremisten sei, die am Montag bei dem Angriff im Nordwesten des Landes umgekommen seien. Sollten sich die Angaben bestätigen, wäre dies der schwerste Schlag für die Extremisten-Organisation seit der Tötung ihres Anführers Osama bin Laden durch ein US-Sondereinsatzkommando vor gut einem Jahr.

Libi ist ein libyscher Geistlicher mit abgeschlossenen Chemie-Studium. Er ist einer der Haupt-Strategen von al Kaida, die nach bin Ladens Tod vom Ägypter Aiman al Sawahri angeführt wird. In den vergangenen Jahren war al Libi mehrfach in Videobotschaften der Organisation zu sehen. Unter anderem forderte er darin die bewaffneten Aufständischen in Libyen auf, ihren Kampf gegen den damaligen Machthaber Muammar al Gaddafi fortzusetzen. Nach einem US-Drohnenangriff in Süd-Waziristan im Dezember 2009 war fälschlicherweise sein Tod gemeldet worden. Aus US-Kreisen verlautete, Libi habe bereits mehrere Drohnenangriffe überlebt. Die Attacke am Montag in Nord-Waziristan habe ihm gegolten.

Kopfgeld von einer Million Dollar

Ein US-Regierungsbeamter sagte, sollte al Libi tot sein, wäre das ein "schwerer Schlag" für al Kaida. Denn im August 2011 sei bei einem US-Raketenangriff in Nord-Waziristan mit dem Libyer Atijah abd al Rahman schon einmal eine Nummer zwei des Terrornetzwerks getötet worden.

In den pakistanischen Geheimdienstkreisen hieß es weiter, Libi sei bei dem Angriff schwer verletzt worden und später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Die USA haben ein Kopfgeld in Höhe von einer Million Dollar auf al Libi ausgesetzt. Er war 2002, nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban in Afghanistan durch Nato-Truppen, in Gefangenschaft geraten. Drei Jahre später gelang ihm die Flucht aus dem US-Hochsicherheitsgefängnis Bagram, was zu seinem Prestige unter den Al-Kaida-Kämpfern beitrug.

Die USA haben seit dem Nato-Gipfel zu Afghanistan im vergangenen Monat in Chicago ihre Angriffe mit unbemannten Drohnen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet verstärkt. Bereits am Sonntag wurden bei Luftangriffen in Süd-Waziristan fünf mutmaßliche Aufständische getötet, darunter ein Kommandeur. Am Vortag berichteten pakistanische Sicherheitskräfte von mindestens drei Toten.

mlr/Reuters/AFP / Reuters