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Nach fast 30 Jahren Jeff Bezos ist ab heute kein Amazon-Chef mehr – und was kommt jetzt?

27 Jahre nach der Gründung von Amazon legt Jeff Bezos die Konzernleitung nieder.
Amazon-Gründer Jeff Bezos: Für viele Menschen ein Visionär und unternehmerisches Vorbild
© Sven Simon / Imago Images
27 Jahre nach der Gründung von Amazon legt Jeff Bezos die Konzernleitung nieder. Der 57-Jährige möchte sich seinen zahlreichen anderen Projekten widmen und sich seinen größten Kindheitstraum erfüllen: Eine Reise ins All.

Er ist Gründer des Online-Giganten Amazon und reichster Mensch der Welt – doch er will mehr. Am Montag legt Jeff Bezos nach fast drei Jahrzehnten die Konzernleitung nieder. Der bisherige Chef der Cloud-Sparte von Amazon, Andy Jassy, soll sein Nachfolger werden. Bezos hingegen bereitet sich auf eine neue Mission vor: Am 20. Juli will Bezos ins All fliegen und sich damit einen Lebenstraum erfüllen.

Jeff Bezos erfüllt sich einen Kindheitstraum

Der Multimilliardär soll dann beim ersten bemannten Flug seines Raumfahrtunternehmens Blue Origin mit an Bord sein. Eine Rakete wird eine futuristische Kapsel mit Bezos, seinem Bruder Mark und weiteren Passagieren in rund 100 Kilometer Höhe bringen, wo vier Minuten Schwerelosigkeit und ein Blick auf die Erdkrümmung warten.

"Seit ich fünf Jahre alt war, habe ich immer davon geträumt, in den Weltraum zu reisen", schwärmte Bezos Anfang Juni. "Das ist ein Abenteuer."

Abenteuer- und experimentierfreudig war Bezos, Geburtsname Jeffrey Preston Jorgensen, offenbar schon früh. Als Kleinkind soll er versucht haben, sein Bettchen auseinander zu nehmen. Später widmete er sich der Informatik und den Ingenieurswissenschaften und arbeitete nach seinem Abschluss an der Elite-Universität Princeton an der Wall Street.

Vom Buchhändler zum Weltmarktführer

Die Anfänge von Amazon sind mittlerweile Legende: In seiner Garage in Seattle gründete der damals 30-jährige Bezos 1994 einen Online-Buchhandel namens amazon.com. Seine gut bezahlte Stelle bei der Investmentfirma D.E. Shaw ließ er dafür zum Erstaunen seines Umfeldes hinter sich, das nötige Startkapital liehen ihm seine Eltern.

27 Jahre später dominiert Amazon nicht nur den weltweiten Onlinehandel. Der Konzern betreibt auch einen Streamingdienst für Filme, Serien und Musik, bietet Unternehmen mit seiner Cloud-Sparte AWS IT-Dienstleistungen an und arbeitet in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz.

Nachfolger von Bezos als Chief Executive Officer (CEO) wird nun Andy Jassy, der derzeit AWS führt. Bezos wird aber als Chef des Amazon-Verwaltungsrates auch künftig die Geschicke des Konzerns entscheidend mitbestimmen. Er werde "in wichtigen Initiativen von Amazon engagiert bleiben", erklärte Bezos im Februar, als er die Nachfolgeregelung bekanntgab.

Zahlreiche Projekte warten auf Bezos

Der Schritt erlaubt Bezos, sich mehr seinen anderen Projekten zu widmen: Neben Blue Origin gehört dem glatzköpfigen Milliardär die renommierte Zeitung "Washington Post", außerdem hat er zwei gemeinnützige Stiftungen gegründet. Der Bezos Day One Fund unterstützt obdachlose Familien und finanziert Vorschulen in ärmeren Wohngegenden, der Bezos Earth Fund widmet sich der Bekämpfung des Klimawandels. Allein seinem Earth Fund spendete Bezos im vergangenen Jahr zehn Milliarden Dollar.

Leisten kann er sich das problemlos. Bezos ist dank seiner Amazon-Aktien der reichste Mensch der Welt, das Finanzmagazin "Forbes" schätzt sein Vermögen auf rund 198 Milliarden Dollar. Und dass trotz der teuren Scheidung von seiner Frau MacKenzie 2019 nach 25 Jahren Ehe – Bezos überließ ihr ein Viertel der gemeinsamen Amazon-Aktien.

Amazon steht immer wieder in der Kritik

Schlagzeilen machte die Scheidung nicht nur wegen der riesigen Summen, um die es dabei ging, sondern auch, weil Bezos einen Erpressungsversuch durch das Magazin "National Inquirer" öffentlich machte, das sich intime Fotos von ihm und einer Geliebten verschafft hatte.

Nach fast 30 Jahren: Jeff Bezos ist ab heute kein Amazon-Chef mehr – und was kommt jetzt?

Für Schlagzeilen sorgt immer wieder auch der Konzern Amazon. Regelmäßig gibt es Kritik an den Arbeitsbedingungen von Lagerarbeitern und Lieferanten sowie am Widerstand des Unternehmens gegen die Bildung von Gewerkschaften. Wachsende Kritik gibt es auch an der Marktmacht des mit teils rabiaten Methoden expandierenden Konzerns, die Wettbewerbsbehörden unter anderem in den USA und in Deutschland auf den Plan gerufen hat.

"Erfindet weiter und verzweifelt nicht"

Doch für viele ist Bezos ein Visionär und unternehmerisches Vorbild. Seinen Mitarbeitern gab er kürzlich folgenden Rat mit auf den Weg: "Erfindet weiter und verzweifelt nicht, wenn die Idee im ersten Moment verrückt wirkt."

Bezos zuvorkommen beim Rennen ins Weltall will allerdings der britische Milliardär Richard Branson. Er will mit einem Raumschiff seines Unternehmens Virgin Galactic ins All fliegen – neun Tage vor dem Amazon-Gründer.

stz AFP

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