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Social Media "Es ist ein vergifteter Kelch": Das fürchtet Bill Gates bei Microsofts Tiktok-Deal

Bill Gates
Bill Gates
© Christian Böhmer/ / Picture Alliance
Microsoft will die Hype-App Tiktok aufkaufen. Jetzt hat sich Gründer Bill Gates zu dem Deal geäußert - und seine Bedenken erläutert.

Es wäre Microsofts größte Übernahme der letzten Jahre: Der Software-Gigant will mit Tiktok die meistgehypte App der Welt aufkaufen. Das Geschäft könnte sogar noch größer werden als zunächst gedacht. Nachdem der Konzern zunächst nur den Betrieb in den USA und einigen weiteren Ländern übernehmen wollte, soll nun das gesamte globale Geschäft zur Debatte stehen. Der ehemalige Chef Bill Gates sieht aber große Herausforderungen.

"Es ist ein vergifteter Kelch", urteilte der Microsoft-Gründer, als er von "Wired" auf die Übernahme angesprochen wurde. So bezeichnet man im Englischen ein verlockendes Angebot, das sich im Nachhinein als schädlich herausstellt. Gates geht es aber weniger um die technischen Herausforderungen der Tiktok-Übernahme, etwa die Daten der US-Nutzer von denen der Rest der Welt zu trennen oder die Frage, wie man die Zusammenarbeit bei einer App organisiert, die in anderen Teilen der Welt aus China heraus betrieben wird. Er sieht ganz grundsätzliche Probleme von sozialen Medien.

"Das sollte die Regierung nicht erlauben"

"Im Social-Media-Geschäft ist es nicht einfach, etwa in Bezug auf die Verschlüsselung", führt Gates aus. Dabei bezieht er sich auf Vorwürfe, die er letzte Woche gegen Facebooks Messenger Whatsapp erhoben hatte. Dort sei es wegen der Verschlüsselung der Chats möglich, Falschmeldungen zur Pandemie oder zu Impfungen und sogar Kinderpornografie zu verbreiten, klagte Gates. "Ich persönlich glaube, das sollte die Regierung nicht erlauben." Er habe auch mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg darüber gesprochen. "Ich glaube, er vertritt gute Werte, aber wir beide sind uns nicht einig, ob die Kosten der Verschlüsselung ihren Nutzen wert sind", fasst Gates das Gespräch zusammen.

Das mag auch daran liegen, dass Gates die Folgen der Freiheit in den sozialen Medien deutlich stärker zu spüren bekommt als Zuckerberg. Der Milliardär setzt sich seit Jahren für den Kampf gegen den Klimawandel und den großflächigen Einsatz von Impfstoffen ein. Zudem warnte er frühzeitig vor der Bedrohung einer globalen Pandemie. Das macht ihn zum Ziel zahlreicher Verschwörungstheorien.

"Ich habe schon ein Problem damit, wie diese Theorien sich verbreiten, vor allem die der Impfgegner. Man gibt Dutzende Milliarden für Impfungen aus, um Leben zu retten. Und dann heißt es: Die wollen Geld verdienen und Leben beenden", gibt er sich resigniert. "Merkwürdigerweise bin ich in allem involviert, was Wissenschaftsleugner bekämpfen", schmunzelt Gates. "Die Ironie ist, dass die sozialen Medien diese leichten, verlockenden Erklärungen zulassen: OK, das ist einfach eine böse Person und das erklärt alles."

Übernahme könnte noch größer werden

Bei der Übernahme von Tiktok an sich erwartet Gates weitere Herausforderungen. "Microsoft wird sich dem allen stellen müssen", betonte der ehemalige CEO. Sein Nachfolger Satya Nadella hatte vor einer Woche verkündet, dass man Tiktoks Geschäft in den USA, Kanada, Neuseeland und Australien zu übernehmen plane. Würde der Verkauf so über die Bühne gehen, müsste man einen Weg finden, die App so zu spalten, dass sie im Rest der Welt weiter von Bytedance betrieben werden könnte, dabei aber kompatibel bliebe. Eine gigantische  Aufgabe.

Kein Wunder, dass es nun Gerüchte gibt, dass Microsoft lieber gleich eine globale Übernahme plane. Neben Europa würde dann auch die indische Version des Dienstes von Microsoft betrieben. Der Subkontinent war einer der wichtigsten Märkte für Tiktok, bevor die dortige Regierung die App verbot. Ein Versuch Microsofts auch die indische App zum Teil des Deals zu machen, sei gescheitert, berichtet "Reuters". Daher plane der Konzern nun eben das gesamte internationale Geschäft zu kaufen. Der chinesische Markt bliebe in dieser Variante bei Bytedance: In der Heimat des Betreibers ist Tiktok nicht aktiv, stattdessen bietet er dort unter dem Namen Douyin eine unabhängige Schwesterapp mit dem gleichen Prinzip.

Der Zeitdruck für den Riesendeal ist groß. Sollte Microsoft das Amerika-Geschäft nicht übernehmen, wird die App Mitte September verboten, entschied US-Präsident Donald Trump per Dekret. Hintergrund sind Spionage-Vorwürfe gegen die China-App. Damit würde der einzige ernstzunehmende Konkurrent des Social-Media-Giganten Facebook vom US-Markt verschwinden. "Das mag eigennützig klingen, aber ich denke, es ist grundsätzlich gut, wenn es mehr Konkurrenz gibt", erklärt Gates seine Einschätzung der Lage. "Dass Trump allerdings einen Wettbewerber platt machen will, ist ziemlich bizarr." 

Quelle:Wired, Reuters


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