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Online-Register: 1,8 Millionen "brutbereite" Frauen: Widerliche Datenbank im Internet entdeckt

Dass im Internet viel zu viele Informationen über uns herumgeistern, ist uns wohl allen bewusst. Eine jetzt aufgetauchte Datenbank schockiert nun trotzdem. Sie listet die persönlichen Daten von Millionen Frauen auf - inklusive einem Feld, ob sie "brutbereit" sind.

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Wer hinter der Datenbank steckt, ist nicht bekannt

Getty Images

Ob persönliche Vorlieben, Urlaubsfotos oder unser Datingverhalten: Im Internet gibt es jede Menge Dienstleister, die intime Details zu uns kennen. Wozu man diese Daten theoretisch nutzen könnte, wollen wir oft lieber nicht so genau wissen. Ein Sicherheits-Forscher hat nun eine Datenbank entdeckt, die es in schockierender Weise bewusst macht.

1,8 Millionen Frauen listet die über eine chinesische IP-Adresse frei erreichbare, englischsprachige Datenbank, über die Sicherheitsexperte Victor Gevers zufällig stolperte. Der Inhalt: volle Namen, Alter, Wohn-Adressen, Telefonnummern, Personalausweisnummern. Dazu Informationen zum Beziehungsstatus, zur politischen Ausrichtung und dem Bildungsniveau. Die beiden gruseligsten Einträge der zu jeder Frau geführten Liste: "Hat Video" und "Brutbereit" (im Original: BreedReady), was vermutlich eine skurrile Übersetzung für Gebärfähigkeit ist. Die meisten Datensätze stammen von Frauen aus Peking. 

Wer steckt hinter der Frauen-Sammlung?

Doch was steckt dahinter? "Wir wissen nicht, wofür die Datenbank gedacht ist. Und das ist der Teil der uns am meisten Sorge macht", sagte Gevers, der für die gemeinnützige GDI Foundation arbeitet, dem Tech-Magazin "The Verge". Die Frauen seien seiner Auswertung zufolge zwischen 15 und 95 Jahre alt, 90 Prozent seien Single. Die Frauen, die als "brutbereit" bewertet wurden, waren zwischen 18 und 39 Jahre alt.

In den chinesischen Netzwerken und bei Twitter herrschte über die Erklärung schnell Einigkeit: Die Internetnutzer vermuten die chinesische Regierung hinter der Datenbank. Als Folge der bis 2015 jahrzehntelang geltenden Ein-Kind-Politik kämpft das Land mit sinkenden Geburtenraten. Weil viele Eltern in dieser Zeit lieber einen Sohn als eine Tochter haben wollten, wurde viele Mädchen abgetrieben oder getötet, das Land hat dadurch einen deutlichen Männer-Überschuss. Ob die seit den ersten Berichten nicht mehr erreichbare Seite wirklich dazu gedacht war, gebärfähige Frauen zu überwachen, lässt sich aber natürlich nicht bestätigen.

Woher die Daten aus der Datenbank kommen, ist ebenfalls unbekannt. Auffällig ist, dass bei einigen Frauen Facebook-Profile verlinkt waren. Das Netzwerk ist in China blockiert, lässt sich nur über Verschleierungsmethoden nutzen. Gevers vermutet Soziale Netzwerke und unseriöse Webseiten als Datenquellen. Er nutzt den Fall als Appell gegen den Big Data genannten Trend, immer mehr Daten zu sammeln und systematisch auszuwerten. "Das geht viel weiter als China. Es ist ein globales Problem, das wir angehen müssen. Alle Nationen (auch China) sollten diesen Wahnsinn mit Big Data einstellen. Am Ende dieses Pfades gibt es nur noch Tränen." 

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