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WWDC Apples Krieg gegen Facebook geht in die nächste Runde

Unter CEO Tim Cook positioniert sich Apple immer klarer als Verfechter der Privatsphäre
Unter CEO Tim Cook positioniert sich Apple immer klarer als Verfechter der Privatsphäre
© Apple / PR
Gerade erst verärgerte Apple die Werbebranche, indem der Konzern die Überwachung der Kunden deutlich schwerer machte. Vor allem Facebook-Chef Mark Zuckerberg ärgerte sich öffentlich darüber. Jetzt kündigte Apple gleich mehrere weitere Schritte an.

Hatte Apple erst vor kurzem mit seiner Drohung ernst gemacht, das Werbetracking zwischen Apps zu unterbinden, kommt nun der nächste Schritt: An gleich mehreren Stellen dreht der iPhone-Hersteller den Entwicklern von Apps und Webdiensten die Daumenschrauben enger an, indem man den Nutzern mehr Kontrolle gibt. Das dürfte Mark Zuckerberg und seinen Kollegen sehr wenig Freude machen.

Die Neuerungen wurden im Rahmen von Apples Entwickler-Messe WWDC vorgestellt. Wie ein roter Faden zog sich der verbesserte Schutz von Nutzerdaten durch den Abend, als das neue iPhone-System iOS 15, iPadOS 15, watchOS 8 und das neue macOS Monterey vorgestellt wurden. Und Apple hatte so einige Punkte identifiziert, um der Werbebranche das Leben schwerer zu machen.

Das Ende der Heimlichtuerei

Die größte Sorge in der Branche dürfte eine neue Petz-Funktion bekommen. In einem neuen Privacy-Report können sich Nutzer genau anzeigen lassen, welche Daten Apps über sie sammeln und wie oft sie in den letzten Tagen auf kritische Schnittstellen wie das Mikrofon, den Standort oder die Kamera zugegriffen haben. 

Das dürfte viele App-Entwickler in Erklärungsnöte bringen. Viel zu viele von ihnen basieren ihr Geschäftsmodell darauf, Daten wie die Fotos auf dem Gerät des Nutzers, den Standort oder die benutzten Apps auszuwerten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse für Werbung zu nutzen oder zu verkaufen. Die Geräte werden dadurch zu einer Art Spionagewerkzeug. Schon lange schwelende Gerüchte, Facebooks Apps wie Whatsapp würden heimlich mithören, lässt sich nun vermutlich schnell widerlegen oder beweisen: Der Konzern würde dabei schnell erwischt.

Weniger Neugier

Aber nicht nur zu neugierige App-Entwickler bekommen klarere Schranken gesetzt. Newslettern schiebt Apple Tracking ebenfalls einen Riegel vor. Mit kleinen Zählpixeln können die Absender oft erkennen, ob, wann und von welcher IP-Adresse Werbemails geöffnet wurden. Das unterbindet die Mail-App nun ebenfalls. Die IP-Adresse wird nun selbst vor besuchten Webseiten verborgen. Dadurch wird nicht nur die Verfolgung einzelner Nutzer durch das Netz erheblich erschwert. Die IP wird auch genutzt, um den Standort der Nutzer zu schätzen und das für gezielte Werbung zu nutzen. Das wird jetzt unmöglich.

WWDC: Apples Krieg gegen Facebook geht in die nächste Runde

Noch umfangreicher ist der Schutz für Abonnenten von iCloud: Mit Private Relay leitet Apple in Safari dann automatisch jede Anfrage über zwei zufällige Server – und verbirgt so noch besser, wer was sucht. Nicht mal Apple selbst könne so die Anfragen im Browser verfolgen, verspricht der Konzern.

Schlechte Zeiten für Online-Werber

Für die Werbeindustrie, die schon unter dem Update auf iOS 14.5 empfindlich litt, ist das harter Tobak. Das Update setzte im April die schon auf der letztjährigen WWDC angekündigten Maßnahmen gegen Werbetracking in die Tat um – nachdem die Werbeindustrie unter Führung von Facebook monatelang dagegen zu kämpfen versucht hatte. Vereinfacht gesagt drehte Apple mit dem Update einfach die Frage der Berechtigung zum Werbetracking um: Statt den Nutzern die Option zur Verweigerung der Überwachung zu geben, müssen sie nun explizit zustimmen.

Das tun aber erwartungsgemäß die Wenigsten: Gerade einmal vier Prozent der Nutzer sollen sich einer Studie zufolge die Mühe machen, den Schalter zugunsten des Werbetrackings umzulegen. Und selbst die können nicht einfach überwacht werden: Mit der Genehmigung erlaubt man es Apps nur, individuell um die Berechtigung zu bitten – was dann wiederum von den Nutzern noch einmal bestätigt werden muss.

Zuckerberg ist sauer

Kein Wunder, dass die Werbeindustrie über das Update wenig begeistert ist. Die Datensammelei ist die Grundlage für das Anzeigen personalisierter Werbung, die für die Unternehmen deutlich lukrativer ist als klassische Werbeformen. Durch Apples Maßnahme könnten die Einnahmen von Facebook und Google um bis zu 7 Prozent sinken, hatte der Experte Eric Seufert ausgerechnet. Das entspräche Einnahmeverlusten in Höhe von mehreren Milliarden Euro pro Quartal – nur für Facebook.

Der Social-Media-Gigant wehrte sich entsprechend mit Händen und Füßen gegen den Schritt. Apple wolle seine eigenen Dienste bevorteilen, zudem schade der Schritt vor allem kleinen Unternehmen, behauptete Facebook immer wieder. Apple sei zunehmend einer der größten Konkurrenten, erklärte Zuckerberg im Frühjahr entsprechend. Der Höhepunkt der Kampagne war ein peinlicher Musikclip, der die Vorteile individualisierter Werbung zum Ohrwurm machen sollte – und bei Youtube kräftig Daumen runter einsammelte.

Apple grenzt sich ab

Am Ende dürften die Kampagnen Apple eher helfen. Die harte Abgrenzung gegen die Datensammelei ist dem iPhone-Konzern nur möglich, weil er gegenüber den anderen Internet-Giganten ein grundsätzlich andere Geschäftsmodell betreibt. Anders als bei Google, Facebook oder Microsoft ist Apples Hauptgeschäft nicht die Verwertung von Daten, sondern der Verkauf von Premium-Hardware. Erst dadurch kann der Konzern als Verfechter der Privatsphäre glaubwürdig sein.

Dabei hat auch Apple ein finanzielles Interesse: Der in der Branche einmalige Privatsphäre-Schutz wertet iPhone, iPad und Mac in den Augen der Kunden weiter auf. Wer Wert auf Datenschutz legt, hat kaum eine andere Wahl als Apples Premium-Preise zu zahlen. Facebook und Co. sollten sich also eher auf noch schärfere Maßnahmen einstellen, als auf Besserung zu hoffen.

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