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Auskunftsdatei in der Kritik: Was die Schufa darf - und was nicht

Die Schufa plant offenbar, Informationen aus Facebook und Co. zu sammeln und für ihre Angaben zur Kreditwürdigkeit auszuwerten. Doch ist das überhaupt erlaubt? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Von Christoph Fröhlich

Willkommen bei der Schufa. Welche Informationen suchen Sie?", heißt es auf der Webseite von Deutschlands bekanntester Auskunftei. Die richtige Frage wäre eher: Welche Informationen sucht die Schufa? Denn laut einem Bericht des NDR plant der Auskunftsdienstleister, persönliche Daten aus dem Netz - beispielsweise aus Facebook oder Xing - zu sammeln und diese mit ihrer eigenen Datenbank abzugleichen. So sollen in Zukunft noch präzisere Informationen zur Kreditwürdigkeit von Privatpersonen möglich sein.

Offiziell spricht die Schufa von einem Forschungsprojekt, das nach "höchsten ethischen Maßstäben" betrieben werde. Drei Jahre soll die wissenschaftliche Untersuchung dauern, die Ergebnisse sollen anschließend öffentlich zugänglich gemacht werden. Doch die gewonnenen Erkenntnisse sollen auch "aus Business-Sicht bewertet" werden, heißt es in einem dem NDR vorliegenden Papier. Doch wie sammelt die Schufa überhaupt ihre Daten? Was speichert das Unternehmen? Und ist das überhaupt erlaubt? Wir geben die wichtigsten Antworten.

Wie kommt die Schufa an Daten?

Die Schufa kooperiert mit mehr als 7000 Vertragspartnern, dazu zählen Kreditinstitute, Energieversorger, Telekommunikationsanbieter, Versand- und Handelshäuser oder Leasingunternehmen. Zusätzlich erhält das Unternehmen Informationen aus öffentlichen Verzeichnissen wie beispielsweise von Amtsgerichten. Laut eigenen Angaben besitzt die Schufa eine Datenbank mit mehr als 66,2 Millionen Privatpersonen mit insgesamt 514 Millionen Informationen. Bislang erhebt die Schufa angeblich keine Daten selbst, noch führt sie Recherchen durch. Das kann das Unternehmen aber jederzeit ändern. Wie sich die Schufa die Daten besorgt, ist ihr überlassen - solange es im legalen Rahmen bleibt, sagt der Alsdorfer Rechtsanwalt Jens Ferner stern.de.

Was wird gespeichert?

In der Datenbank der Schufa werden personenbezogene Daten wie Name, Geburtsdatum und -ort, frühere und die aktuelle Wohnanschrift gespeichert. Von externen Vertragspartnern erhält das Unternehmen zusätzliche Informationen zu Bankkonten, Kreditkarten, Leasingverträgen, Mobilfunk- und Versandhandelskonten, Ratenzahlungsgeschäfte, Kredite und Bürgschaften sowie mögliche Zahlungsausfälle bei bereits angemahnten Forderungen.

Laut eigener Aussage speichert die Schufa keine Informationen über das Vermögen und Einkommen der Privatpersonen, über den Beruf, die Nationalität, den Beziehungsstatus oder Mitgliedschaften - beispielsweise ob man in einer Partei ist oder Kirchensteuer bezahlt. Auch Marketingrelevante Daten wie das Kaufverhalten, was sich aus mehreren Ratenkäufen ergeben könnte, werden angeblich nicht erfasst.

Entscheidet die Schufa, ob ein Kredit bewilligt wird oder nicht?

Nein. Die Schufa stellt den Unternehmen lediglich die gesammelten Informationen zur Kreditwürdigkeit zur Verfügung, den sogenannten Score. Dieser Dienst ist selbstverständlich nicht kostenlos: Pro eingeholter Auskunft müssen die Unternehmen einen Preis bezahlen. Dieser unterscheidet sich je nach Branche und Informationsbedarf. Das heißt im Klartext: Je mehr Daten die Banken oder Telekommunikationsanbieter wollen, desto tiefer müssen sie in die Tasche greifen. Deshalb lohnt es sich für die Schufa, so viele Informationen wie möglich über Privatpersonen zu sammeln und auszuwerten.

Was plant die Schufa?

Gemeinsam mit dem Hasso-Plattner-Institut untersucht die Schufa die "Analyse und Erforschung von Daten aus dem Web". Was genau damit gemeint ist, wird nicht konkretisiert. In einem gemeinsamen Papier der Auskunftei und des Instituts ist laut NDR von "Projektmöglichkeiten und Denkrichtungen" die Rede. Die sind aber offenbar recht einseitig: Aus mehreren Quellen im Netz sollen gezielt Daten über Verbraucher gesammelt und ausgewertet werden. Die sollen mit speziellen Daten-Crawlern, wie sie auch Google verwendet, aus soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Xing als auch Immobilienseiten wie immoscout24 oder mobile.de gewonnen werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Einrichtung von Fake-Accounts in sozialen Netzwerken, um auch an Daten zu gelangen, die nicht öffentlich einsehbar sind.

Ist das überhaupt erlaubt?

Der Einsatz von Fake-Accounts ist verboten. Solange Daten im Netz frei verfügbar sind, dürfen sie aber auch ausgewertet werden, sagt Rechtsanwalt Ferner. "Rechtlich gesehen ist das kein Problem, solange auf öffentliche Daten zugegriffen wird", erklärt der Rechtsanwalt. Geregelt wird das in Paragraf 28 des Bundesdatenschutzgesetzes. Nicht erlaubt ist es jedoch, wenn "das schutzwürdige Interesse des Betroffenen an dem Ausschluss der Verarbeitung oder Nutzung gegenüber dem berechtigten Interesse der verantwortlichen Stelle offensichtlich überwiegt", heißt es im Gesetzestext. Das dürfte aber nur selten der Fall sein, schätzt der Experte. "Wenn man auf Facebook der ganzen Welt mitteilt, dass man fünfmal im Jahr in den Urlaub fliegt, dürfte die Chance auf ein schutzwürdiges Interesse der Informationen gering sein." Deshalb sollen sich die Nutzer immer im Klaren sein: Wer die Öffentlichkeit sucht, muss auch darüber nachdenken, was dort passiert.

Was sagen Datenschützer dazu?

Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert sagte dem Radiosender NDR Info: "Sollte die Schufa die gewonnenen Daten tatsächlich einsetzen, wäre das eine völlig neue Dimension." Auch Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, kritisiert die geplante Datensammelwut der Schufa: "Dieses Forschungsvorhaben verdeutlicht, wie Auskunfteien und andere professionelle Datensammler ihre ohnehin schon großen Datenbestände noch um ein Zigfaches vergrößern können", sagt er stern.de. Im Übrigen zeige dieses Forschungsvorhaben einmal mehr, wie Nutzerdaten - etwa aus sozialen Netzwerken wie Facebook - ohne Wissen der Betroffenen ausgeforscht und zu Geld gemacht werden können.

Wie kann man sich schützen?

Am besten schützt man sich, indem man so wenig private Informationen im Netz preisgibt, wie nur möglich. Zudem sollten die Einstellungen in sozialen Netzwerken so geändert werden, dass Fremde die eigenen Beiträge nicht sehen können. Wie das bei Facebook funktioniert, können Sie hier nachlesen.

Mit einem Widerspruch kann man Unternehmen daran hindern, dass Daten über einen persönlich gesammelt und gespeichert werden. Was erlaubt ist und was nicht, erfahren Sie in Paragraf 35 des Bundesdatenschutzgesetzes. Dann darf die Schufa ihren Geschäftspartnern auch den Score nicht mehr mitteilen, der die Kreditwürdigkeit zusammenfasst. Allerdings kann sich das auch nachteilig auswirken: Viele Unternehmen und Institute lassen das Geschäft platzen, wenn sie keine Angaben zur möglichen Kreditwürdigkeit erhalten. Eine Alternative zur Schufa gibt es kaum. Es gleicht einem Kampf gegen Windmühlen.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.