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Bezahlsysteme: Vom Dialer zum Handy

Durch die strikten gesetzlichen Vorschriften geht die Zahl der schwarzen Schafe unter den Dialern stark zurück. Doch an Ideen, um Websurfern das Geld aus der Tasche zu ziehen, mangelt es nicht. Neuestes Werkzeug: das Handy.

Der verbreitete Missbrauch von teuren Dialern im Internet ist spürbar eingedämmt worden. Seit 17. Juni sind die bereits im Frühjahr eingeführten gesetzlichen Vorgaben für alle Einwählprogramme verbindlich. Bis dahin ermöglichte es eine Schonfrist, dass schon vorhandene Dialer-Sites nicht wie verlangt über entstehende Kosten aufklären mussten. Ab jetzt ist ein Zustimmungsfenster Pflicht, in dem der Anbieter genau über den Preis für die Einwahl informieren muss. Aber schon machen sich andere Tricks breit.

Bislang wurden zahlreiche Internet-Nutzer auf harmlos klingenden einschlägigen Web-Sites wie malvorlage.de, pflanzen.de und lehrstellen.de abgezockt, weil die Kosten von rund 25 Euro entweder am nicht sichtbaren unteren Rand des Browsers oder im Kleingedruckten des Pop-Up-Fensters gut versteckt waren. Nun muss diese Information im vorgeschriebenen dritten Fenster stehen und der Nutzer zusätzlich "OK" eintippen.

Einschlägige Domains werden zum Verkauf angeboten

Die genannten Sites sind aber mittlerweile alle vom Netz, wer sie ansurft, erfährt, dass sie "vom Inhaber zum Verkauf angeboten" werden. "Ganz viele haben aufgegeben", sagt Heiko Rittelmeier vom Interessenverband Deutsches Internet, der die Site computerbetrug.de betreibt. Momentan herrsche eine recht starke Verunsicherung in der Szene: "Keiner weiß so recht, wie es weitergeht", sagt Rittelmeier.

Neues Betätigungsfeld: das Handy

Einige der zwielichtigeren Betreiber testen aber offenbar bereits neue Methoden: So werden Surfer bei der Adresse vornamen.de, auf der sich werdende Mütter auf der Suche nach Kindernamen verirren sollen, im ersten Pop-up aufgefordert, ihre Handynummer einzugeben. Per SMS werde dann ein Zugangscode geschickt. Darunter steht der Hinweis auf den Preis von 9,99 Euro und einem "Buchungsintervall" von drei Tagen.

Wie das genau funktioniert, erläutert eine Sprecherin des Mobilfunkkonzerns O2: Die SMS mit Zugangscode ist demnach zunächst kostenlos. Erst wenn der Kunde diesen Code auf der Web-Site eingetippt hat, kommen die 9,99 Euro auf die Handyrechnung. Unheimlich: Theoretisch sind nach Angaben der O2-Sprecherin auch 1.000 Euro möglich, vorausgesetzt der Kunde stimmt zu. Für den Preis gibt es keine Obergrenze: Wir haben da keine rechtliche Handhabe“, sagt die Sprecherin.

Der Anbieter von vornamen.de, laut Impressum eine Firma im hessischen Büttelborn, ist somit vom Dialer-Geschäft auf das Handy-Geschäft umgestiegen. Für Experten ist das keine große Überraschung. "Wir merken seit geraumer Zeit, dass viele auf Handy-Payment umsteigen", sagt Rittelmeier. Begonnen habe die Entwicklung vor einem Jahr mit Abos für Handy-Logos und Klingeltönen. Bei dem Modell, das Rittelmeier zufolge ganz legal ist, schließt der Kunde einen Vertrag über eine "premium-price-SMS" ab.

Unklare Geschäftsbedingungen

Dabei ist zweifelhaft, ob das, was man dann bekommt, schon zehn Euro wert ist. "Da ist der Ausdruck Content schon fehl am Platz", sagt Rittelmeier. Der Experte warnt, dass beim Handy-Payment die Kontrolle noch schwieriger sei als mit Dialern. So sei nicht erkennbar, ob es um ein Abo oder um eine Einmalzahlung gehe.

Abo-Falle bei hausaufgaben.de

Dass die Dialer-Branche neue Nischen findet, beweist auch die Site hausaufgaben.de, wo vor allem Schüler auf der Suche nach Vorlagen geködert werden sollen: Dort öffnet sich neuerdings ein Pop-up, das den Eintrag persönlicher Daten und der Kontoverbindung verlangt, um in den "umfangreichen Mitgliederbereich" zu kommen. Unter "gewünschter Zugang" steht neben dem vertrauten EC-Karten-Logo "3 Tage Vollzugang 1,- Euro". Doch weit rechts davon lässt sich unter "Info" ein weiteres, winziges Pop-up-Fenster öffnen. Darin heißt es dann: "1 mal 3 Tage für 1 EUR, dann immer wiederkehrend 30 Tage für 29,95 EUR". Und das ist dann ein Abo für knapp einen Euro pro Tag.

Nikolaus von Twickel/AP / AP
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