Blinkx, Videosurf und Co. Spürhunde für bewegte Bilder


Im Netz finden sich immer mehr Videos - wer steigt da noch durch? Neue Suchmaschinen wie Blinkx und Videosurf analysieren den Inhalt und zeigen auf einen Blick, wo das Hinsehen lohnt.
Von Karsten Lemm, San Francisco

Da ist Kate Winslet auf der Berlinale. Sie kommt an, sie spricht, sie lässt sich feiern. Ein Internetvideo wie jedes andere - nur dass man hier, bei Blinkx.com, direkt hineinschauen kann, Szene für Szene. Auf den ersten Blick erkennt man die wichtigsten Momente, dann genügt ein Mausklick, um an die Stelle zu springen, die besonders interessant aussieht. Obendrein stehen neben dem Filmchen Stichwörter, die zeigen, worum es geht. Solche Beschreibungen kennt man auch von Youtube, nur mit dem Unterschied, dass bei es Youtube die Nutzer sind, die Stichwörter eintragen; das kann irreführend sein. Blinkx dagegen wertet die Tonspur der Videos aus und entscheidet automatisch, per Software, welche Begriffe wichtig scheinen.

Nur mit solchen Hilfsmitteln, glaubt die Suchmaschinenfirma, die in London und San Francisco beheimatet ist, lässt sich die Fülle an Internet-Unterhaltung künftig noch bewältigen. "Die Menge an Online-Videos wächst explosionsartig an", sagt Blinkx-Chef und -Mitgründer Suranga Chandratillake. Neben Youtube und diversen Nachahmern wie Clipfish, Dailymotion und anderen stellen auch immer mehr TV-Sender ihre Programme ins Netz, angefangen mit ARD und ZDF über die BBC bis hin zu den US-Giganten, die neuerdings auf Portalseiten wie hulu.com und tv.com ihre Shows präsentieren. "Es grenzt an Overkill", sagt Chandratillake, "fast so, als ob man Hunderte von Kabelkanälen zur Auswahl hat."

Thematisches Zappen

Deshalb hat Blinkx seine Stichwort-Analyse nun ausgebaut: Die Begriffe, die vorher von der Suchmaschine hinter den Kulissen ausgewertet wurden, sind jetzt auch für die Nutzer zu sehen und lassen sich anklicken. Das erlaubt es, von einem Video zum nächsten zu springen, in dem es um ähnliche Themen geht - selbst wenn beim Hochladen der Filmchen niemand daran gedacht hat, diese Begriffe einzugeben, um das Video zu beschreiben. "Unsere Nutzer wollten mehr Möglichkeiten, Inhalte zu entdecken und sie sich genauer anzuschauen", sagt der 31-jährige Blinkx-Chef.

Mit gut 60 Mitarbeitern bewältigt seine Firma etwa sieben Millionen Suchanfragen pro Tag. Rund um die Uhr grasen fleißige Rechner das Internet nach Videos ab, schauen sie an und werten den Inhalt aus - neuerdings auch die Bilder: Fortschritte bei Rechenleistung und Software-Entwicklung erlauben es Diensten wie Blinkx, die Clips Bild für Bild zu untersuchen und sie in einzelne Szenen zu zerlegen - millionenfach, in Windeseile. Nebenbei versucht die Software, Gesichter zu erkennen, ähnlich wie moderne Digitalkameras, damit die Nutzer sofort sehen, wer in einem Video vorkommt und an welcher Stelle.

Blinkx ist damit nicht allein. Auch Videosurf etwa, ein Start-up aus dem Silicon Valley, nutzt Bildanalyse, um Filme aus dem Internet übersichtlicher zu präsentieren. Denn die Suche nach bewegten Bildern, da sind sich Experten einig, ist noch längst nicht so ausgereift, wie sie sein könnte und müsste, um mit dem schnell wachsenden Angebot mitzuhalten. "Im Augenblick gehen noch viele Leute einfach zu Youtube, wenn sie Online-Videos ansehen wollen", sagt Bobby Tulsiani, Analyst beim Marktforscher Forrester Research, aber nun, da die Auswahl zunehmend über Amateur-Clips und andere Minifilmchen hinausgeht, sieht er Bedarf für "deutlich bessere Wege, Inhalte zu finden".

"Google einen Schritt voraus"

Die Youtube-Mutter Google konzentriert sich bei Videos derzeit noch auf Stichwörter, die den Inhalt beschreiben - ein ähnliches Prinzip wie bei der Internetsuche allgemein. Das mag ungenauer sein, scheint bisher aber noch niemanden zu vergraulen. Im Dezember schauten Amerikaner gut 40 Prozent aller Online-Videos bei Youtube, berichtet der Marktforscher Comscore; insgesamt verschlangen 99 Millionen Besucher fast sechs Milliarden Clips. Dennoch biete sich für Spezialisten wie Blinkx und Videosurf eine enorme Chance, glaubt Tulsiani. Beide seien "Google einen Schritt voraus", sagt der Forrester-Analyst, und hätten "die wichtigsten Trends richtig erkannt".

Fast drei Viertel aller Internet-Nutzer schauen sich mittlerweile im Netz auch Videos an, und nach Youtube sind Suchmaschinen die zweitbeliebteste Methode, auf unterhaltsame oder informative Filmchen zu stoßen. Für deutsche Surfer haben Dienste wie Blinkx, Truveo und andere zusätzlich den Vorteil, dass sie sich bemühen, nur solche Videos aufzuführen, die ihre Nutzer tatsächlich anschauen können. Das ist bei legalen Angeboten nicht selbstverständlich, weil viele Seiten nur Zuschauer zulassen, die vor ihrer Haustür wohnen: Bei hulu.com etwa blitzen alle ab, die nicht in den USA leben - das liegt daran, dass Produzenten und Studios die Rechte in der Regel je nach Region separat verkaufen.

Das muss freilich nicht heißen, dass Fans von Dr. House unbedingt in die Röhre schauen, wenn sie die Fälle des knarzigen Arztes im Internet verfolgen wollen statt am heimischen Bildschirm. "Wenn es eine Show irgendwo im Netz gibt, finden wir sie auch", versichert Blinkx-Chef Chandratillake. "Auch wenn Sie in Deutschland oder England leben, können Sie Ihre Lieblingssendung wahrscheinlich irgendwo sehen - es kann allerdings sein, dass sie sich auf auf einer Website versteckt, von der Sie noch nie gehört haben." Genau dafür gibt es dann Suchmaschinen, die - hoffentlich - den Unterschied kennen zwischen House und Haus.


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