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Blogs: Erzähl mir alles!

Banales, Nützliches, Bewegendes - keinen Aspekt des Lebens lassen die Blogs genannten Online-Tagebücher aus. Jetzt bloggt auch der stern.

Dauernd läuft das Urinal auf der Herrentoilette, ein äußerlich perfektes Überraschungsei enthält eine zerknautschte Kapsel, eine Kollegin weiß nicht, dass reifer Chicorée nicht grün, sondern eher gelblich sein muss. Aufregend ist es nicht, was Björn Harste so erlebt. Aber echt. So echt, dass im Internet täglich fast 10 000 Menschen lesen, wie der Betreiber eines Bremer Spar-Marktes seinen Alltag bewältigt. Seine Website "Shopblogger" ist Teil eines Online-Trends, der auch in Deutschland an Fahrt gewinnt: Blogs.

Das Kürzel steht für Weblog, also Logbuch im Web. 200 000 Deutsche führen diese Online-Tagebücher, deren Veröffentlichung dank kostenloser Anbieter kinderleicht ist. Manche "Blogger" plappern einfach drauflos, einige lassen tief in ihre Herzen blicken, viele teilen ihr Fachwissen. Fast immer steht die ganz persönliche Sichtweise des Autors im Vordergrund. Jetzt bloggen auch Redakteure und Mitarbeiter des stern unter www.stern.de/blog (siehe Seite 238).

Viele Experten feiern Blogs als eine neue Form des "Bürger-Journalismus": Da berichten Opfer des Hurrikans "Katrina" im Online-Tagebuch schneller, authentischer, aber auch subjektiver von der Flut, als es CNN je brächte - bis der Computer versagt. Auch die Profis haben das neue Medium entdeckt: Im zu Ende gehenden Bundestagswahlkampf nutzen Politiker Weblogs - der Stammtisch wurde ins Web verlängert. Unternehmen suchen per Blog den direkten Kundenkontakt. So fragte der Tiefkühlhersteller Frosta seine Kunden, welche Melodie sie gern im nächsten Werbespot hören würden.

Wie viele Blogs es gibt,

ist schwer zu sagen. Über das Verzeichnis Technorati. com lassen sich knapp 17 Millionen Blogs durchsuchen. So bunt wie das Web ist auch die fabelhafte Welt der Blogs: Da schreiben sich genervte Lidl-Angestellte ihren Frust von der Seele, US-Soldaten führen Kriegstagebuch im Irak, oder Kenner kommentieren neue Spitzenweine.

Als Katharina Borchert vor über drei Jahren zum ersten Mal in einem Blog las, war sie begeistert. Kurz darauf registrierte die 32-jährige Hamburgerin ihren eigenen, "Lyssas-Lounge". Bei einer Flasche Rotwein verfasste sie ihren ersten Eintrag. Titel: "Die bizarren Osterbräuche meiner Familie". Seitdem erzählt sie Geschichten über ihr "kleines Leben" aus ihrer Wahlheimat Hamburg. Kostprobe: "Irgendwo in einem Hinterzimmer meines steinernen Herzens bin ich ein Seelchen, das schwermütige Kinofilme vorsichtshalber nur auf DVD guckt und sich mit traurigen Büchern auf dem Klo einschließt, um wirklich ungestört heulen zu können." So viel Offenheit provoziert Reaktionen: "Ich stelle einen Text ins Netz und bekomme gleich Kommentare, also sofort ein Feedback."

Dass die Leser ganz einfach ihre Meinung abgeben können, ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Blogs. Doch der Seelenstriptease zieht auch Voyeure an: Männer forderten sie auf, sie zu besuchen, "um die Beziehung endlich auf die körperliche Ebene zu führen". Seitdem schreibt Katharina Borchert nicht mehr so offenherzig über Sex. "Lyssas-Lounge" hat die Frau zum Star in der Blogszene gemacht. Sie hält Lesungen, schreibt auch für traditionelle Medien.

Katharina ist ein Urgestein in der deutschen "Blogosphäre", wie das Netzwerk aller Blogger heißt, die häufig gegenseitig auf Tagebucheinträge verweisen - auch das ein Grund für die Beliebtheit von Blogs. Neuigkeiten verbreiten sich dadurch blitzschnell: Interessante Einträge werden besonders oft verlinkt, das macht sie noch bekannter und gibt oft auch den etablierten Medien einen Anreiz, über das Thema zu berichten.

Neben zahlreichen privaten Weblogs ragen in Deutschland einige Berufsblogs aus der undurchsichtigen Blogosphäre. Der 34-jährige Taxifahrer Torsten Bentrup aus Paderborn fährt sein Taxi nachts oft rechts ran. Dann holt er Notizblock und Stift aus dem Handschuhfach und schreibt auf, was er erlebt hat. Nachts setzt sich Bentrup an den PC und bestückt aus den Notizen den "Taxiblog" (taxiblog.de): Da ist der Betrunkene, der ihm in den Nacken kotzte, oder der Brite, den er aus dem Taxi schmiss, weil dieser Nazi-Sprüche kloppte. Das wahre Leben im Rücksitz-Format.

Die zwei derzeit beliebtesten deutschen Weblogs werden von Journalisten gemacht. "Bildblog" kümmert sich einzig und allein darum, Verdrehungen und Unwahrheiten in dem Boulevardblatt aufzudecken. Und "Spreeblick" ist mit sechs separaten Blogs zu Themen wie Computerspielen oder Musik ein kleiner Blog-Verlag. Anzeigen sorgen hier mit Erfolg für Einnahmen, während "Bildblog" noch von Spenden lebt. Fast unendlich breit ist die Spanne, die Blogs bieten - von nützlichen Informationen über neue Tricks mit dem PC, persönliche Kommentare zum Weltgeschehen bis zu ganz banalen Innenansichten eines Mitmenschen wie des "Shopbloggers": "Ich rede, um mich zu befreien." Und das erspart ihm den Psychiater.

Mascha Jacoby/Dirk Liedtke
Mitarbeit: Anne Petersohn

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.