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Browserspiele: Eins, zwei, drei, ganz viele

Wer im Internet gegen andere Spieler antreten will, kann auf Titel wie "World of Warcraft" zurückgreifen - und dabei ordentlich Zeit und Geld lassen. Günstiger sind Browserspiele.

Von Andreas Lober

"Angreifer siegen und plündern! Verteidigungsflotte 'Hornets' (vernichtet)" - diese Meldung hat Captain Freeman den Tag verhagelt. Denn dann hat wohl ein böser Mitspieler über Nacht den seinen Planeten in dem Browserspiel "X-Wars" geplündert. Nun heißt es wieder: Rohstoffe abbauen, stärkere Verteidigungsanlagen errichten und möglichst zuverlässige Verbündete suchen. Das ganze geht mit wenigen Mausklicks in einem ganz normalen Browserfenster. Danach ist Captain Freeman einfach wieder Sven Huber und geht erst einmal an die Uni. Spätestens in der Mittagspause wird er wieder im Rechenzentrum sein, um auf seinem Planeten nach dem Rechten zu sehen und eine ähnliche böse Überraschung wie am Morgen zu verhindern. Denn die Welt von X-Wars lebt weiter und entwickelt sich fort, auch während er in seiner Marketing-Vorlesung sitzt. Wenn er wieder in die Rolle von Captain Freeman schlüpft und sich das nächste mal einloggt, sind neue Rohstoffe abgebaut, die Verteidigungsflotte aufgestockt... und ganz sicher haben einige Mitspieler in feindlichen Allianzen neue Pläne zur Dominanz des Universums ausgeheckt. Hier können sie einmal Imperator sein...

Fast aus dem Nichts kommt die kostenlose Alternative

Der Traum von virtuellen Parallel-Welten ist fast so alt wie das Internet und wurde in Filmen wie "13th Floor" und Büchern wie "Otherland" geträumt. Hunderttausende Spieler schlüpfen schon heute in großen kommerziellen Spielen wie "EverQuest 2" und - demnächst auch in Deutschland – "World of Warcraft" in die Rolle von Orks oder Elfen. Eintrittskarte: ein High-End-PC, rund 50 Euro für das Spiel und monatliche Gebühren von 10 Euro und mehr. Neben diesen "großen" Multiplayer-Spielen hat in den vergangenen Monaten fast aus dem Nichts kommend eine neue Spielegattung die Herzen der Spieler erobert: Browsergames wie X-Wars. Sie funktionieren auf praktisch jedem PC, man muß nicht erst Geld für das Spiel ausgeben und nur die wenigsten kosten monatliche Gebühren - die übrigen finanzieren sich über Werbung oder kostenpflichtige Zusatzdienste. Einige besonders ausgefeilte Spiele wie "Space Assault" oder "Scherbenwelten" konnten sich trotz (moderater) monatlicher Abo-Gebühren durchsetzen.

Wie kann man das Hobby zum Beruf machen?

Die meisten dieser Spiele wurden von Schülern oder Studenten programmiert und füllen eine Marktlücke: Professionelle Spiele wie EverQuest 2 oder World of Warcraft verschlingen Entwicklungsbudgets in Millionenhöhe, brennen grafische Feuerwerke ab, haben einen schier unersättlichen Hunger auf neue Hardware und machen meist nur Spaß, wenn man täglich mehrere Stunden in der virtuellen Welt verbringt. Die meisten Browserspiele dagegen sind optisch eher schlicht, setzen auf Strategie statt auf Action, wurden von ein, zwei Leuten als Hobbyprojekt entwickelt - und haben oft mehr aktive Spieler als die Online-Games der großen Publisher. Das erfolgreichste deutsche Browserspiel "Ogame" meldet über 200.000 aktive Spieler und ist längst mehr als ein Hobby. Eine Reihe weiterer Titel hat Spielerzahlen im fünfstelligen Bereich und die Programmierer tüfteln an Geschäftsmodellen, um das ehemalige Hobby zum Beruf zu machen. Sie profitieren davon, dass die großen Spielefirmen den Markt für Strategiespiele sträflich vernachlässigt haben und davon. Außerdem genügt es bei Browserspielen, von einem beliebigen Rechner mit Internetanschluss immer einmal wieder für eine Viertelstunde online zu gehen.

Der Ursprung der Browserspiele liegt im Weltraum, und hier sind nach wie vor die meisten der ausgereiften Spiele angesiedelt. Doch zunehmend werden andere Themen bedient: Sportspiele wie "Fußball Manager Online" oder die Eishockey-Simulation "Ice Fighter", Fantasy-Games wie "Freewar", Piratenspiele wie "Piratenkriege" und Gangster-Games wie "Mafia 1930" kämpfen mit Wirtschaftssimulationen wie "Kapitalism" um die Gunst der Spieler. Fast täglich erscheint ein neues Spiel. Doch mittlerweile ist es schwer, sich gegen die etablierten Titel durchzusetzen. So bleiben viele neue Kreationen bei einigen Duzend Spielern stehen. Um wie "Space Pioneers" ohne Werbebudget innerhalb eines Jahres auf 20.000 Spieler zu kommen, muss man schon eine hohe Qualität bieten.

Einen Überblick darüber, welche Spiele angesagt sind, geben die tagesaktuellen Charts auf der Szene-Seite Gamesdynamite.

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