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Facebook-Gruppe #ichbinhier: Wenn Menschen den Hass nicht mehr aushalten

Facebook löscht zwar sofort Bilder, auf denen zu viel nackte Haut zu sehen ist, aber Hate Speech und Hetze kriegt das soziale Netzwerk nicht in den Griff. Jetzt sind die User selbst aktiv geworden. Sie wollen den Dreck nicht mehr lesen.

Mann mit aggressiver Mimik und Gestik

Hass um des Hasses willen: Gegen die unglaubliche Hetze bei Facebook tun sich nun private User zusammen. Sie wollen mit der Aktionsplattform #ichbinhier eine vernünftige Diskussionskultur stärken.

Wenn man als ein Medium wie der stern bei eines Tages wie dem 27.1.1945 gedenkt, dem Tag, an dem sowjetische Truppen rund 7600 verbliebene Häftlinge im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit haben, weiß man vorher, was passieren wird. Es wird viel Arbeit auf einen zukommen, denn ein solches Posting zieht wie ein Magnet Menschen an, die dazu in den Kommentaren ihren Hass ausgießen. Die davon reden, dass sie ja viel zu jung seien und 1945 noch gar nicht auf der Welt waren. Dass sie es leid sind, immer noch als Schuldige dazustehen. Dass sie nicht alle drei Tage an die deutsche Vergangenheit erinnert werden wollen. Und überhaupt, dass es Deutschland ja bald sowieso nicht mehr geben würde. 

Frust, Dummheit, Ignoranz oder Hass, der gelöscht, ermahnt oder kommentiert werden muss. Und zwar so zeitnah wie möglich, was manchmal sehr, sehr schwierig ist. Also stehen dumme Reaktionen gelegentlich viel zu lange unter einem Artikel. So lange, dass sich andere User schon darüber lustig machen und sich fragen, ob beim gerade alle zusammen zum Mittagessen gegangen sind.

Haters gonna hate – und das soll sich wieder ändern

Das treibt nicht nur Magazine oder Nachrichtenseiten zur Verzweiflung, sondern auch viele private Facebook-User. Hass und Hetze haben so stark zugenommen, dass der Blick in die Kommentarspalten inzwischen ein Risiko darstellt. Denn das Lesen solcher Reaktionen macht etwas mit einem, die negativen, bösen, vernichtenden Haltungen scheinen das eigene Gehirn zu beschmutzen. Deshalb gehen User nun selbst dagegen vor. In hat sich dazu eine Gruppe gebildet, in der Privatpersonen eingreifen, aufklären und mit besonnener Haltung Hasskommentare entkräften. Sie kennzeichnen ihre Reaktionen mit #ichbinhier und inzwischen findet man sie bei vielen Medien-Facebook-Seiten, vom stern über den "Spiegel" bis hin zur "Tagesschau". Wir haben mit dem Mann hinter dem Netzwerk gesprochen.

Hannes Ley, Sie haben #ichbinhier gegründet?

Ja, aber es war nicht meine Idee. Die Idee kommt aus , die eigentliche Gründerin ist eine Journalistin namens Mina Dennert. Sie hat, ich glaube im Mai letzten Jahres, die Gruppe #jagärhär (Ich bin hier) gegründet und dafür gerade einen großen Preis erhalten, weil es so ein wertvoller gesellschaftlicher Beitrag ist. Sie hat ca. 60.000 Mitglieder in sechs bis sieben Monaten zusammengesammelt. Und als ich vor Weihnachten Besuch von einem schwedischen Freund hatte und wir auf das Thema Hate Speech und die unterirdischen Kommentare in den Medien zu sprechen kamen, hat er mir davon erzählt. Ich fand das sensationell und dachte, das ist genau das, was wir brauchen! Eine teamorientierte Taskforce. Also habe ich Mina kontaktiert und sie gefragt, ob es okay ist, wenn ich das Konzept nach Deutschland bringe. Sie fand die Idee gut, also habe ich über Nacht die Texte für die Facebook-Gruppe übersetzt und zwei Tage später haben wir losgelegt. Das muss etwa am 20. Dezember gewesen sein.

Inzwischen hat #ichbinhier schon mehr als 6000 Mitglieder. Wie viele davon sind tatsächlich aktiv?
Viele Leute setzen ihr Häkchen und wollen damit kundtun, dass sie die Idee gut finden, aber dann passiert nichts mehr. Ich schätze, wir haben 300 bis 400 wirklich aktive Leute. Davon sind 50 bis 100 Schreiber, die also richtige Kommentare schreiben, und der Rest sind "aktive Liker", die durch ihre Likes die Kommentare nach oben pushen. Aber je mehr wir dazugewinnen, desto mehr Aktive haben wir auch.

Wie vereinbaren Sie die Arbeit mit Ihrem Berufsalltag?
Deswegen hatten wir gerade ein Organisationstreffen. Wir haben etwa 20 Leute in der Moderationsgruppe, die für die Aktionen zuständig sind, die Bearbeitung von Mitgliederanfragen übernehmen rund zehn Leute. Alleine würde ich das überhaupt nicht hinkriegen, bin aber trotzdem für vieles noch zentraler Ansprechpartner. Seit der Gründung habe ich täglich etwa sechs Stunden Arbeit da hineingesteckt und ich bin selbstständig und habe eine Firma ...

Zudem muss das meiste auch noch tagsüber gemacht werden, oder?
Genau, und das ist echt eine Herausforderung, die ich gerade lösen muss. Und die Leute, die da kommentieren und Likes setzen, die machen das in ihren Pausen, morgens, mittags oder abends. Leute, die ganz wenig Zeit haben, liken zum Beispiel nur schnell die bestehenden Kommentare und gehen dann wieder raus. Jeder macht so sein Ding. 

Sie entdecken also Artikel, unter denen es gerade richtig abgeht, posten sie auf der Facebook-Seite und dahin strömen dann diejenigen, die Zeit haben, und versuchen, den Hass einzudämmen?

Exakt so läuft es. Wir haben eine Watchdog-Gruppe, die sich die Medien anguckt, die Artikel liest und die Kommentare darunter beobachtet. Und wenn es dort kippt, schickt sie den Link an eine geheime Gruppe. Die macht dann daraus eine Aktion. Das heißt, sie sagt, worum es in dem Artikel geht und postet möglichst früh einen Kommentar unter den Beitrag, damit man ihn sofort sieht. Weiterhin fordern wir dazu auf, einerseits Verfasser hetzerischer oder sexistischer Reaktionen bei Facebook zu melden und andererseits die guten Kommentare zu liken.

Wenn man einen Hetzer bei Facebook meldet, erhält man ja oft die unbefriedigende Antwort, dass Facebook damit nicht viel anfangen kann. Sind Ihre Erfahrungen auch so schlecht?

Absolut. Die "Süddeutsche Zeitung" hat ja mal diese Organisation durchleuchtet, die das für Facebook macht, eine Subfirma mit 600 Leuten. Die Angestellten werden extrem schlecht ausgebildet und kriegen nur wenige Coachings, wie sie mit Hetze umgehen. Zum Teil macht sie ihre Arbeit sogar krank, weil keiner jeden Tag so viel Hass erträgt. Unsere Erfahrungen bestätigen das. Wir bekommen auch Drohungen, insbesondere die Frauen werden ganz schlimm per Privatnachricht angegangen und man wünscht ihnen Vergewaltigungen. Und dann meldet man das und erhält dann eine Nachricht, die sagt: "Wir können das nicht richtig nachverfolgen, da müssten Sie uns die URL geben oder die IP-Adresse." Und teilweise heißt es auch: "Wir können hier keine hetzerischen Inhalte feststellen." Und dann guckt man sich das Profil an und da laufen Leute mit einer Reichskriegsflagge herum. Noch deutlicher geht's nicht. 

Gibt es eine Zukunftsvision für #ichbinhier?

Letztendlich geht es darum, eine bessere Diskussionskultur in sozialen Medien zu entwickeln. Und dafür haben wir die Aktionsplattform gebildet. Wichtig wird für uns das Thema Bundestagswahl 2017, bis dahin wollen wir auf jeden Fall weitermachen und noch ausbauen. Und gucken, dass nicht zu viele Leute in nicht demokratische Parteien abgleiten. Ich bin zwar Stratege von Beruf, aber habe die Maßnahme aus dem Bauch heraus gegründet, weil ich die Idee toll finde. Deswegen bin ich von der Dynamik jetzt selbst erschlagen und deswegen müssen wir unsere Zukunftspläne in den nächsten Wochen noch entwickeln.

Schätzen Sie, dass die Gruppe so weiterwächst?
Wir merken, dass wir immer schneller wachsen. Ich glaube, das Wachstum hängt von unserer Qualität ab. Wenn in Schweden bei einer Bevölkerung von 5,5 Millionen 60.000 Menschen kommen, dann würde ich sagen, dass wir hier locker 300.000 bis 400.000 Mitglieder kriegen können. Das wäre echte Power.

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