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Monopol-Verfahren "Wie eine gemeinsame Firma": Das verrät die Monopol-Klage über das Verhältnis von Google und Apple

Monopol-Verfahren: Die Google-Suche spült Apple jedes Jahr viel Geld in die Kassen
Die Google-Suche spült Apple jedes Jahr viel Geld in die Kassen
© Andrew Matthews/ / Picture Alliance
Google ist seit Jahren die Standard-Suchmaschine auf iPhone und Mac. Im Rahmen einer Monopolklage des US-Justizministeriums gegen Google kommen nun erstaunliche Details zu der Absprache heraus. 

Wer auf einem iPhone etwas im Internet sucht, nutzt dazu Google. Das erscheint für die meisten Nutzer völlig selbstverständlich. Doch das ist es nicht: Mit Zahlungen in Milliardenhöhe sichert sich Google seinen Platz im Suchschlitz. Eine Monopol-Untersuchung der US-Behörden zeigt nun, wie wichtig der Deal wirklich für Google ist. Und warum sie eine echte Konkurrenz quasi unmöglich macht.

Grundsätzlich war das Geschäft zwischen Apple und Google bereits lange bekannt. Der Suchmaschinen-Riese zahlte dem iPhone-Hersteller jedes Jahr eine Gebühr, um als Voreinstellung für den Suchschlitz aufzutauchen. Auch die Apple-eigene Suche Spotlight und Siris Suchfunktion sind seit einigen Jahren in dem Deal enthalten. Apple-Chef Tim Cook und Google-CEO Sundar Pichai sollen sich 2018 sogar persönlich getroffen haben, um Wachstumsstrategien für das Suchgeschäft zu erörtern, erklärt die Klageschrift. "Unsere Vision ist, dass wir wie eine gemeinsame Firma zusammenarbeiten", schrieb demnach ein Apple-Manager einem Google-Kollegen.

Es geht um viel Geld

Wie viel Geld dabei fließt, wissen nur die beiden Unternehmen. Bekannt ist, dass die Summe regelmäßig neu verhandelt wird - und konsequent steigt. Die in der Branche gehandelten Summen liegen zwischen 7 und 12 Milliarden Dollar pro Jahr. Auch die Schätzung der US-Behörden liegt in diesem Bereich. 

Warum sich diese Summen für Google trotzdem lohnen, zeigt eine neue Zahl, die aus dem Monopol-Prozess hervorgeht: Nach Kenntnissen der Ermittler soll mittlerweile fast jede zweite Google-Suche von einem Apple-Gerät ausgehen. Sollte der Konzern seinen exklusiven Zugriff also verlieren, würde er massive Einbrüche bei den Suchen und damit auch bei den Werbeeinnahmen hinnehmen müssen. Die zwölf Milliarden Dollar erscheinen da schnell als gutes Investment. Apple ist übrigens nicht der einzige Smartphone-Hersteller mit einem solchen Deal: Mit Samsung, Motorola und anderen schloss der Konzern ähnliche Verträge ab, auch Browser-Entwickler wie Mozilla verdienen Geld mit der voreingestellten Google-Suche.

Ist der Suchschlitz ein Monopol?

Den US-Behörden ist das ein Dorn im Auge. Zwar verbietet keiner der Hersteller explizit die voreingestellte Sucheinstellung zu ändern. Das ändere aber nichts an den Monopol-Vorwürfen. "In der Praxis ändert nur eine kleine Minderheit die Sucheinstellung", stellt die Klageschrift nüchtern fest. Mit seinen Kooperationen, seinem Browser Chrome und seinem Smartphone-Betriebssystem Android hätte Google die Kontrolle über 95 Prozent der Internetsuchen erlangt.

Aus Sicht der Partner gibt es auch wenig Anreiz, das zu ändern. Apple verrechnet die Einnahmen als Teil der Service-Sparte, sind sich Analysten sicher. Die gilt als wichtigster Wachstumsbereich des Konzerns und soll gemeinsam mit der Wearable-Sparte, die etwa die Airpods und die Apple Watch beinhaltet, die Abhängigkeit vom in den letzten Jahren weniger stark wachsenden iPhone verringern. Zwar nimmt Apple auch mit Diensten wie seinem Cloud-Angebot, dem App Store oder seinen Streamingdiensten immer mehr Geld ein. Bei Service-Einnahmen von 39 Milliarden Dollar in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres wäre der Wegfall der Google-Milliarden aber trotzdem ein spürbarer Rückschlag für den Service-Bereich.

Lange Partnerschaft

Begonnen hatte die Zusammenarbeit der Klageschrift zufolge bereits 2005, damals bezog sie sich noch ausschließlich auf Apples Safari-Browser, der damals für Apples Mac-Rechner zur Verfügung stand. Als Apple zwei Jahre später das iPhone herausbrachte, erweiterte man den Deal auch um die mobile Version des Browsers. Die Siri-Suche kam erst 2017 hinzu. Vorher hatte Apples Sprachassistent auf Microsofts Suchmaschine Bing gesetzt.

Dass sich die Situation auflöst, ist aus Sicht der US-Behörden daher enorm unwahrscheinlich. Schließlich hat Google mit seinen tiefen Taschen die Messlatte enorm hoch gelegt, argumentieren die Monopol-Experten. Ein ernstzunehmender Konkurrent müsste die Zahlungen des Suchgiganten erst einmal überbieten. Das ist eine enorm hohe Hürde. Die aktuellen Konkurrenten wie der auf Privatsphäre bedachte Dienst Duckduckgo können daran nicht einmal im Traum denken, selbst der Konkurrent Microsoft, an der Börse fast doppelt soviel wert wie Google, schreckt vor diesen Kosten aus verständlichen Gründen zurück.

Apple selbst sieht übrigens kein Problem mit dem Geschäft. Man wolle den Kunden immer die beste Lösung anbieten, erklärte der Konzern. In Vermarktungstests habe man ausprobiert, wie Kunden auf die Möglichkeit reagieren, sich eine Suchmaschine auszusuchen, erklärte Apple-Manager Kyle Andeer in einer Kongress-Anhörung im letzten Jahr. "Und die Kunden haben immer Google gewählt."

Quelle: US-Justizministerium, Apple, Bloomberg


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