Internet-Studie Deutschland lebt nicht genug online


Beim E-commerce an der Spitze, bei der Nutzerzahl im Mittelfeld, bei der Ausbildung von Schülern am Computer Schlußlicht: Laut einer Studie ist Deutschland in Sachen Internet auf dem absteigenden Ast.

Deutschland ist in Sachen Telekommunikation und Informationstechnik im internationalen Vergleich laut einer Studie zurückgefallen. Besonders kritisch sei es bei der Ausbildung von Schülern am Computer, sagte Willi Berchtold, Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (BITKOM), in München. "Einen solchen Mangel kann sich eine Wissensgesellschaft nicht erlauben, ohne die eigene Zukunft und den eigenen Wohlstand zu gefährden." Mit einem Computer für 14 Schüler seien die Schulen praktisch eine computerfreie Zone.

Internet-Handel boomt

Spitze sei Deutschland dagegen beim E-Commerce. 2003 seien laut der Studie "Daten zur Informationsgesellschaft", die am Dienstag vorgestellt wurde, in Deutschland mehr als 138 Milliarden Euro per Internet umgesetzt worden. Das entspreche einem europäischen Marktanteil von 30 Prozent. Den größten Anteil mit 122,7 Milliarden Euro mache dabei das Geschäft der Firmen untereinander aus.

50% aller Deutschen online

In Deutschland sei die Hälfte der Bevölkerung online, berichtete Berchtold. Bis 2006 werde mit 50 Millionen Internet-Nutzern gerechnet. Damit liege Deutschland in Sachen Verbreitungsrate lediglich im Mittelfeld. Besonders in Skandinavien hätten mehr Menschen Zugang zum Internet. Ähnlich sehe es bei Mobiltelefonen oder Breitbandzugängen aus. "Zwar konnten in wichtigen Feldern wie der Internet-Nutzung, den Breitbandanschlüssen oder der Mobilkommunikation starke Zuwächse erzielt werden. Andere Länder aber waren schneller", sagte Berchtold.

Mehr technische Begeisterung erwünscht

Die geringe Verbreitung von Computern sei möglicherweise ein Grund für den Fachkräftemangel in der IT-Branche, sagte Berchtold. Ende 2003 hätten bereits 30 Prozent der IT-Unternehmen nicht genügend Fachkräfte gefunden. "Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen sich wieder für Technik begeistern", sagte er. Derzeit würden proportional zur Zahl der Hochschulabgänger nicht ausreichend Naturwissenschaftler und Ingenieure ausgebildet.


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