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Kampf gegen Internetkriminalität: Microsoft schaltet Spam-Server ab

Dem Softwarekonzern Microsoft ist ein Schlag gegen das organisierte Internetverbrechen gelungen: Mehrere Webserver des "Zeus"-Botnetzes wurden abgeschaltet.

Die Mühlen in Behörden mahlen bekanntlich langsam. Dem US-Konzern Microsoft offenbar zu langsam: Einem Zeitungsbericht der "New York Times" zufolge hat der Windows-Entwickler die Initiative ergriffen und auf eigene Faust mehrere Server eines kriminellen Bot-Netzwerkes stillgelegt. Laut Medienberichten besorgten sich Microsofts Anwälte einen richterlichen Beschluss, um gemeinsam mit US-Justizbeamten zwei Bürogebäude in Illinois und Pennsylvania zu durchsuchen. Dabei wurden Webserver lahmgelegt, über die das "Zeus"-Schadnetzwerk ferngesteuert worden sei.

Geballte Rechenpower

Das "Zeus"-Netzwerk gilt als eines der komplexesten Netzwerke der Welt. Laut Microsoft erbeutete das Bot-Netz seit dem Jahr 2007 mehr als 100 Millionen US-Dollar. Rund 13 Millionen Computer sind mit einer Version des "Zeus"-Trojaners infiziert.

Bei einem Bot-Netz werden fremde Computer unbemerkt mit einer Schadsoftware infiziert, die den Rechner anschließend "versklavt". Die Rechner werden als "Drohne", "Zombie" oder schlichtweg als Bot, die Kurzfassung von "Robot", bezeichnet. Die infizierten Computer vernetzen sich untereinander und werden von einem zentralen Kommando-Server ferngesteuert. Je mehr Computer sich zusammenschließen, desto größer ist die Schlagkraft des Netzwerks. Sind genügend Rechner infiziert, reicht ein Befehl des Besitzers, um alle Computer angreifen zu lassen.

Die Besitzer von Bot-Netzwerken vermieten ihre digitale "Zombie-Armee" meist an andere Kriminelle, um Spam-E-Mails zu versenden oder Angriffe auf Webseiten von Unternehmen oder sogar Staaten auszuführen. Je größer das Gefahrenpotential des Netzwerks, desto höher ist der Preis. Deshalb versuchen die Besitzer, so viele Rechner wie möglich unter ihre Kontrolle zu bringen. Mit Hilfe der Schadprogramme können Internetkriminelle auch Passwörter, Bankdaten und andere persönliche Informationen von Nutzern ausspähen, wie im Fall des "Zeus"-Trojaners.

Zielscheibe Windows

Die meisten Computer auf der Welt nutzen als Betriebssystem Windows. Deshalb rückt die Microsoft-Software häufig in den Fokus von Internetbetrügern. Der "New York Times" zufolge schaltete Microsoft in den vergangenen Jahren bereits drei Schadnetzwerke auf eigene Faust aus. Bei der jüngsten Aktion sollen auch Hunderte Webadressen beschlagnahmt worden sein, die Teil des Betrugssystems gewesen seien. Die Hintermänner werden in Osteuropa vermutet.

cf/AFP / AFP