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Kampf gegen Internet-Kriminalität EU-Kommission plant eigenes Einsatzzentrum


Mit einem gemeinsamen Zentrum gegen Online-Kriminalität will die Europäische Union ihre Jagd auf Hacker und Internet-Betrüger ausweiten. Insgesamt 55 Ermittler von EU-Kommission, Mitgliedstaaten und der Polizeibehörde Europol sollen darin zusammenarbeiten.

Im Kampf gegen Internetkriminalität will die EU-Kommission ein spezielles Einsatzzentrum schaffen. Die Experten sollten im kommendem Jahr die Arbeit unter dem Dach der Europäischen Polizeibehörde Europol aufnehmen, sagte EU-Innenkommissarin Cecila Malmström am Mittwoch in Brüssel. Die Ermittler sollen etwa den Diebstahl von Bankdaten über das Internet sowie Kinderpornographie im Netz ins Visier nehmen.

"Internetverbrechen nehmen zu", begründete Malmström ihren Vorstoß für das Europäische Zentrum zur Bekämpfung der Cyberkriminalität, dem ihren Angaben zufolge die "schlauesten Köpfe" angehören sollen. Zudem würden die Täter immer geschickter dabei, sich über das Internet Zugang zu Computern, Bankkonten und Finanzgeschäften der Verbraucher zu verschaffen, um an Kredit- und Kontoinformationen oder persönliche Daten wie Nutzernamen oder Passwörter zu gelangen.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass Cyberkriminelle unser digitales Leben zerrütten", forderte Malmström. Das Zentrum solle dafür sorgen, "dass die Freiheit, die Offenheit und die Sicherheit des Internets gewahrt bleiben". Die Schwedin will das Vertrauen der Verbraucher in Einkäufe, Buchungen und Bankgeschäfte im Internet stärken. Schätzungen zufolge werden jeden Tag weltweit rund eine Million Menschen Opfer von Internetstraftaten. Die Täter erbeuten dadurch weltweit jährlich geschätzt bis zu 290 Milliarden Euro.

In Deutschland stieg etwa allein die Zahl der gemeldeten Fälle, in denen die Daten von Online-Banking-Nutzern durch die sogenannte "Phishing"-Methode abgefangen wurden, von weniger als 2000 im Jahr 2008 auf mehr als 5000 Fälle im Jahr 2010. Aber auch soziale Netzwerke sind nicht vor Online-Betrügern sicher: Bis zu 600.000 Facebook-Konten werden nach Hackerangriffen jeden Tag gesperrt. Ein neuer Trend unter den Internetverbrechern ist zudem, in die immer beliebter werdenden internetfähigen Smartphones einzudringen.

"Lasst uns die schlauesten Köpfe zusammenbringen", forderte Malmström daher. Ab Januar sollen unter dem Dach von Europol in Den Haag zunächst 30 Experten ihre Arbeit aufnehmen, um die EU-Länder vor Bedrohungen sowie vor Mängeln in ihren Onlinesystemen zu warnen und Internetverbrechern auf die Spur zu kommen. Malmström will die EU-Internetexperten aber nicht nur auf Vergehen wie Identitätsdiebstahl oder Kreditkartenbetrug ansetzen, sondern auch auf die sexuelle Ausbeutung von Kindern über das Internet.

Dem Vorschlag zufolge soll die Personalstärke des Zentrums nach der Startphase auf 55 Experten anwachsen, die Kosten sind mit 3,6 Millionen Euro im Jahr veranschlagt. Damit das Zentrum ins Leben gerufen werden kann, muss nun der EU-Kommission zufolge noch die Haushaltsbehörde von Europol zustimmen.

Die Den Haager Behörde befasst sich zwar ebenfalls bereits mit Internetkriminalität, hat nach Angaben der Kommission aber keine ausreichenden Mittel, um effizient Informationen aus verschiedenen Quellen auszuwerten oder um Anfragen von Justizbehörden und Unternehmen zu beantworten. Die EU-Kommission will daher, dass das neue Zentrum Informationen etwa von Wirtschaft, Polizeibehörden und Wissenschaft sammelt und dann Ermittler, Richter und Staatsanwälte in den EU-Ländern bei ihrem Vorgehen gegen Internetkriminelle unterstützt.

AFP AFP

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