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Kolumne - Neulich im Netz: Hoho: Viel zu tun

Für Davis ist schon seit ein paar Tagen Weihnachten. Er hat es sich einfach gemacht und sich kurzerhand selbst beschenkt. Seitdem schläft er kaum noch, und dunkle Schatten zieren seine Augen.

Das stört ihn jedoch nicht, denn er hat viel zu tun. Er muss die Neue Welt befrieden und en passant ein paar Kulturen dem Erdboden gleichmachen. Und das geht nicht zwischen Tür und Angel, dafür muss man sich schon Zeit nehmen. Davis kennt sie alle, denn er war schon damals dabei, als in Ägypten, Griechenland und im alten Rom klar Schiff gemacht wurde. Einerlei, ob mit oder ohne göttliche Unterstützung. Er legte auch Hand an im Mittelalter und begab sich erstmals über den großen Teich, um mit Azteken und Mayas ein ernstes Wörtchen zu reden.

Und nun sind wieder zwei Jahrhunderte ins Land gezogen, zumindest virtuell, wenngleich Menschen wie Davis meinen, sie hätten tatsächlich solange warten müssen, bis das Spektakel endlich seine Fortsetzung fand. Sieht gut aus, sagt er. Über die breitbeinig daherstolpernden Damen in ihren voluminösen Röcken amüsiert er sich dennoch. Aber die sieht man nicht allzu oft, weswegen man sich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren kann: schwach beginnen und stark aufhören. Das war, sagt Davis, früher einfacher. Und auch beim Wettstreit via Web sind die Gegner besser denn je. Alle haben dazu gelernt. Und das ist doch auch ganz schön, wenn einer heute noch etwas lernt, ohne sich gleich darüber zu beschweren, dass er stattdessen eigentlich auch etwas völlig Unnützes hätte tun können.

Mit "Age of Empires III" kann man, sagt Davis, völlig problemlos ein paar Monate vertun. Das sagt er so selbstverständlich nicht, weil er lieber schweigt und seine Augen trotz der Schatten diesen merkwürdigen Glanz haben. Frohe Weihnachten.

Thomas Hirschbiegel