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Kolumne - Neulich im Netz: Macht ja nix: Das Windows-Handy

Luigi hat als Jüngling ein Auto mit roten Sitzen gekauft, weil die "Hasen darauf abfahren". Luigi hat eine bestimmte Espressomaschine gekauft, weil die angeblich online-fähig sei. Jetzt will Luigi ein neues Handy. Von Motorola. Weil das Windows kann.

Luigi hat als Jüngling ein Auto mit roten Sitzen gekauft, weil der Nadelstreifenmann gesagt hat, dass die "Hasen darauf abfahren". Luigi hat eine Espressomaschine gekauft, weil im Prospekt stand, dass sie mit zwei oder drei Zusatzmodulen online-fähig sei. Und Luigi hat sich tätowieren und Handschellen durch die Ohren stechen lassen, weil er findet, dass Schwimmerinnen eine tolle Figur haben. Jetzt will Luigi, wasserscheuer Single mit Magentumor, ein neues Handy. Von Motorola. Weil das Windows kann.

Luigi schwimmt nicht gerne mit dem Strom

Vorher hatte Luigi das V600 von Motorola. Luigi mag keine "Nokias", denn er, der Golf GTI-Pilot und Quizshow-Gucker, schwimmt nicht gerne mit dem Strom, sagt er. Das V600 ist schon gut. Doch nach drei Monaten hat Luigi genug von Quad-Band-Technologie, integrierter Kamera, MMS, Java-Technologie, Bluetooth-Schnittstelle, austauschbaren Metall-Gehäuseschalen und Videoplayback. Das V600 kann ja kein Windows. Gut, dass die Produktentwickler bei Motorola jetzt nachlegen.

Das MPx200 bringt's voll. Da ist nämlich Windows und Outlook drauf. Und Internet. Sieht irgendwie aus wie die ganzen Motorola-Klapphandys und kann alles außer Kaffee kochen und Autos kurz schließen. Naomi Campbell hat so eins öfter im Bikini gehabt.

Bill will auch Handys befensterln

Für Luigi ist Naomi wichtig, aber auch, dass das Handy aussieht wie sein PC. Zumindest auf dem knatschbunten Display, denn unter der kleinen Haube läuft Microsoft Windows Mobile, der nächste Versuch des Redmond-Imperiums, das ganze Leben des modernen Menschen zu befensterln. In Bill Gates' Juniortüte stecken Luigis wichtigste Programme: Outlook und der Windows Media Player. Der kann auch MP3-Files. Auch von geknackten CDs und "Sachen aus dem Netz", die bei Luigi dafür sorgen, dass die 36 Gigabyte der Festplatte nicht reichen. Nur dumm, dass die in Berlin jetzt ein Gesetz geändert haben, weshalb die Urheber von Musikstücken dem armen Kerl jetzt ordentlich den (Brust-)Pelz verbrennen können.

Luigis liebste Animationskeule Marlies hat das gesagt. Die macht jetzt eine Umschulung von der Umschulung. Im vergangenen Jahr hat das Arbeitsamt die gelernte Fleischereifachverkäuferin auf Mediengestalterin trainiert, jetzt macht sie einen Kurs zum Hilfssheriff für die Musikindustrie. Zahlt aber nicht der Staat. Zahlt die Sozialhilfe.

Psst... nur nicht so laut klingeln

Nun hat sie Luigi geraten, sein neues Handy auf jeden Fall ganz leise zu stellen, denn sonst könne er auf offener Straße deportiert werden und bekäme zwangsweise einen Apple-Clone aufs Handy gespielt, das dann nur legale Songs aus dem Apple-Dienst iTunes spielen darf. Es sei denn, Steve Jobs verliert mal wieder einen Prozess und muss seinen Musikdienst einstellen, weil die Beatles mehr Recht haben. Das hat Luigi verstanden. Kauft er eben ein Nokia.